Gastgewerbe Deutschland 2025/2026
Das Gastgewerbe schloss 2025 mit einem realen Umsatzminus von 2,1 % gegenüber 2024 ab – nominal aber +1,4 %. Im Januar/Februar 2026 stagnieren die Umsätze, gegenüber Vorjahresmonat liegen sie real 4,6 % im Minus. Parallel dazu erreichte der Tourismus mit 497,5 Mio. Übernachtungen 2025 einen neuen Rekord: Die Deutschen reisen, geben aber pro Aufenthalt weniger aus.
Jahr 2025 im Überblick: real schwach, nominal stabil
Die Destatis-Jahresbilanz Februar 2026 zeigt: Das Gastgewerbe verlor real 2,1 % an Umsatz, blieb aber dank Preissteigerungen nominal mit +1,4 % im Plus. Die zwei Subbranchen entwickelten sich ähnlich, Beherbergung dabei einen Tick stabiler als Gastronomie.
Gastgewerbeumsatz: Monatlicher Verlauf 2024–Februar 2026 (Index real, 2021=100)
Reale Umsätze stagnieren auf Vor-Corona-Niveau; nominal liegen sie deutlich höher. Schwacher Start ins Jahr 2026.
Jahr 2025: real vs. nominal (in %)
Real überall im Minus, nominal überall im Plus – ein klares Inflations-Bild.
Jahr 2025 nach Subbranche
Beherbergung real −2,0 %, Gastronomie −2,2 %; nominal +0,8 % bzw. +1,8 %.
Tourismus 2025: Rekord trotz schwacher Branchenzahlen
Während das Gastgewerbe real verliert, verzeichnet die Beherbergungsstatistik 2025 mit 497,5 Millionen Gästeübernachtungen einen neuen Rekord. Die Diskrepanz erklärt sich aus geringerem Pro-Aufenthalt-Konsum, wachsender Camping-Beliebtheit und Inlands-Tourismus-Verschiebung.
Gästeübernachtungen Deutschland 2014–2025 (Mio.)
Corona-Tief 2020 (~302 Mio.), Erholung 2022/2023, neuer Rekord 2025 mit 497,5 Mio. Übernachtungen.
Tourismus 2025: Inland vs. Ausland
Inland 413,7 Mio. (+0,7 %) · Ausland 83,8 Mio. (−1,8 %, EM-Effekt 2024 entfällt).
Übernachtungen nach Unterkunftsart (2025, Veränderung)
Camping +4,2 % als Outperformer · Hotellerie −0,4 % · Ferienunterkünfte zwischen den Polen.
Warum Rekord-Tourismus und reale Umsatzverluste zugleich?
Drei Faktoren: Erstens wandern Übernachtungen vom hochpreisigen Hotel zum günstigeren Camping (+4,2 % vs. −0,4 %). Zweitens geben Reisende vor Ort weniger aus – weniger Restaurantbesuche, kleinere Bestellungen. Drittens schiebt Inflation die Nominalumsätze hoch (+1,4 %), während die reale Kaufkraft pro Aufenthalt sinkt. Die Branche wächst in Köpfen, schrumpft im Geldbeutel.
Aktueller Monatsverlauf: Februar 2026
Die jüngsten Destatis-Daten (Pressemitteilung 138/2026) zeigen: Februar 2026 stagnierte real zum Vormonat (0,0 %), nominal +0,4 %. Gegenüber Februar 2025 fielen die realen Umsätze um 4,6 % – ein klarer Indikator, dass das schwache Jahresende 2025 sich zunächst fortsetzt.
Februar 2026: Veränderung zum Vormonat (Januar 2026)
Beherbergung real +2,4 %, Gastronomie real −1,1 %; gesamt 0,0 % real / +0,4 % nominal.
Februar 2026: Veränderung zum Vorjahr (Februar 2025)
Gesamt real −4,6 % / nominal +2,3 %; Gastronomie real −6,2 % – deutlich schwächer.
Mindestlohn-Effekt 2026
Zum 1. Januar 2026 stieg der gesetzliche Mindestlohn auf 13,90 Euro pro Stunde. Bis zu 4,8 Millionen Jobs sind betroffen, viele davon im Gastgewerbe. Für die Branche heißt das: höhere Personalkosten bei real schwachen Umsätzen. Erste Reaktionen sind verkürzte Öffnungszeiten und Preissteigerungen – was wiederum die nominale Umsatzentwicklung treibt.
