Kommunalfinanzen H1 2026: Defizit 20,1 Mrd. Euro – Rekordniveau gehalten
Die Kern- und Extrahaushalte der Gemeinden und Gemeindeverbände (ohne Stadtstaaten) wiesen im 1. Halbjahr 2026 ein Finanzierungsdefizit von 20,1 Milliarden Euro auf – genauso viel wie im Rekord-Halbjahr 2025, dem höchsten Wert für eine erste Jahreshälfte seit 1990. Die Ausgaben stiegen um 2,7 % auf 204,1 Milliarden Euro, die Einnahmen um 3,0 % auf 184,0 Milliarden Euro. Die Gewerbesteuer sank um 2,0 %, die Sachinvestitionen gingen um 4,5 % zurück.
Ausgaben nach Arten, H1 2026: Veränderung zum Vorjahr (%)
Steuereinnahmen der Kommunen, H1 2026 (Mrd. Euro)
Einnahmen und Ausgaben: H1 2026 im Vergleich
Wachstum zum Vorjahreszeitraum in %, H1 2025 und H1 2026
Kommunale Haushalte 1. Halbjahr 2026
Ohne Stadtstaaten; Quelle: Destatis PM Nr. 349
| Position | H1 2026 | zum Vorjahr |
|---|---|---|
| Finanzierungssaldo | -20,1 Mrd. € | unverändert |
| davon Kernhaushalte | -20,0 Mrd. € | — |
| davon Extrahaushalte | -0,1 Mrd. € | — |
| Bereinigte Ausgaben | 204,1 Mrd. € | +2,7 % |
| Personalausgaben | 54,7 Mrd. € | +5,2 % |
| Laufender Sachaufwand | 49,5 Mrd. € | +4,0 % |
| Soziale Leistungen | 46,3 Mrd. € | +3,9 % |
| Zweckgebundene Zuweisungen an Dritte | 25,4 Mrd. € | +5,2 % |
| Sachinvestitionen | 21,7 Mrd. € | -4,5 % |
| Baumaßnahmen | 15,5 Mrd. € | -2,4 % |
| Zinsausgaben | 2,4 Mrd. € | +13,1 % |
| Bereinigte Einnahmen | 184,0 Mrd. € | +3,0 % |
| Steuern (netto) | 57,3 Mrd. € | +0,9 % |
| Gewerbesteuer (netto) | 30,8 Mrd. € | -2,0 % |
| Anteil Einkommensteuer | 14,7 Mrd. € | +0,5 % |
| Grundsteuern | 7,5 Mrd. € | +4,1 % |
| Anteil Umsatzsteuer | 3,3 Mrd. € | +26,9 % |
| Schlüsselzuweisungen | 30,3 Mrd. € | +0,3 % |
| Gebühren | 26,5 Mrd. € | +5,7 % |
Gewerbe- und Grundsteuer 2025: neuer Rekord
Realsteuervergleich 2025, Destatis PM Nr. 369 vom 15.10.2026
Gewerbesteuereinnahmen der Gemeinden 1991–2025
In Mrd. Euro, brutto
Durchschnittlicher Gewerbesteuer-Hebesatz 2025 nach Ländern (%)
Gewerbesteuer 2025: Länder mit den größten Veränderungen (%)
Veränderung zum Vorjahr; Destatis nennt die drei stärksten Zuwächse und alle fünf Rückgänge.
Defizit auf Rekordniveau
Mit 20,1 Mrd. Euro bleibt das kommunale Defizit so hoch wie im 1. Halbjahr 2025 – damals der höchste Wert für eine erste Jahreshälfte seit der Vereinigung.
Ausgabenwachstum gebremst
Die Ausgaben stiegen um 2,7 %, nach 6,9 % im Vorjahreszeitraum. Personal (+5,2 %) und Zinsen (+13,1 %) wuchsen überdurchschnittlich.
Investitionen sinken
Die Sachinvestitionen gingen um 4,5 % auf 21,7 Mrd. Euro zurück, die Baumaßnahmen um 2,4 % auf 15,5 Mrd. Euro.
Gewerbesteuer schwächer
Die Gewerbesteuer (netto) sank um 2,0 % auf 30,8 Mrd. Euro. Ausgeglichen wurde das durch Grundsteuern (+4,1 %) und den Umsatzsteueranteil (+26,9 %).
Mehr Zuweisungen der Länder
Die Investitionszuweisungen der Länder stiegen um 8,7 % auf 5,7 Mrd. Euro, die zweckgebundenen Zuweisungen um 3,4 % auf 19,4 Mrd. Euro.
Schulden steigen
Die kommunale Verschuldung stieg zum Ende des 2. Quartals 2026 um 1,5 % auf 200,2 Mrd. Euro (PM Nr. 341).
FAQ
Wie hoch waren die Gewerbesteuereinnahmen 2025?
Die Gemeinden nahmen 2025 rund 76,4 Milliarden Euro Gewerbesteuer (brutto) ein, 1,5 % mehr als 2024 und so viel wie nie seit Beginn der Zeitreihe 1991. Der durchschnittliche Hebesatz lag bei 410 %.
Wie hoch ist das Defizit der Kommunen 2026?
Im 1. Halbjahr 2026 betrug das Finanzierungsdefizit der Gemeinden und Gemeindeverbände 20,1 Mrd. Euro – genauso viel wie im Rekordhalbjahr 2025.
Warum sinkt die Gewerbesteuer?
Die Gewerbesteuer (netto) lag mit 30,8 Mrd. Euro 2,0 % unter dem Vorjahr; Destatis nennt keine Einzelursachen. Andere Steuern glichen den Rückgang aus.
Investieren die Kommunen weniger?
Ja. Die Sachinvestitionen sanken um 4,5 %, die Baumaßnahmen um 2,4 %.
Wie hoch sind die kommunalen Schulden?
Zum Ende des 2. Quartals 2026 200,2 Mrd. Euro; Ende 2025 waren es 197,0 Mrd. Euro.
Quellen
- Destatis PM Nr. 369: Gewerbesteuereinnahmen 2025 (15.10.2026)
- Destatis PM Nr. 349 (01.10.2026): Kommunalfinanzen 1. Halbjahr 2026
- Destatis PM Nr. 341: Schulden 2. Quartal 2026
Stand: 08.10.2026 · Datenquelle Destatis
