Gastgewerbe 2025: real -2,1 % — MwSt-Senkung auf 7 % ab Januar 2026 als Rettungsanker
Das deutsche Gastgewerbe musste 2025 erneut Umsatzrückgänge verkraften: -2,1 % real und +1,4 % nominal gegenüber 2024 — die Inflation bei Speisen und Getraenken verschleierte den realen Konsum-Rückgang. Beherbergung: real -2,0 %, nominal +0,8 %. Gastronomie: real -2,2 %, nominal +1,8 %. H1 2025 startete besonders schwach mit real -3,7 %. Kostendruck dramatisch: seit Jan 22 stiegen Personal +34,4 %, Nahrungsmittel +27,5 %, Energie +27,3 %. Rettungsanker: dauerhafte MwSt-Senkung auf Speisen von 19 auf 7 % ab 01.01.2026 betrifft 200.000 Betriebe mit 2 Mio Beschäftigten.
Umsatz-Entwicklung
Real- und Nominalumsatz 2018-2025
Gastgewerbeumsatz real zum Vorjahr (%) 18-25
Real gegenüber Nominal-Wachstum 2025 (%)
Beherbergung & Gastronomie
Sektorenaufteilung 2025
Beherbergung gegenüber Gastronomie real 2018-25 (%)
Monatlicher Umsatz-Verlauf 2025 (Index)
Umsatz-Verteilung Gastgewerbe 25 (%)
Kostendruck
Preisentwicklung wesentlicher Kostenarten
Kostensteigerungen seit Jan 22 (%)
Erzeugerpreise Gastgewerbe 18-25 (Index)
MwSt-Reform & Auswirkungen
Wirkung der MwSt-Senkung 19 -> 7 % ab 2026
Entlastung MwSt-Senkung 2026 (Mrd EUR)
Wirkung MwSt-Senkung Reinvestition (% Geschäfte)
Beschäftigung Gastgewerbe 18-25 (Mio)
Insolvenzen & Ausblick
Pleiten, Insolvenzen, Prognose 2026
Insolvenzen Gastgewerbe 19-25 (Anzahl)
Umsatz-Prognose 2026 Optimist./Pessimist. (%)
Detail-Tabelle: Gastgewerbe Umsatz und Strukturdaten 2024 gegenüber 2025
Statistisches Bundesamt + DEHOGA Branchendaten
| Indikator | 2024 | 2025 | zum Vorjahr (real) | zum Vorjahr (nominal) |
|---|---|---|---|---|
| Gastgewerbe gesamt (Mrd EUR nominal) | 98,5 | 99,9 | -2,1 % | +1,4 % |
| Beherbergung | 35,2 | 35,5 | -2,0 % | +0,8 % |
| Gastronomie | 59,3 | 60,4 | -2,2 % | +1,8 % |
| Sonst. (Catering u.a.) | 4,0 | 4,0 | 0,0 % | 0,0 % |
| H1 Umsatz real | +0,5 % | -3,7 % | -4,2 pp | — |
| H2 Umsatz real | -1,8 % | -0,5 % | +1,3 pp | — |
| Beschäftigte (Mio) | 1,98 | 2,00 | — | +1,0 % |
| Betriebe (Tsd) | 202 | 199 | — | -1,5 % |
| Insolvenzen | 1.890 | 2.150 | — | +13,8 % |
| Erzeugerpreise Gastr. (Index) | 132,5 | 137,8 | — | +4,0 % |
| Personalkosten (Index) | 128,5 | 134,4 | — | +4,6 % |
| Nahrungsmittel-Preise (Index) | 125,2 | 127,5 | — | +1,8 % |
| Energiekosten (Index) | 125,8 | 127,3 | — | +1,2 % |
Hintergrund & Einordnung
Wichtige Faktoren und Methodik im Überblick
Methodik & Quellen
Destatis publiziert monatlich (ca. 60 Tage nach Berichtsmonat) und jährlich den Gastgewerbeumsatz nach realem (preisbereinigtem) und nominalem Wachstum. Quelle: Befragung von ca. 5.000 Unternehmen ab 250.000 EUR Jahresumsatz, hochgerechnet auf Branchengesamtheit (Wirtschaftszweig WZ 55-56 nach NACE Rev. 2). DEHOGA (Deutscher Hotel- und Gaststaettenverband) liefert ergänzende Daten zu Betrieben, Beschäftigung und Branchenstimmung. ifo-Geschäftsklimaindex Gastgewerbe wird monatlich erhoben.
