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BMG Finanzentwicklung 2025 · GKV-Spitzenverband · WIdO Arzneimittel-Kompass 2025 · geprüft 07.05.2026

Arzneimittel in Deutschland 2026

Die gesetzliche Krankenversicherung gab 2025 rund 58,49 Milliarden Euro für Arzneimittel aus – +5,9 Prozent oder +3,2 Mrd. Euro gegenüber 2024. Patentgeschützte Präparate binden 53,9 Prozent der Nettokosten, machen aber nur 7,1 Prozent der Tagesdosen aus. Im Biosimilar-Markt liegt ein Einsparpotenzial von 2,33 Mrd. Euro. Das Preismoratorium läuft bis Ende 2026.

Stand: 07.05.2026 · Datenbasis: BMG Finanzentwicklung der GKV 2025, GKV-Kennzahlen Q4 2025, WIdO Arzneimittel-Kompass 2025, BfArM Lieferengpass-Datenbank, gematik / TI-Atlas 2025
GKV-Arzneimittelausgaben 2025
58,49 Mrd. €
Vorläufige Rechnung BMG
+5,9 % · +3,2 Mrd. € ggü. 2024
Patentmarkt-Anteil
53,9 %
der Nettokosten
7,1 % der Tagesdosen · WIdO 2025
Biosimilar-Reserve
2,33 Mrd. €
jährliches Einsparpotenzial
5,66 Mrd. € biosimilarfähiger Markt
E-Rezept Regelbetrieb
1 Mrd.
Verordnungen seit Start
87 % der Versicherten zufrieden

GKV-Arzneimittelausgaben: 58,49 Mrd. € im Jahr 2025

Die Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung sind 2025 um 5,9 Prozent (3,2 Mrd. €) auf 58,49 Mrd. € gestiegen – deutlich über dem Schnitt 2013–2024. Allein die ambulante spezialfachärztliche Versorgung (ASV) verzeichnet ein Plus von 27,1 Prozent (+858 Mio. €). Der Ausgabenpfad hat sich seit 2020 dauerhaft auf einem höheren Niveau eingerastet.

GKV-Arzneimittelausgaben 2020–2025 (in Mrd. €)

Quelle: BMG Finanzentwicklung 2025, GKV-Kennzahlen Q4 2025.

Jährliche Veränderungsrate Arzneimittelausgaben (in %)

+5,9 % 2025 – deutlich über dem Schnitt der Vorjahre.

Top-Treiber des Ausgabenwachstums 2025

ASV: +27,1 % / +858 Mio. €. Quelle: BMG Finanzentwicklung 2025.

Hintergrund GKV-Datenstand

Die BMG-Finanzentwicklung ist die offizielle Vierteljahres-Rechnung der gesetzlichen Krankenkassen. Stand der zugrundeliegenden Werte: vorläufige Rechnungsergebnisse Q4 2025, veröffentlicht im März 2026. Die parallele GKV-Kennzahlen-Reihe weist die historische Zeitreihe aus, beide zeigen denselben Trend mit minimalen Abweichungen.

Patentmarkt: 53,9 % der Kosten, 7,1 % der Tagesdosen

Der Kostendruck im Arzneimittelmarkt verteilt sich extrem ungleich. Patentgeschützte Präparate machen 53,9 Prozent der GKV-Nettokosten aus, aber nur 7,1 Prozent der Tagesdosen. Orphan-Arzneimittel sind die Spitze des Eisbergs: 13,7 Prozent der Kosten bei lediglich 0,08 Prozent der Tagesdosen. Generika und Biosimilars liefern dagegen die Mehrheit der Verordnungsmenge bei deutlich geringeren Kosten je Dosis.

Patentmarkt: Kosten- vs. Tagesdosen-Anteil

Quelle: WIdO Arzneimittel-Kompass 2025, Datenstand 2024.

Orphan-Arzneimittel: Kostenintensiv, aber selten verordnet

13,7 % der Kosten bei 0,08 % der Tagesdosen.

