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Schülerzahlen 2025/2026: 11,5 Millionen, vierter Anstieg in Folge

Deutschlands Schulen wachsen weiter, obwohl die Einschulungen sinken. Die aktuellen Bildungsdaten zeigen 11,5 Millionen Schüler, steigenden Lehrkräftebedarf und ein System im Übergang.

14 Abschnitte
2.503 Wörter
22. Mai 2026 Letzte Aktualisierung

Deutschlands Schulen wachsen weiter, obwohl die Zahl der Schulanfängerinnen und Schulanfänger bereits sinkt. Genau dieser scheinbare Widerspruch prägt die aktuellen Bildungsdaten. Im Schuljahr 2025/2026 werden in Deutschland rund 11,5 Millionen Schülerinnen und Schüler unterrichtet. Das sind 84 300 mehr als im Vorjahr und bereits das vierte Wachstumsjahr in Folge. Gleichzeitig wurden zum Schuljahresbeginn 2025/2026 nur noch 811 500 Kinder eingeschult, also 2,2 % weniger als ein Jahr zuvor.

Die Botschaft dahinter ist wichtig: Das deutsche Schulsystem ist noch mitten in der Nachwirkung der starken Zuwanderung und der größeren Jahrgänge der vergangenen Jahre. Die schwächeren Geburtsjahrgänge kommen zwar inzwischen unten im System an, laufen aber erst nach und nach durch die Stufen. Deshalb steigt die Gesamtschülerzahl vorerst weiter, während sich an der Basis schon ein demografischer Gegenwind zeigt. Wer die aktuellen Zahlen richtig lesen will, muss deshalb Schule, Demografie, Lehrkräftebedarf und Infrastruktur zusammen denken.

Datenreport Schule

Schuljahr 2025/2026: mehr Schüler, weniger Einschulungen

Der Bestand steigt im vierten Jahr, während der neue Einschulungsjahrgang sinkt. Die Grafiken trennen Schularten, Länder und Startjahrgang.

Schülerzahl11,455 Mio.

Bestand nach Schulbereich

Allgemeinbildende Schulenrund 9,0 Mio.
Berufliche Schulenrund 2,3 Mio.
Gesundheitswesen/Rundungca. 0,16 Mio.

Der Gesamtwert aus der Schnellmeldung liegt bei 11.455.100 Schülerinnen und Schülern.

Dynamik gegenüber Vorjahr

ausländische Schüler

+3,6 %

allgemeinbildend

+0,9 %

gesamt

+0,7 %

beruflich

-0,4 %

Schulanfänger

-2,2 %

Positive und negative Veränderungen sind auf eine gemeinsame Ausschlagsskala gesetzt.

Größte Länder nach Schülerzahl

Nordrhein-Westfalen

2.588.600

Bayern

1.752.000

Baden-Württemberg

1.564.300

Niedersachsen

1.135.100

Hessen

879.400

NRW bleibt der größte Schulstandort; Bayern wächst durch die G9-Umstellung besonders stark.

Einschulungen 2025/2026

Nordrhein-Westfalen

179.100

Bayern

129.200

Baden-Württemberg

113.000

Niedersachsen

79.900

Hessen

60.900

Bundesweit wurden rund 811.500 Kinder eingeschult, 2,2 % weniger als im Vorjahr.

Vier Kennzahlen zur Lesart

Zuwachs gesamt+84.300mehr Schüler als 2024/2025
Ausländische Schüler1,9 Mio.17 % aller Schüler
Schulanfänger811.500-18.200 zum Vorjahr
Geschlecht Startjahrgang51 / 49Jungen / Mädchen in %

Länderdynamik im Bestand

Bayern gesamt

+2,2 %

Bremen

+1,4 %

Brandenburg

+1,0 %

Saarland

-0,5 %

Thüringen

-0,1 %

Die Länderwerte sind vorläufig; Nordrhein-Westfalen ist bei allgemeinbildenden Schulen endgültig.

Quellen: Destatis, Schülerzahlen 2025/2026 · Destatis, Einschulungen 2025/2026

Das Wichtigste in Kürze

  • 11,5 Millionen Schülerinnen und Schüler werden im Schuljahr 2025/2026 in Deutschland unterrichtet. Das sind +0,7 % oder 84 300 mehr als im Vorjahr.
  • Allgemeinbildende Schulen wachsen auf rund 9,0 Millionen Schülerinnen und Schüler, ein Plus von 0,9 %. Berufliche Schulen liegen mit 2,3 Millionen leicht darunter als im Vorjahr (-0,4 %).
  • 811 500 Einschulungen zum Schuljahresbeginn 2025/2026 bedeuten -2,2 % gegenüber dem Vorjahr.
  • 1,9 Millionen Schülerinnen und Schüler besitzen ausschließlich eine ausländische Staatsbürgerschaft. Das sind 17 % aller Schülerinnen und Schüler und +3,6 % gegenüber dem Vorjahr.
  • Bis 2032 rechnet die Bildungsministerkonferenz mit einem weiteren Anstieg auf knapp 11,8 Millionen. Bis 2040 dürften die Zahlen wieder leicht sinken, aber noch immer über dem Niveau von 2024 liegen.