Anhaltende Konsumkrise
Trotz nominalem Umsatzplus (+1,4 %) sank der reale Umsatz 2025 um 2,1 % — das vierte Verlustjahr in Folge real. H1 2025 war besonders schwach mit -3,7 %. Hauptgründe: (1) Konsumzurückhaltung durch Inflation und Kaufkraftverlust, (2) hohere Preise als Reaktion auf Kostendruck, (3) Konkurrenz durch Lieferdienste/Tankstellen-Snack, (4) Home-Office veringert Mittagstische, (5) MwSt-Erhöhung Jan 2024 (19 % gegenüber 7 % bis 2023) belastete weiter.
Kostendruck dramatisch
Seit Januar 2022 sind Personalkosten um 34,4 % gestiegen — Folge der Tariferhöhungen, Mindestlohnsteigerung und Fachkräftemangel. Nahrungsmittel +27,5 %, Getraenke alkoholfrei +32,2 %, Energie +27,3 %. Gastronomien können diese Kosten nur teilweise an Gaeste weitergeben — sie würden die Konsumzurückhaltung verstärken. Folge: Margen schrumpfen, Insolvenzen steigen (2025 +13,8 % auf ca. 2.150). Die Branche ist zweitstärkstem Insolvenz-Risiko ausgesetzt — nach Verkehr/Lagerei.
MwSt-Senkung als Rettung
Ab 01.01.2026 gilt dauerhaft 7 % MwSt auf Speisen in Restaurants (vorher 19 %). Das war ein zentrales Wahlversprechen der Bundesregierungs-Koalition CDU/CSU + SPD nach der Bundestagswahl 2025. Die Massnahme entlastet die 200.000 gastronomischen Betriebe mit 2 Mio Beschäftigten um ca. 3,8 Mrd EUR pro Jahr. Laut DEHOGA-Branchenumfrage Dezember 2025 wird die Entlastung verwendet für: Arbeitsplatzsicherung (78 %), Modernisierung/Investitionen (62 %), Ausbildung (45 %), Preissenkungen (28 %).
Strukturwandel
Die Branche durchläuft tiefen Wandel: Klassische Vollservice-Restaurants verlieren, Schnellrestaurants (QSR) wachsen, Lieferdienste (Lieferando, Wolt) verdraengen Pizza/Sushi-Stuben, Bezahlsystem-Innovationen (kassenlose Bezahlung), Personalmangel zwingt zu reduzierten Oeffnungszeiten oder Schliessungen. Hoteliers profitieren von Tourismus-Erholung 2024/25 (Pre-Corona-Niveau in Buchungen), aber leiden unter Preisdruck durch Booking, AirBnB. Hochpreis-Hotellerie wächst, Mittelklasse leidet.
Prognose 2026
Mit der MwSt-Senkung ab 2026 erwarten DEHOGA und ifo eine spürbare Erholung: optimistisches Szenario +3-4 % real, pessimistisch +0,5-1 %. Voraussetzungen: stabile Konsumklima-Erholung, gut etablierter Tourismus, kein neuer Energiepreis-Schock. Risiken: weitere Tariferhöhungen (TVoeD bis 2027), strukturelle Personalknappheit, gestoerte Lieferketten. Bundes-Sondervermögen ermöglicht zudem Förderprogramme für energieeffiziente Gastronomie (Wärmepumpen, LED, Smart-Kueche).
Häufige Fragen (FAQ)
Antworten zu den wichtigsten Begriffen und Daten
Wie hat sich der Gastgewerbeumsatz 2025 entwickelt?
Laut Destatis (Destatis-Daten/054) verzeichnete das deutsche Gastgewerbe 2025 einen realen (preisbereinigten) Umsatzrückgang von 2,1 % gegenüber 2024. Nominal stieg der Umsatz um 1,4 % — die Differenz zeigt die hohe Inflation in der Branche. Beherbergung: real -2,0 %, nominal +0,8 %. Gastronomie: real -2,2 %, nominal +1,8 %. H1 2025 war besonders schwach mit -3,7 % real. Im Dezember 2025 lag der reale Umsatz 2,0 % unter Vorjahresmonat.
Warum sinkt der reale Umsatz?
Vier Hauptursachen: (1) Konsumzurückhaltung der privaten Haushalte durch Inflation und Kaufkraftverlust, (2) Preiserhöhungen der Gastronomien als Reaktion auf Kostendruck reduzieren die Nachfrage, (3) Wettbewerb durch Lieferdienste (Lieferando, Wolt) und Convenience-Anbieter (Tankstellen, Discounter), (4) Home-Office reduziert Mittagstische und Geschäftsessen. Hinzu kam Januar 2024 die MwSt-Wiedererhöhung auf 19 % bei Speisen.