Patent-Nettokosten 2024
53,9 %
Anteil an den GKV-Arzneimittel-Nettokosten. 7,1 Prozent der Tagesdosen erzeugen mehr als die Hälfte des Ausgabenblocks.
WIdO Arzneimittel-Kompass 2025
Orphan-Arzneimittel
13,7 %
Kostenanteil bei nur 0,08 Prozent der Tagesdosen – weniger als ein Promille der Menge erzeugt 14 Prozent der Kosten.
WIdO Arzneimittel-Kompass 2025
Generika-Anteil
~80 %
Anteil der Tagesdosen, die durch Generika versorgt werden – aber nur ein Bruchteil der Nettokosten.
WIdO 2025
Biosimilarfähiger Markt
5,66 Mrd. €
Nettokosten 2024. Größter Kostenblock unter den steuerbaren Segmenten.
WIdO Biosimilar-Analyse 2025

Biosimilars: 2,33 Mrd. Euro Einsparreserve

Das WIdO beziffert das jährliche Einsparpotenzial im biosimilarfähigen Markt auf 2,33 Mrd. Euro – rund 41 Prozent des aktuellen 5,66-Mrd.-€-Marktvolumens. Voraussetzung: flächendeckender, verpflichtender Austausch. Aktuell scheitert der Hebel an Arzt-Patient-Präferenzen, Rabattverträgen und fragmentierten Indikationen.

Biosimilar-Markt 2024: Volumen vs. Einsparpotenzial

Marktvolumen 5,66 Mrd. €, Einsparung 2,33 Mrd. € (41 %).

Neueinführungen 2024 (n = 42)

Neue Arzneimittel im GKV-Markt nach Kategorie.

Marktdynamik 2024/25

Von 42 neuen Arzneimitteln 2024 sind 24 Orphan-Arzneimittel und 7 personalisierte Behandlungen. Der Trend geht eindeutig in Richtung kleinerer Zielpopulationen mit höheren Stückkosten. Klassische Massenmedikamente (Statine, Antihypertonika, Antidiabetika) verlieren weiter an Patentschutz und werden mehrheitlich generisch versorgt.

GLP-1-Boom: Diabetes-Medikamente werden zur Massenversorgung

Die Zahl der GKV-Versicherten unter GLP-1-RA-Therapie hat sich bis Ende 2024 auf rund 550.000 fast verdoppelt. Semaglutid (Ozempic) und Dulaglutid (Trulicity) erreichten 2023 zusammen rund 90 Prozent Marktanteil; seit 2024 wachsen die Verordnungen für Tirzepatid (Mounjaro) deutlich. Die Kosten in diesem Segment haben sich 2022–2024 mehr als verdreifacht. Wegovy ist nicht erstattungsfähig – der GKV-Markt umfasst ausschließlich die Diabetes-Indikation.

GKV-Versicherte unter GLP-1-RA-Therapie 2020–2024 (in 1.000)

Quelle: BARMER Versorgungsanalyse 2025, GLP-1-Agonisten.

GLP-1-Marktanteile 2024 nach Wirkstoff

Tirzepatid wächst, Semaglutid bleibt Marktführer.

GKV-Ausgabenpfad GLP-1 2020–2024 (Mio. €)

Verdreifachung in zwei Jahren. BARMER 2025.

Politische Spannung

Aktuell bezahlt die GKV GLP-1-Wirkstoffe nur in der Diabetes-Indikation. Eine Erweiterung auf Adipositas (BMI ≥ 30 + Risikofaktoren) würde nach BARMER-Schätzungen die jährlichen Mehrausgaben in den Milliardenbereich heben. Der G-BA hat den Verordnungsausschluss für Wegovy 2024 bestätigt. Die politische Debatte über eine Aufnahme schwelt 2026 weiter.

Antibiotika: Verbrauch wieder über Vor-Pandemie-Niveau

2023 wurden 36,1 Mio. Antibiotika-Packungen für 792,1 Mio. € zulasten der GKV verordnet – +18,4 Prozent gegenüber 2022 und 6,1 Prozent über dem Niveau vor der Pandemie 2019. Die Verordnungen je 1.000 GKV-Versicherte schwanken stark regional: Hamburg verschreibt mit 328 Verordnungen pro 1.000 Versicherte am vorsichtigsten, das Saarland liegt mit 539 an der Spitze. Der Reserveantibiotika-Anteil bleibt mit 43,4 Prozent hoch.

