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⚠️ Häusliche Gewalt 2024

Häusliche Gewalt & Partnerschafts­gewalt in Deutschland 2024 — BKA-Bundeslagebild auf Rekordniveau

Das BKA-Bundeslagebild "Häusliche Gewalt 2024" (veröffentlicht 21.11.2025) zeigt einen neuen Rekord: 265.942 Opfer häuslicher Gewalt — ein Plus von 7,3 % gegenüber 2023 und der höchste Wert seit Beginn der Datenreihe. 70,4 % der Opfer sind Frauen. In der Partnerschaftsgewalt wurden 132 Frauen und 24 Männer getötet. Hass und Eskalation in den eigenen vier Wänden — die Statistik dokumentiert das gefährlichste Verhältnis vieler Frauen.

📅 Veröffentlicht 21.11.2025 · BKA Bundeslagebild · PKS-Hellfeld 2024 · 265.942 Opfer (Rekord)
Opfer häusl. Gewalt
265.942
+7,3 % vs. 2023 (Rekord)
Anteil Frauen
70,4 %
der Opfer häusl. Gewalt
Partnerschaftsgewalt
171.069
Opfer 2024 (+1,9 %)
Frauen-Anteil PG
80 %
der Opfer Partnerschafts­gewalt
Männer-Anteil TV PG
77,7 %
der Tatverdächtigen PG
Getötete Frauen PG
132
in 2024 (Partnerkontext)
Getötete Männer PG
24
in 2024 (Partnerkontext)
Innerfamiliäre Gewalt
94.873
Opfer (+7,3 %)
Misshandl. Schutzbef.
23.500
gegen Schutzbefohlene
Δ vs. 2020
+29 %
häusl. Gewalt-Fälle
Anzeigequote (SKiD)
6,2 %
Vergewaltigung/sex. Missbrauch
Anzeige Belast.
2,6 %
physische sexuelle Belaest.
Hass: Misogyn
+73,3 %
PKS 2024 frauenfeindl. Delikte
Frauenhäuser
ca. 400
in Deutschland (FHK-Verband)
Hilfetelefon 116 016
24/7
kostenlos, anonym, mehrsprachig
Kosten für Gesellschaft
3,8 Mrd
EUR/Jahr (WHO-Schätzung D)

Das große Bild: Häusliche Gewalt im Mehrjahresvergleich

Bundeslagebild BKA — Opferzahlen auf Rekordniveau

Opfer häusliche Gewalt 2020-2024

Opfer nach Geschlecht

Partnerschaftsgewalt im Detail

Sub-Kategorie mit besonderem Risiko für Frauen

Partnerschaftsgewalt Opfer-Trend

Tatverdächtige PG nach Geschlecht

Tötungs­delikte im Partnerkontext

132 Frauen und 24 Männer getötet 2024

Tote durch Partnerschaftsgewalt 2020-2024

Verteilung nach Geschlecht (2024)

Welche Delikte? Struktur der Gewalt

Welche Tatformen erfasst das Bundeslagebild

Häusl. Gewalt nach Delikt 2024

Sexualisierte Gewalt: Anzeigequoten (SKiD)

Misogyne Hassdelikte (Index 2020=100)

Wer trifft es? Demografie und Hilfesysteme

Opferprofil, Hilfeinfrastruktur, Prävention

Opfer nach Altersgruppe

Anteil weibliche Opfer nach Delikt

Hilfetelefon-Kontakte 2020-2024 (Tsd)

Bundeslagebild Häusliche Gewalt 2024 — Kernzahlen

BKA-Statistik der polizeilich erfassten Fälle, veröffentlicht 21.11.2025

Kategorie20202021202220232024Δ vs. 2023
Opfer häusl. Gewalt gesamt206.000215.000241.000247.000265.942+7,3 %
davon Frauen (Anteil)69,4 %69,8 %70,1 %70,2 %70,4 %+0,2 pp
Partnerschaftsgewalt Opfer148.500151.600159.000167.900171.069+1,9 %
davon getötete Frauen118113133155132-14,8 %
getötete Männer PG2326242824-14,3 %
Innerfamiliäre Gewalt Opfer72.80078.60082.00088.40094.873+7,3 %

Hintergrund & Einordnung

Wichtige Faktoren und Methodik im Überblick

Was zählt zur häuslichen Gewalt

Das BKA-Bundeslagebild definiert "häusliche Gewalt" weit: Es umfasst Partnerschafts­gewalt (Ehepartner, Lebensgefährten, Ex-Partner), innerfamiliäre Gewalt (Eltern, Geschwister, Kinder) sowie weitere häusliche Beziehungs­gewalt. Auf Basis der PKS-Hellfeld-Daten führt das BKA seit 2022 eine eigene jährliche Lagebild­berichts­serie. Tat­orte: Wohnung, Familie, Beziehung — der Begriff "häuslich" bezieht sich auf das Beziehungs­verhältnis, nicht den Tatort.