Was bedeutet die MwSt-Senkung ab 2026?
Ab dem 01.01.2026 gilt für Restaurant- und Verpflegungsdienstleistungen (Speisen) dauerhaft 7 % statt 19 % MwSt — eine zentrale Forderung des DEHOGA und Wahlversprechen der neuen Bundesregierungs-Koalition. Die Massnahme entlastet 200.000 Betriebe um ca. 3,8 Mrd EUR pro Jahr. Wirkung laut DEHOGA-Umfrage (Dez 2025): Reinvestition vor allem in Arbeitsplatzsicherung (78 %), Modernisierung (62 %), Ausbildung (45 %), Preissenkungen (28 %).
Wie hoch sind die Kostensteigerungen?
Seit Januar 2022 (Vergleichsbasis): Personalkosten +34,4 %, Nahrungsmittel +27,5 %, Getraenke alkoholfrei +32,2 %, Getraenke alkoholisch +18,0 %, Energie +27,3 %. Diese Kosten lassen sich nur teilweise an Gaeste weitergeben — sonst verstärkt sich die Konsumzurückhaltung. Folge: Margen schrumpfen massiv. Viele Betriebe operieren bei oder unter der Rentabilitätsschwelle. Höhere Preise verlieren oft mehr Umsatz, als sie an Marge bringen.
Wie viele Insolvenzen gibt es?
Im Gastgewerbe gab es 2025 etwa 2.150 Insolvenzen (+13,8 % zum Vorjahr gegenüber 2024: 1.890). Die Branche ist die zweithöchste Insolvenz-Branche in Deutschland nach Verkehr/Lagerei. Vor allem klassische Vollservice-Restaurants mittlerer Größe sind betroffen. Schnellrestaurants (QSR), Catering-Unternehmen und Lieferdienste sind weniger gefährdet. Die Insolvenzwelle wird 2026 durch die MwSt-Senkung voraussichtlich gestoppt oder umgekehrt.
Wie viele Menschen arbeiten im Gastgewerbe?
Im deutschen Gastgewerbe arbeiten 2025 etwa 2,0 Mio Menschen (incl. Minijobs und Saisonkräfte) in rund 199.000 Betrieben. Davon: Restaurants ca. 1,0 Mio, Hotels/Pensionen ca. 0,5 Mio, Bars/Caterer ca. 0,3 Mio, Sonstige ca. 0,2 Mio. Die Branche ist stark fragmentiert — 87 % der Betriebe haben weniger als 20 Beschäftigte. Fachkräftemangel ist akut: ca. 110.000 unbesetzbare Stellen, vor allem Koeche, Servicekräfte, Hotelfachleute.
Wie ist die Prognose für 2026?
Mit der MwSt-Senkung ab 01.01.2026 erwartet DEHOGA optimistisch +3-4 % real Wachstum, pessimistisch +0,5-1 %. ifo prognostiziert +2,5 %. Voraussetzungen: stabile Konsumklima-Erholung, fortgesetzte Tourismus-Belebung, kein neuer Energiepreis-Schock. Risiken: weitere Tariferhöhungen (TVoeD bis 2027), strukturelle Personalknappheit. Förderprogramme: Bund-Sondervermögen ermöglicht Förderungen für energieeffiziente Gastronomie (Wärmepumpen, LED, Smart-Kueche).
Wann erscheinen die nächsten Daten?
Destatis publiziert monatliche Daten ca. 60 Tage nach Berichtsmonat. Januar 2026 (mit MwSt-Effekt) erscheint Ende März 2026, voraussichtlich mit deutlich positiven Werten. Jahresbilanz 2026 voraussichtlich Februar 2027. DEHOGA-Branchenumfragen halbjährlich. Diese Seite wird mit den jeweils aktuellsten Daten aktualisiert.
Quellen
Primärquellen und Methodik
- Destatis - Gastgewerbeumsatz 2025 real -2,1 % (Destatis-Daten/054)
- Destatis - Gastgewerbe H1 2025 real -3,7 % (Destatis-Daten/308)
- Destatis - Gastgewerbe Dezember 25 (Destatis-Daten/021)
- DEHOGA - MwSt-Reform 7 % auf Speisen ab 2026
- DEHOGA Bundesverband - Argumente 7 % MwSt
- HOGAPAGE - Gastgewerbeumsatz 2025 unter Vorjahresniveau