Antibiotika-Verordnungen GKV 2018–2023 (in Mio.)

Pandemie-Tief 2020/21, Comeback 2022/23. WIdO 2025.

Antibiotika-Verordnungen je 1.000 GKV-Versicherte 2023

Top & Bottom KV-Bezirke. Quelle: WIdO Antibiotikaverbrauch.

Reserveantibiotika

43,4 Prozent aller Antibiotika-Verordnungen entfallen auf Reserveantibiotika (Cephalosporine, Fluorchinolone, Makrolide). Die WHO empfiehlt einen Reserveantibiotika-Anteil unter 40 Prozent. Deutschland liegt damit weiterhin im oberen europäischen Mittelfeld – ein Hebel für Antibiotic-Stewardship-Programme.

Lieferengpässe: BfArM-Datenbank zählt aktuelle Versorgungsmängel

Die BfArM-Lieferengpass-Datenbank weist Anfang 2026 mehrere hundert aktive Engpassmeldungen aus. Aktuelle Versorgungsmängel betreffen Ifosfamid (parenteral, Onkologie), Benzathin-Benzylpenicillin (parenteral, Syphilis-Therapie) und mehrere Pädiatrika. Pharmazeutische Unternehmer sind zur Meldung versorgungsrelevanter Engpässe verpflichtet. Die ALBVVG-Regelung von 2023 verbessert die Datenlage, löst die strukturellen Ursachen (Wirkstoffkonzentration in Asien, Rabattverträge mit nur einem Hersteller) aber nicht.

Top-Wirkstoffgruppen mit Engpassmeldungen 2024/25

Anteil aktiver Engpassmeldungen nach ATC-Hauptgruppe. Quelle: BfArM-Auswertung.

Aktiv: Ifosfamid
Versorgungsmangel
Onkologisches Zytostatikum, parenteral. BfArM-Maßnahmenpaket aktiv.
BfArM Lieferengpass-Datenbank
Aktiv: Benzathin-Penicillin
Versorgungsmangel
Erste Wahl bei Syphilis-Therapie. Importe und Pediatric-Stewardship als Brückenlösung.
BfArM
ALBVVG seit 2023
in Kraft
Arzneimittel-Lieferengpass­bekämpfungs- und Versorgungs­verbesserungsgesetz. Pflichtbevorratung, Vergabesegmentierung, transparente Meldedaten.
BfArM, BMG
Meldekalender 2026
vier Stichtage
Pharmazeutische Unternehmer übermitteln Bestands- und Produktionsdaten quartalsweise.
BfArM 2026

E-Rezept & Digitalisierung: Regelbetrieb seit Oktober 2025

Seit der vollständigen Einführung des E-Rezepts am 17. Oktober 2025 hat das System die Marke von einer Milliarde übermittelter Verordnungen passiert. Im TI-Atlas 2025 halten mehr als 90 Prozent der gesetzlich Versicherten das E-Rezept für sinnvoll, 87 Prozent sind mit der Nutzung zufrieden. Das spätere E-Rezept-NFC-Einlösen über Smartphone, der CardLink-Weg und die ePA-Integration laufen parallel.

E-Rezept-Akzeptanz GKV-Versicherte 2025

Quelle: gematik TI-Atlas 2025.

Einlöse-Wege E-Rezept 2025

Hauptanteil über eGK in der Apotheke, App- und CardLink wachsend.

Methodik & FAQ

Diese Auswertung kombiniert vier offizielle Quellen: BMG Finanzentwicklung der GKV (Vierteljahresrechnung), GKV-Spitzenverband Kennzahlen-Reihe, WIdO Arzneimittel-Kompass und WIdO Antibiotika-Auswertung sowie BfArM Lieferengpass-Datenbank und gematik TI-Atlas. Spezialthemen GLP-1: BARMER-Versorgungsanalyse 2025.

Wie viel gibt die GKV 2025 für Arzneimittel aus?