Schule 2025/26: Die Zahlen im Überblick

Die aktuelle Schnellmeldung des Statistischen Bundesamts vom 11. März 2026 zeichnet ein klares Bild. Das Schulsystem wächst in Summe weiter, obwohl sich die Dynamik verändert. Vor allem die allgemeinbildenden Schulen legen zu, während die beruflichen Schulen leicht schrumpfen. Parallel dazu steigen auch die Bildungsausgaben pro Schülerin und Schüler deutlich.

Kennzahl Wert Einordnung
Schülerinnen und Schüler insgesamt 11 455 100 +0,7 % zum Schuljahr 2024/2025
Allgemeinbildende Schulen rund 9,0 Mio. +0,9 %
Berufliche Schulen 2,3 Mio. -0,4 %
Ausländische Schülerinnen und Schüler 1,9 Mio. +3,6 %, Anteil 17 %
Einschulungen 2025/26 811 500 -2,2 % zum Vorjahr
Kinder und Jugendliche 5 bis 19 Jahre +0,8 % Ende 2024 zum Vorjahr
Kinder im Einschulungsalter 5 bis 6 Jahre -1,1 % Ende 2024 zum Vorjahr
Ausgaben je Schülerin / Schüler 10 500 Euro 2024, +7 % zu 2023

Quellen: Destatis, KMK; Stand: 07.05.2026

Warum die Schülerzahlen steigen, obwohl weniger Kinder eingeschult werden

Auf den ersten Blick widersprechen sich die beiden zentralen Meldungen: mehr Schülerinnen und Schüler insgesamt, aber weniger Einschulungen. Tatsächlich beschreiben sie zwei verschiedene Ebenen derselben Entwicklung. Die Gesamtzahl hängt davon ab, wie viele Jahrgänge gleichzeitig im System sind. Die Zahl der Einschulungen zeigt dagegen nur, wie viele neue Kinder unten in die Grundschule eintreten.

In den vergangenen Jahren wurde das Schulsystem vor allem durch Zuwanderung größer. Das gilt besonders seit 2022. Diese zusätzlichen Jahrgänge wirken über viele Jahre nach, weil sie nicht nur in der Grundschule, sondern anschliessend auch in Sekundarstufe I und II verbleiben. Parallel sinkt inzwischen aber die Zahl der Kinder im einschulungsrelevanten Alter. Ende 2024 gab es bei den 5- bis 6-Jährigen bereits 1,1 % weniger Kinder als ein Jahr zuvor. Genau deshalb fällt die Zahl der Einschulungen nun, obwohl das System in der Summe noch wächst.

Man kann das wie eine Welle lesen: Unten kommt bereits weniger nach, aber weiter oben laufen noch die größeren Jahrgänge der vergangenen Jahre. Das erklärt, warum die Schülerzahl derzeit weiter steigt, die Dynamik aber sichtbar ihren Charakter verändert.

Allgemeinbildende Schulen wachsen, berufliche Schulen verlieren leicht

Besonders deutlich ist der Unterschied zwischen den Schulbereichen. An den allgemeinbildenden Schulen stieg die Zahl der Schülerinnen und Schüler im Schuljahr 2025/2026 um 0,9 % auf rund 9 Millionen. Dagegen sank sie an den beruflichen Schulen leicht um 0,4 % auf 2,3 Millionen.

Damit verlagert sich der Wachstumsdruck innerhalb des Systems. Die Schulgebäude, Lehrkräfte und kommunalen Träger spüren ihn vor allem in den allgemeinbildenden Schulen, also genau dort, wo Raumkapazitäten, Ganztag, Inklusion und individuelle Förderung besonders personalintensiv sind. Für die beruflichen Schulen ist die Lage etwas anders: Dort wirken demografische Effekte, Ausbildungsmarkt und Teilzeitunterricht im dualen System stärker zusammen.