Längsschnitt 2014–2025: drei Phasen
Zehn Jahre Gastgewerbe in einem Bild: stetiges Wachstum bis 2019, Corona-Schock 2020/2021, Erholung 2022–2023 mit Inflation und ab 2024 reale Stagnation bis Schrumpfung.
Gastgewerbeumsatz 2014–2025 (Index real, 2015=100)
Vor-Corona-Hoch 2019 bei 105 · Tief 2020 bei 65 · Erholung bis 2024 bei 99 · 2025 wieder bei ca. 97.
Drei-Phasen-Vergleich (Index real, ⌀)
Vor Corona (Ø 2014-2019): 100 · Corona (Ø 2020-2021): 73 · Rebound (Ø 2022-2025): 96.
Real vs. Nominal: Schere weitet sich seit 2022
Inflation hebt nominale Umsätze, real verliert die Branche.
Methodik & Lesefallen
Drei zentrale Punkte beim Lesen der Gastgewerbe-Statistik.
Geht es dem Gastgewerbe 2025 wirklich schlecht?
Real ja: −2,1 % zum Vorjahr. Nominal aber +1,4 %. Die Branche kämpft mit höheren Kosten (Energie, Personal, Mehrwertsteuer-Anhebung) bei zurückhaltender Kundennachfrage. 2025 war damit das zweite reale Minusjahr in Folge nach −1,1 % in 2024.
Warum mehr Übernachtungen, aber weniger Umsatz?
Drei Effekte: Camping/Ferienwohnungen statt Hotel, weniger Gastronomie-Konsum vor Ort, sparbewussteres Buchungsverhalten. Der Tourismus wächst quantitativ (Übernachtungen-Rekord), die Branche schrumpft qualitativ (Umsatz pro Aufenthalt).
Welche Rolle spielt der Mindestlohn 2026?
Der Anstieg auf 13,90 Euro pro Stunde betrifft im Gastgewerbe besonders viele Beschäftigte. Erwartete Folgen: höhere Speisepreise, Verkürzung der Öffnungszeiten in Randstunden, Beschleunigung der Automatisierung (Selbstbedienung, digitale Bestellung). Erste Effekte sehen wir in den nominalen Preisindizes.
Wie geht es im Frühjahr 2026 weiter?
Februar 2026 zeigt real ein Minus von 4,6 % zum Vorjahr – schwacher Jahresstart. Saisonbereinigt stagniert die Branche. Wendepunkte werden im Frühjahr/Sommer erwartet, wenn Reise-Saison und Außengastronomie wieder anziehen. Frühindikatoren wie Hotelbuchungen für Mai/Juni 2026 sind aktuell uneinheitlich.
Wo liegen die jüngsten Datenstände?
Gastgewerbe-Jahresbilanz 2025: Destatis-PM 054/2026 vom Februar 2026. Monatsdaten Februar 2026: PM 138/2026 vom April 2026. Tourismus-Jahresbilanz 2025: PM 046/2026. Halbjahresbilanz 2025: PM 308/2025 vom August 2025.
Quellenverzeichnis
- Destatis – Gastgewerbe 2025: Real 2,1 % niedriger als Vorjahr (PM 054/2026) · destatis.de
- Destatis – Gastgewerbeumsatz Februar 2026 real unverändert (PM 138/2026) · destatis.de
- Destatis – Gastgewerbeumsatz 1. HJ 2025 real um 3,7 % gesunken (PM 308/2025) · destatis.de Halbjahr
- Destatis – Tourismus 2025: Erneut Rekordwert bei Gästeübernachtungen (PM 046/2026) · destatis.de Tourismus
- Destatis – Themenseite Gastgewerbe, Tourismus · destatis.de Themen
- Destatis – Gastgewerbeumsatz Oktober 2025 (PM 459/2025) · destatis.de Oktober
- Destatis – Gastgewerbeumsatz November 2025 (PM 021/2026) · destatis.de November
- Hogapage – Gastgewerbeumsatz 2025 unter Vorjahresniveau · hogapage.de
- Tageskarte – Reale Umsätze stagnieren Februar 2026 · tageskarte.io
- tophotel.de – Deutscher Tourismus 2025 mit Übernachtungsrekord · tophotel.de
Stand: 07.05.2026 · Destatis Gastgewerbe Februar 2026 (PM 138/2026) · Jahresbilanz 2025 (PM 054/2026) · Tourismus 2025 (PM 046/2026)