58,49 Mrd. Euro – ein Plus von 5,9 Prozent oder 3,2 Mrd. Euro gegenüber 2024. Damit übertreffen die Arzneimittelausgaben das langjährige Mittel deutlich. Quelle: BMG Finanzentwicklung der GKV 2025 (vorläufig, März 2026).

Welche Arzneimittel treiben die Kosten?

Vor allem patentgeschützte Präparate: 53,9 Prozent der Nettokosten bei nur 7,1 Prozent der Tagesdosen. Orphan-Arzneimittel binden 13,7 Prozent der Kosten bei 0,08 Prozent der Tagesdosen. Auch der Bereich der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (ASV) ist mit +27,1 Prozent ein klarer Treiber.

Was sind Biosimilars und wie groß ist das Einsparpotenzial?

Biosimilars sind Nachahmer von Biologika nach Patentablauf. 2024 lag der biosimilarfähige Markt in Deutschland bei 5,66 Mrd. Euro. Bei flächendeckendem, verpflichtendem Austausch wären laut WIdO 2,33 Mrd. Euro pro Jahr einzusparen – rund 41 Prozent des Marktvolumens.

Wie viele Menschen erhalten GLP-1-Medikamente in Deutschland?

Bis Ende 2024 rund 550.000 GKV-Versicherte unter GLP-1-RA-Therapie (Semaglutid, Dulaglutid, Liraglutid, Tirzepatid) – nahezu Verdopplung in zwei Jahren. Die Kosten haben sich 2022–2024 mehr als verdreifacht. Erstattung gilt nur für Diabetes-Indikation.

Wird Wegovy von der Krankenkasse bezahlt?

Nein. Der G-BA hat den Verordnungsausschluss für Wegovy bei Adipositas bestätigt – auch bei BMI ≥ 40 mit Begleiterkrankungen ist Wegovy keine GKV-Leistung. Eine Erweiterung der Erstattungspflicht ist politisch umstritten und 2026 nicht beschlossen.

Wie hat sich der Antibiotikaverbrauch entwickelt?

2023 wurden 36,1 Mio. Antibiotika-Packungen für 792,1 Mio. € verordnet – das dritte Jahr in Folge ein Anstieg, +18,4 % gegenüber 2022. Die Verordnungen liegen jetzt 6,1 % über dem Vor-Pandemie-Niveau 2019. Reserveantibiotika-Anteil: 43,4 %. Quelle: WIdO Antibiotika-Verbrauch 2025.

Wo ist der Antibiotikaverbrauch am höchsten?

Im Saarland (539 Verordnungen je 1.000 GKV-Versicherte 2023) und am niedrigsten in Hamburg (328). Die Spannweite zeigt einen Faktor von 1,6 zwischen den KV-Bezirken – Hinweis auf unterschiedliche Verordnungskulturen und nicht auf unterschiedliche Krankheitslast.

Wie viele Lieferengpässe gibt es aktuell?

Die BfArM-Lieferengpass-Datenbank weist 2026 mehrere hundert aktive Engpassmeldungen aus. Aktuelle Versorgungsmängel: Ifosfamid (Onkologie), Benzathin-Benzylpenicillin (Syphilis-Therapie), mehrere Pädiatrika. Das ALBVVG seit 2023 verbessert die Datenlage, beseitigt aber nicht die strukturellen Ursachen.

Wie weit ist das E-Rezept verbreitet?

Seit dem 17. Oktober 2025 ist das E-Rezept Regelbetrieb. Die Marke von 1 Mrd. übermittelter Verordnungen wurde inzwischen passiert. 90+ Prozent der GKV-Versicherten halten es laut TI-Atlas 2025 für sinnvoll, 87 Prozent sind zufrieden mit der Nutzung. Hauptweg: eGK in der Apotheke.

Bis wann gilt das Preismoratorium?

Bis 31. Dezember 2026. Pharmazeutische Unternehmer dürfen ihre Abgabepreise gegenüber dem Stichtagsniveau nicht erhöhen, sonst greift ein Herstellerabschlag. Die nächste politische Entscheidung über Verlängerung oder Reform steht im Verlauf 2026 an.

Quellen & weiterführende Daten