Hinzu kommt, dass die Entwicklung regional sehr ungleich verläuft. Bayern verzeichnete an den allgemeinbildenden Schulen ein Plus von 2,9 %. Destatis erklärt das vor allem mit der Wiedereinführung des neunjährigen Gymnasiums. Weil der Abiturjahrgang 2025 dadurch unvollständig war, bleiben mehr Schülerinnen und Schüler gleichzeitig im System. In Thüringen, im Saarland und in Berlin gab es dagegen leichte Rückgänge an den allgemeinbildenden Schulen.

1,9 Millionen ausländische Schülerinnen und Schüler verändern die Schulrealität

Ein besonders wichtiger Befund ist die Zusammensetzung der Schülerschaft. Im Schuljahr 2025/2026 besitzen rund 1,9 Millionen Schülerinnen und Schüler in Deutschland ausschließlich eine ausländische Staatsbürgerschaft. Das entspricht einem Anteil von 17 % und einem Anstieg um 3,6 % gegenüber dem Vorjahr.

Diese Zahl sagt nichts über Bildungserfolg oder Integrationsleistung einzelner Gruppen aus, sie markiert aber eine strukturelle Veränderung des Systems. Mehr sprachliche Vielfalt, unterschiedliche Bildungsvoraussetzungen und eine höhere Dynamik durch Zuwanderung verlangen von Schulen mehr Diagnostik, mehr Förderung, mehr Sozialarbeit und oft auch mehr Personal. Die Bildungsrealität ist damit heterogener geworden, und zwar dauerhaft.

Die KMK verweist in ihrer aktuellen Vorausberechnung ausdrücklich darauf, dass in der Prognose rund 230 000 Schülerinnen und Schüler ukrainischer Herkunft berücksichtigt sind. Das macht deutlich, wie stark die internationale Lage unmittelbar auf deutsche Bildungsstatistiken durchschlägt. Schulen reagieren damit nicht nur auf Geburten und Jahrgangsstärken, sondern zunehmend auch auf Migrationsbewegungen.

Einschulungen sinken schon jetzt spürbar

Die zweite aktuelle Destatis-Meldung passt genau in dieses Bild. Zu Beginn des Schuljahres 2025/2026 wurden rund 811 500 Kinder eingeschult. Das waren 18 200 oder 2,2 % weniger als im Vorjahr. Damit setzt sich ein Trend fort, der bereits im Schuljahr 2024/2025 begonnen hatte.

Der Rückgang hat zwei Ursachen. Erstens gehen die Geburtenzahlen zurück. Kinder, die 2019 geboren wurden, erreichen 2025 das Einschulungsalter, und diese Jahrgänge waren schon kleiner als die zuvor. Zweitens flacht der Zuwanderungseffekt ab, der in den vergangenen Jahren viele Schulsysteme kurzfristig vergrößert hatte. Destatis betont, dass sowohl die Zahl deutscher als auch ausländischer Kinder im einschulungsrelevanten Alter zuletzt gesunken ist.

Damit wird die Grundschule in den kommenden Jahren als erste Stufe spürbar unter den neuen demografischen Trend geraten. Wichtig ist aber: Ein geringerer Einschulungsjahrgang bedeutet nicht automatisch sofortige Entlastung. Denn Unterrichtsversorgung, Ganztag, Inklusion und regionale Disparitäten bleiben weiter bestehen. Weniger Kinder heißt nicht automatisch weniger Belastung.

Die nächsten Jahre: noch mehr Schüler bis 2032, danach langsamer Rückgang

Die Bildungsministerkonferenz rechnet in ihrer aktuellen Schülervorausberechnung damit, dass die Zahl der Schülerinnen und Schüler in Deutschland zunächst weiter steigt. Ausgehend von rund 11,2 Millionen im Jahr 2024 erwartet die KMK bis 2032 knapp 11,8 Millionen. Das wäre ein Zuwachs von fast 600 000 Kindern und Jugendlichen.

Die KMK übersetzt diese Zahl in eine für Planung und Politik sehr anschauliche Dimension: Deutschland brauche rechnerisch rund 24 000 zusätzliche Klassen oder fast 1 200 neue Schulen, um dieses Wachstum aufzufangen. Erst nach dem Höchststand 2032 wird ein langsamer Rückgang erwartet. Selbst im Jahr 2040 dürften aber noch rund 11,3 Millionen Schülerinnen und Schüler im System sein, also etwa 77 000 mehr als 2024.

Diese Projektion ist für die aktuelle Debatte zentral. Sie zeigt, dass Deutschland nicht vor einer abrupten schulischen Schrumpfung steht, sondern vor einer langen Übergangsphase. Kurzfristig bleibt der Druck hoch. Mittelfristig verschiebt er sich zwischen den Schulstufen. Langfristig sinken die Zahlen wieder, aber nicht auf das alte Niveau.