Frauen tragen die Hauptlast

70,4 % aller Opfer häuslicher Gewalt sind Frauen, in der Partnerschafts­gewalt sogar 80 %. 77,7 % der Tatverdächtigen in der Partnerschafts­gewalt sind Männer. 2024 wurden 132 Frauen durch ihre (Ex-)Partner getötet — das BKA spricht offiziell nicht von "Femiziden", weil eine bundes­einheitliche Definition fehlt und das Tat­motiv in der PKS nicht erfasst wird. Frauen­rechts­organisationen kritisieren das als Verharmlosung.

Der Trend ist seit Jahren ungebrochen

Die Opferzahlen steigen seit Beginn der Lagebild­berichts­reihe systematisch — von 206.000 (2020) auf 265.942 (2024), ein Plus von 29 %. Ursachen: Verbessertes Anzeige­verhalten, sensibilisierte Polizei, häufigere Öffentlichkeit für das Thema, aber auch reale Eskalations­effekte durch wirtschaftliche und psychische Belastungen nach Corona, Inflation und Krisen. SKiD 2024 zeigt zudem: 8,5 % der jugendlichen Frauen erlebten 2024 sexuelle Belästigung im Bekannten­kreis.

Hellfeld und Dunkelfeld

Die polizeiliche Statistik erfasst nur einen Teil der Realität. SKiD 2024 dokumentiert: Bei Vergewaltigung und sexuellem Missbrauch werden nur 6,2 % der Fälle angezeigt, bei physischer sexueller Belästigung 2,6 %. Das Dunkelfeld ist also enorm. Hochrechnungen aus SKiD legen nahe: Die echte Zahl der Opfer häuslicher und sexueller Gewalt liegt um den Faktor 10-15 höher als das polizeiliche Hellfeld.

Hilfeinfrastruktur ist ausbaufähig

Deutschland verfügt über rund 400 Frauenhäuser mit ca. 7.000 Plätzen — nach Empfehlung der Istanbul-Konvention müssten es etwa 21.000 Plätze sein, also fast die dreifache Kapazität. Das bundesweite Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen (116 016) ist 24/7 kostenlos und mehrsprachig erreichbar; 2024 verzeichnete es rund 60.000 Beratungs­kontakte. Zusätzlich gibt es 200+ Fachberatungs­stellen sowie spezialisierte Polizei­stellen in allen Bundesländern.

Was die Politik plant

Die Bundesregierung hat 2025 ein Gewalthilfegesetz beschlossen, das ab 2027 einen Rechts­anspruch auf Schutz und Beratung für alle Betroffenen vorsieht — ein Paradigmenwechsel. Parallel wurde der Bundesförderungs­rahmen für Frauenhäuser 2024 auf 600 Mio. EUR über 7 Jahre erhöht. Ein eigener Strafrechts­tatbestand "Femizid" wird seit längerem in Fachkreisen diskutiert, ist aktuell jedoch nicht im parlamentarischen Verfahren.

Häufige Fragen (FAQ)

Antworten zu den wichtigsten Begriffen und Daten

Wie viele Opfer häuslicher Gewalt gab es 2024 in Deutschland?

Laut BKA-Bundeslagebild "Häusliche Gewalt 2024" (veröffentlicht am 21.11.2025) gab es 2024 in Deutschland 265.942 Opfer — ein neuer Rekord. Der Anstieg gegenüber 2023 beträgt 7,3 Prozent. Seit Beginn der Lagebild­berichts­reihe 2020 (206.000 Opfer) sind die Zahlen um 29 % gestiegen. 70,4 % der Opfer sind Frauen.

Wer sind die Täter häuslicher Gewalt?

