Einzelhandel in Deutschland April 2026 — -0,3 % real, Lebensmittel +3,2 %, Tankstellen brechen ein
Der Einzelhandel hat im April 2026 real (preisbereinigt) 0,3 % weniger umgesetzt als im Vormonat und 0,3 % weniger als im Vorjahr; nominal lag der Umsatz +0,3 % (zum Vormonat) bzw. +1,4 % (zum Vorjahr) höher. Der Lebensmittelhandel legte real +3,2 % zum Vormonat zu, Nicht-Lebensmittel verloren 2,2 %. Auffällig: Tankstellen brachen wegen des Nahost-Kriegs real um 4,0 % (zum Vormonat) und 10,4 % (zum Vorjahr) ein. Der Online- und Versandhandel verlor 4,7 % zum Vormonat, lag aber +0,4 % über Vorjahr.
Einzelhandel im Monatsverlauf
Reale Umsatzentwicklung Destatis PD26/183
EH-Umsatz real zum Vormonat Trend 2025-2026
EH-Umsatz real zum Vorjahr Trend
Online versus stationär
Die Schere zwischen Internet- und Filial-Handel
Online vs. Gesamt zum Vorjahr real (%)
Online-Anteil am EH 2018-2024
Sortimente im Vergleich
Wo der Einzelhandel wächst — und wo nicht
Sortimente zum Vorjahr April 2026
Online-Anteil nach Sortiment
FMCG-Online Wachstum 2025
Marktstruktur Online
Marktplätze dominieren, Direkthandel schrumpft
Online-Umsatz nach Kanal 2025
Top-Online-Player Anteil
Second-Hand-Markt Trend
Langfristtrend
EH-Umsatz und HDE-Prognose im Mehrjahresvergleich
EH-Jahresumsatz 2018-2025 real (Mrd EUR)
Online-Umsatz 2018-2025 (Mrd EUR)
Einzelhandelsumsatz April 2026 nach Branchen
Saison-/kalenderbereinigt & Originalwerte, Destatis PD26/183 vom 01.06.2026
| Branche | zum Vormonat real | zum Vorjahr real | zum Vorjahr nominal | Bemerkung |
|---|---|---|---|---|
| Einzelhandel gesamt | -0,3 % | -0,3 % | +1,4 % | saison-/kalenderber. |
| Lebensmittel insgesamt | +3,2 % | -0,1 % | +1,4 % | stärkster Treiber (zum Vormonat) |
| Nicht-Lebensmittel | -2,2 % | -0,2 % | +1,2 % | schwächer |
| Versand- & Internet-Handel | -4,7 % | +0,4 % | +1,1 % | zum Vormonat deutlich schwächer |
| Tankstellen | -4,0 % | -10,4 % | +7,6 % | Nahost-Krieg, Preisverfall |
| Bekleidung & Schuhe | n. v. | -4,5 % | -4,0 % | zum Vorjahr (Originalwerte) |
| Apotheken & Drogerie | n. v. | +1,0 % | +2,3 % | zum Vorjahr (Originalwerte) |
Hintergrund & Einordnung
Wichtige Faktoren und Methodik im Überblick
April 2026: weiter im Minus
Der reale Einzelhandelsumsatz sank im April 2026 um 0,3 % gegenüber dem Vormonat und um 0,3 % gegenüber April 2025; nominal lag er +0,3 % (zum Vormonat) bzw. +1,4 % (zum Vorjahr) höher. Der März wurde dabei kräftig nach oben revidiert: real nur noch 0,3 % statt vorläufig 2,0 % Rückgang zum Vormonat. Lebensmittel legten real +3,2 % zu, Nicht-Lebensmittel verloren 2,2 %. Tankstellen brachen wegen des Nahost-Kriegs real um 4,0 % (zum Vormonat) und 10,4 % (zum Vorjahr) ein.