Die Belastung wandert durch das System

Besonders aufschlussreich ist der Blick auf die Schulstufen. Nach den KMK-Prognosen wird die Primärstufe bis 2040 um rund 9 % schrumpfen. Die Sekundarstufe II wird dagegen weiter wachsen und 2040 noch ein Plus von fast 10 % gegenüber 2024 aufweisen. In der Sekundarstufe I wird der Höchststand erst 2031 mit knapp 5 Millionen Schülerinnen und Schülern erreicht.

Das hat erhebliche Folgen für Personalplanung, Gebäudemanagement und Fächerstruktur. Wenn sich die Belastung von der Grundschule zeitversetzt in die weiterführenden Stufen verschiebt, reicht es nicht, nur auf aktuelle Engpässe zu reagieren. Dann müssen Länder und Kommunen vorausschauend steuern: heute Grundschulen stützen, morgen Sekundarstufen absichern und gleichzeitig mit regional sehr unterschiedlichen Verläufen umgehen.

Gerade hier wird deutlich, warum aktuelle Schülerstatistik mehr ist als reine Demografie. Sie bestimmt, wie viele Klassenräume, Lehrkräfte, Ganztagsplätze, Schulsozialarbeiterinnen und digitale Endgeräte in den nächsten Jahren überhaupt benötigt werden.

Der eigentliche Engpass heißt Lehrkräfteangebot

Steigende oder nur langsam sinkende Schülerzahlen wären für das System leichter zu bewältigen, wenn ausreichend Lehrkräfte zur Verfügung stünden. Genau das ist aber nach den KMK-Daten nicht der Fall. Im Zeitraum 2025 bis 2035 werden nach den aktuellen Berechnungen bundesweit voraussichtlich etwas mehr als 329 000 voll ausgebildete Lehrkräfte auf den Arbeitsmarkt kommen. Der Einstellungsbedarf liegt im gleichen Zeitraum aber bei knapp 356 000. Daraus ergibt sich rechnerisch eine Lücke von rund 27 000 Lehrkräften.

Noch aufschlussreicher wird die Lage beim Blick auf einzelne Lehrämter. In den Lehrämtern der Grundschule stehen in den Jahren 2025 bis 2027 rund 23 400 Neuabsolvierende einem Bedarf von 26 400 gegenüber. Bei den Lehrämtern für Sekundarstufe I ist die Lage noch kritischer: Über den gesamten Zeitraum 2025 bis 2035 werden voraussichtlich 44 600 Absolvierende verfügbar sein, der Bedarf liegt aber bei 75 200. Rechnerisch fehlen dort also 30 600 Lehrkräfte.

Das erklärt, warum die Diskussion um Bildungspolitik so oft an Personalfragen hängt. Selbst wenn die Schülerzahlen an einer Stelle leicht sinken, entstehen daraus nicht automatisch freie Reserven. Viel häufiger verschiebt sich der Bedarf nur regional, fachlich oder zwischen den Stufen.

Mehr Schüler, höhere Ausgaben, aber nicht automatisch mehr Spielraum

Die öffentlichen Haushalte haben im Jahr 2024 durchschnittlich 10 500 Euro je Schülerin und Schüler an öffentlichen Schulen ausgegeben. Das waren nach Destatis rund 700 Euro oder 7 % mehr als 2023. Drei Viertel dieser Summe entfielen auf Personal. An allgemeinbildenden Schulen lagen die Pro-Kopf-Ausgaben sogar bei durchschnittlich 11 300 Euro, an beruflichen Schulen bei 7 600 Euro.

Diese Zahlen zeigen zweierlei. Erstens: Bildung wird finanziell bereits deutlich teurer. Zweitens: Der größte Hebel liegt beim Personal. Wenn Personalkosten steigen, heißt das nicht automatisch, dass Schulen strukturell besser ausgestattet sind. Es kann ebenso bedeuten, dass Tarifsteigerungen, Altersstruktur und Zusatzbedarfe einen großen Teil der Mittel binden. Mehr Geld allein löst deshalb weder Unterrichtsausfall noch Fachkräftemangel.

Gerade im Zusammenspiel mit den steigenden Schülerzahlen ist das politisch relevant. Denn wenn das System größer und heterogener wird, steigen die Kosten fast automatisch schneller als die blosse Schülerzahl. Die nüchterne Statistik dahinter lautet: mehr Personen, mehr Bedarfe, mehr Personalnotwendigkeit, höhere Ausgaben.