In der Partnerschafts­gewalt sind 77,7 % der Tatverdächtigen männlich, während nur 22,3 % weiblich sind. Bei innerfamiliärer Gewalt ist die Verteilung etwas ausgeglichener (rund 60 % männlich). Die Haupttäter sind aktuelle oder ehemalige Partner, Eltern, Geschwister und erwachsene Kinder. Der Tatort ist meist die gemeinsame Wohnung; Tatzeit ist deutlich häufiger am Wochenende und in den Abendstunden konzentriert.

Wie viele Frauen werden in Deutschland durch ihren Partner getötet?

Im Jahr 2024 wurden 132 Frauen durch ihren (Ex-)Partner getötet — das BKA zählt damit zur Kategorie "Tötungs­delikte im Kontext Partnerschafts­gewalt". Zusätzlich kamen 24 Männer ums Leben. Der Begriff "Femizid" wird vom BKA offiziell nicht verwendet, weil eine bundes­einheitliche Definition fehlt. Internationale Studien und Frauen­rechts­organisationen sprechen jedoch in vielen dieser Fälle von Femiziden — Tötungen gerade weil das Opfer eine Frau ist.

Warum steigen die Opferzahlen so stark?

Drei Faktoren wirken parallel: Erstens hat sich das Anzeige­verhalten verbessert — durch Öffentlichkeit, Beratungs­angebote und sensiblere Polizei­arbeit. Zweitens nimmt die reale Gewalt­tätigkeit in Beziehungen zu, vor allem unter wirtschaftlichem und psychischem Druck (Inflation, Wohnungsmarkt, Pandemie­folgen). Drittens werden mehr Fälle als "häusliche Gewalt" klassifiziert — Definitions­schärfe ist neu.

Wie hoch ist das Dunkelfeld?

Sehr hoch. Die Dunkelfeld­studie SKiD 2024 zeigt: Bei Vergewaltigung und sexuellem Missbrauch werden nur 6,2 % der erlebten Fälle angezeigt, bei physischer sexueller Belästigung 2,6 %. Hochrechnungen legen nahe, dass die tatsächliche Zahl der Opfer häuslicher und sexueller Gewalt um den Faktor 10-15 höher liegen könnte als die polizeilich erfassten 265.942 Fälle. Das Bundes­lagebild dokumentiert also nur die Spitze des Eisbergs.

Wo finde ich Hilfe in einer Gewalt­situation?

Erste Anlaufstelle ist das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen unter 116 016 — 24/7 kostenlos, anonym, in 18 Sprachen. Bei akuter Gefahr immer 110 anrufen. Frauenhäuser bieten Schutz und Unterkunft (Liste über www.frauenhauskoordinierung.de). Lokale Fachberatungs­stellen unterstützen bei juristischen, psychischen und finanziellen Fragen. Das Männer­hilfetelefon (0800 123 9900) richtet sich an betroffene Männer. Online: www.hilfetelefon.de mit anonymem Chat.

Wie viele Frauenhäuser gibt es in Deutschland?

In Deutschland existieren rund 400 Frauenhäuser mit ca. 7.000 Plätzen. Die Istanbul-Konvention empfiehlt einen Familien­platz pro 10.000 Einwohner — Deutschland müsste demnach etwa 21.000 Plätze vorhalten, also rund das Dreifache. Die Frauenhaus­koordinierung (FHK) berichtet von chronischen Überlastungen: Viele Frauen werden abgewiesen oder weiter­verwiesen. Die Bundesregierung hat 2025 das Gewalthilfegesetz beschlossen, das ab 2027 einen Rechts­anspruch auf Schutz und Beratung garantiert.

Was ist das Gewalthilfegesetz und wann gilt es?

Das im Sommer 2025 verabschiedete Gewalthilfegesetz (GewHG) tritt ab 2027 in Kraft und sieht einen verbindlichen Rechts­anspruch auf Schutz und Beratung für alle von häuslicher Gewalt betroffenen Menschen vor. Der Bund stellt über 7 Jahre rund 2,6 Mrd. EUR für den Ausbau der Hilfeinfrastruktur zur Verfügung. Zentrale Neuerung: Frauenhäuser müssen für Schutzsuchende kostenfrei sein — bisher war die Finanzierung uneinheitlich. Das GewHG gilt als größter sozialpolitischer Paradigmenwechsel in diesem Bereich seit Jahrzehnten.

Quellen

Primärquellen und Methodik