Online verliert an Schwung
Anders als in den Vormonaten war der Internet- und Versandhandel im April 2026 kein Treiber mehr: Der Umsatz sank real um 4,7 % gegenüber dem Vormonat und lag nur noch +0,4 % real über dem Vorjahr (nominal +1,1 %). Im Gesamtjahr 2025 war Online nach HDE-Schätzung um 4 % auf 88,8 Mrd EUR gewachsen — für 2026 prognostiziert der Verband 92,4 Mrd EUR (+4 %). Der Online-Anteil am Gesamt-Einzelhandel liegt bei 13,4 % (2024).
Marktplätze als Online-Macht
Online-Marktplätze wie Amazon, Temu und Shein dominieren mit 57 % Anteil am gesamten Online-Umsatz in Deutschland. Direkthaendler verlieren dadurch Marktanteile. Wachstumssegmente sind FMCG (Lebensmittel, Kosmetik, Drogerie, Tierbedarf): +7,3 % Wachstum. Lebensmittel insgesamt erreichen aber weiterhin nur 7 % Online-Quote — deutlich geringer als Textil/Schuhe mit 43 %.
Sortimente unter Druck
Bekleidung und Schuhe verloren im April real 4,5 % gegenüber dem Vorjahr (Originalwerte) — ein schwacher Frühjahrsverlauf und wachsende Online-Discounter-Konkurrenz. Waren- und Kaufhäuser (sonstiger Einzelhandel) brachen real um 8,0 % ein. Stabil hielten sich Apotheken sowie kosmetische und pharmazeutische Produkte (+1,0 % real zum Vorjahr); der Lebensmittelhandel legte zum Vormonat real +3,2 % zu.
Second-Hand & Re-Commerce wächst
Der Second-Hand-Markt in Deutschland erreicht 2025 ein Umsatzvolumen von 9,9 Mrd EUR — ein neues Hoch. Treiber sind Plattformen wie Vinted, Kleinanzeigen, Rebuy sowie der wachsende Refurbished-Markt für Elektronik. Die Wachstumsraten liegen bei rund 8-10 % pro Jahr, deutlich schneller als der klassische Einzelhandel. Verbrauchermotive: Nachhaltigkeit, Preis, einfaches Online-Erlebnis.
Methodik & Vergleichbarkeit
Destatis publiziert den Einzelhandelsumsatz monatlich rund 30 Tage nach Berichtsmonat. Datengrundlage ist eine Stichprobe mit ca. 5.000 Unternehmen, die rund 60 % des Branchenumsatzes erfassen. "Real" bedeutet preisbereinigt mit dem Verbraucherpreisindex der jeweiligen Sortimente. "Saison- und kalenderbereinigt" rechnet Effekte wie Feiertagslagen heraus. Vorläufige Daten werden in den Folgemonaten revidiert — so wurde der Rückgang im März 2026 von vorläufig 2,0 % auf 0,3 % real nach oben korrigiert. Die Mai-Werte erscheinen Ende Juni 2026.
Häufige Fragen (FAQ)
Antworten zu den wichtigsten Begriffen und Daten
Wie entwickelte sich der Einzelhandel im April 2026?
Laut Destatis (PD26/183 vom 01.06.2026) sank der reale Einzelhandelsumsatz im April 2026 um 0,3 % gegenüber dem Vormonat und um 0,3 % gegenüber dem Vorjahresmonat April 2025. Nominal ergab sich +0,3 % (zum Vormonat) und +1,4 % (zum Vorjahr). Der Lebensmittelhandel legte real +3,2 % zum Vormonat zu, Nicht-Lebensmittel verloren 2,2 %. Der März wurde zugleich von vorläufig 2,0 % auf 0,3 % realen Rückgang revidiert.
Warum wächst der Online-Handel stärker als der stationäre Handel?