Was die aktuellen Zahlen für Schulen und Kommunen bedeuten

Für Schulträger, Länder und Kommunen ergeben sich aus den aktuellen Zahlen drei sehr konkrete Aufgaben. Erstens müssen sie mit einem System planen, das kurzfristig weiter groß bleibt. Zweitens müssen sie zugleich damit rechnen, dass sich das Wachstum regional und nach Stufen unterschiedlich verteilt. Drittens dürfen sie sinkende Einschulungszahlen nicht vorschnell als Entwarnung lesen.

Genau darin liegt die Schwierigkeit. Eine Kommune kann heute noch dringend zusätzliche Grundschulräume brauchen, während sie gleichzeitig wissen muss, dass der Druck in einigen Jahren eher an weiterführenden Schulen ankommt. Ein Land kann insgesamt stabile Zahlen melden und trotzdem in einzelnen Regionen massive Unterversorgung haben. Wer nur auf Bundesmittelwerte schaut, unterschätzt diese Verschiebungen.

Hinzu kommt der qualitative Druck: Ganztag, Sprachförderung, Inklusion und individuelle Unterstützung machen Schule nicht nur größer, sondern auch komplexer. Deshalb ist die aktuelle Statistik kein Anlass für Alarmismus, wohl aber für eine deutlich realistischere Planung als in früheren Jahren.

Warum dieses Thema 2026 besonders wichtig ist

Das Bildungssystem steht 2026 an einem entscheidenden Punkt. Die große Phase des Schülerwachstums ist noch nicht beendet, aber ihre Ursachen drehen sich bereits. Während die Nachwirkungen von Zuwanderung und großen Jahrgängen das System noch tragen, kommen unten schon kleinere Kohorten an. Daraus entsteht ein Übergang, der politisch schwerer zu steuern ist als eine klare Wachstums- oder Schrumpfungsphase.

Genau deshalb lohnt der nüchterne Blick auf die Statistik. Er zeigt, dass Deutschland weder vor einer plötzlichen schulischen Entlastung steht noch vor einem unbegrenzten Wachstum. Viel realistischer ist ein längerer Zeitraum, in dem das System insgesamt groß bleibt, sich die Engpässe aber verlagern. In dieser Lage entscheidet gute Steuerung mehr als symbolische Einzelmaßnahmen.

Bildungspolitisch heißt das: Die nächsten Jahre werden weniger durch die Frage geprägt sein, ob Schülerzahlen steigen oder fallen, sondern wo sie steigen, wann sie kippen und ob Lehrkräfte, Schulbau und Finanzierung damit Schritt halten.

Fazit

Die aktuellen Bildungsdaten für das Schuljahr 2025/2026 zeigen ein System im Übergang. Mit 11,5 Millionen Schülerinnen und Schülern wachsen Deutschlands Schulen weiter. Gleichzeitig sinken die Einschulungen bereits spürbar, weil die geburtenschwächeren Jahrgänge unten ankommen. Bis 2032 dürfte die Gesamtzahl trotzdem weiter steigen, bevor sie langsam wieder nachgibt.

Das eigentliche Problem ist deshalb nicht nur die Zahl der Schülerinnen und Schüler, sondern die ungleiche Verteilung des Drucks: regional, zwischen den Schulstufen und beim Lehrkräfteangebot. Wer diese Statistik richtig liest, kommt zu einem klaren Schluss: Deutschlands Schulsystem braucht weniger hektische Debatten und mehr vorausschauende Planung. Denn die Belastung endet nicht, sie verändert nur ihre Form.


Methodik: Die Angaben zu den Schülerzahlen 2025/2026 und zu den Einschulungen basieren auf Schnellmeldungen des Statistischen Bundesamts und sind zum Teil vorläufig. Die KMK-Prognosen beschreiben erwartete Entwicklungen unter Annahme fortgeschriebener Trends und aktueller Bevölkerungsprognosen. Aussagen zur Belastung oder Steuerungsnotwendigkeit sind redaktionelle Einordnungen auf Basis dieser amtlichen Daten.

Quellen: Destatis, 11,5 Millionen Schülerinnen und Schüler im Schuljahr 2025/2026 (11. März 2026); Destatis, Zahl der Schulanfängerinnen und -anfänger 2025 um 2,2 % gesunken (12. November 2025); Destatis, 10 500 Euro je Schülerin und Schüler an öffentlichen Schulen im Jahr 2024 (12. März 2026); KMK, Schülerzahlen: Es kommt noch einmal Rheinland-Pfalz dazu (November 2025); KMK, Lehrkräfteeinstellungsbedarf und -angebot 2025.

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