Drei Hauptgründe: Erstens das veränderte Konsumverhalten nach Corona — Online ist Standard geworden. Zweitens der Aufstieg internationaler Marktplätze (Amazon, Temu, Shein), die mit Niedrigpreisen und Direktimport aggressiv expandieren. Drittens die Bequemlichkeit (Lieferung, Retoure, Preisvergleich). Der Online-Anteil am EH stieg auf 13,4 % (2024). Im April 2026 verlor der Online-Handel allerdings 4,7 % zum Vormonat und wuchs nur noch +0,4 % real gegenüber Vorjahr, während der Gesamt-EH real 0,3 % unter dem Vorjahr lag.
Welche Sortimente wächst am stärksten online?
FMCG-Produkte (Fast Moving Consumer Goods) wachsen mit +7,3 % am stärksten online: Lebensmittel, Kosmetik, Drogerie, Tierbedarf. Allerdings ist der Online-Anteil bei Lebensmitteln mit 7 % noch immer am geringsten — während bei Textilien und Schuhen bereits 43 % online gekauft werden. Auch Elektronik, Bücher und Hobby-Artikel sind hoch online-affin. Lebensmittel-Onlinedienste wie Picnic, Knuspr und Rewe-Lieferdienst wachsen schnell.
Wie ist die HDE-Prognose für 2026?
Der Handelsverband Deutschland (HDE) hat seine Online-Umsatzprognose für 2026 auf +4 % angehoben — das entspricht einem Volumen von rund 92,4 Mrd EUR. Für den stationären Einzelhandel rechnet der HDE mit moderatem Real-Wachstum um +0,5 bis +1,0 %. Die Gesamtprognose ist optimistischer als 2024, aber Risiken wie Inflation, geopolitische Krisen (Iran, Ukraine) und Konsumzurückhaltung könnten sie dämpfen.
Wer dominiert den Online-Handel in Deutschland?
Online-Marktplätze stehen mittlerweile für 57 % des gesamten Online-Umsatzes in Deutschland. Amazon ist der unangefochtene Marktführer mit geschätzt 50 % Marktanteil im Versandhandel. Daneben wachsen Niedrigpreis-Anbieter wie Temu (China) und Shein (Mode) sehr schnell. Otto.de bleibt einer der wenigen relevanten deutschen Player. Spezialhändler (Zalando, About You) leiden unter dem Marktplatz-Wettbewerb.
Wie hoch ist der Online-Anteil am Einzelhandel insgesamt?
Der Online-Anteil am gesamten Einzelhandelsumsatz in Deutschland lag 2024 bei 13,4 % — ein leichter Anstieg gegenüber 13,0 % in 2023. Das absolute Online-Volumen betrug 2024 rund 85,6 Mrd EUR, 2025 nach HDE-Schätzung 88,8 Mrd EUR. Für 2026 wird ein Anstieg auf 92,4 Mrd EUR prognostiziert. Damit wächst der Online-Sektor weiterhin doppelt so schnell wie der Gesamt-Einzelhandel.
Wie groß ist der Second-Hand-Markt?
Der Second-Hand-Markt in Deutschland hat 2025 ein Umsatzvolumen von rund 9,9 Mrd EUR erreicht — ein neues Hoch und ein Plus von rund 9 % gegenüber 2024. Treiber sind Plattformen wie Vinted (Mode), Kleinanzeigen, Rebuy und Refurbed (Elektronik). Verbrauchermotive: Nachhaltigkeit, niedrigere Preise, einfaches Online-Erlebnis. Die Wachstumsraten liegen klar über dem klassischen Einzelhandel.
Wann werden die nächsten Einzelhandelsdaten veröffentlicht?
Destatis publiziert die Einzelhandelsumsatzstatistik monatlich, in der Regel am Letzten oder vorletzten Werktag des Folgemonats. Die Daten für April 2026 wurden am 1. Juni 2026 veröffentlicht, die Mai-Daten folgen Ende Juni/Anfang Juli 2026. Detaillierte Quartalsdaten werden zusammen mit dem BIP-Q-Ergebnis verbreitet. Der HDE publiziert sein eigenes Konjunkturbarometer monatlich (HDE-Konsumbarometer).
Quellen
Primärquellen und Methodik
