Kultur, Freizeit und Zeitverwendung in Deutschland 2026
Wie teilen die Menschen in Deutschland ihren Tag auf – und wie viel Raum bleibt für Freizeit, Kultur und soziale Kontakte? Die Zeitverwendungserhebung (ZVE) 2022 des Statistischen Bundesamtes liefert erstmals seit zehn Jahren wieder ein vollständiges Tagebuch-Bild des Alltags: rund die Hälfte des Tages für Grundbedürfnisse, gut ein Viertel für Arbeit und Bildung, ein weiteres Viertel für Freizeit. Ergänzt um die amtliche Kulturstatistik zeigt sich, wie Deutschland nach der Pandemie wieder ins Kino, Museum und Theater zurückkehrt.
Quellen: Destatis ZVE 2022 · Kulturindikatoren auf einen Blick 2024Das 24-Stunden-Budget 2022: wofür der Tag draufgeht
Die Zeitverwendungserhebung 2022 erfasst über Tagebuchaufzeichnungen, wie Personen ab 10 Jahren ihren Tag verbringen. Knapp die Hälfte des Tages entfällt auf persönliche Grundbedürfnisse wie Schlafen, Essen und Körperpflege. Gut die andere Hälfte teilt sich auf bezahlte und unbezahlte Arbeit, Bildung und Freizeit auf.
Anteil der Hauptaktivitäten am Tag (Personen ab 10 Jahren, 2022)
Balkenlänge skaliert auf 24 Stunden. Werte gerundet nach Destatis ZVE 2022.
Schlafdauer: Werktag, Wochenende und Eltern
Paare mit Kindern im Haushalt schlafen im Schnitt rund 19 Minuten pro Tag weniger als Paare ohne Kinder.
Die Anatomie der Freizeit: Medien dominieren, Sport schließt ab
Von den gut sechs Stunden täglicher Freizeit entfällt der größte Teil auf Mediennutzung. Soziales Leben und Unterhaltung folgen, während für Sport, Hobbys und Spiele die wenigste freie Zeit bleibt.
Freizeit nach Bereichen (Durchschnitt pro Tag, ZVE 2022)
Balkenlänge relativ zum größten Bereich (Mediennutzung). Besuche von Kultur- und Sportveranstaltungen zählen zum sozialen Leben.
Tagebuch statt Reichweite
Die ZVE misst Zeitanteile aus Tagebuchaufzeichnungen – nicht Reichweiten oder Bildschirmzeiten. Deshalb liegen die rund drei Stunden Mediennutzung hier niedriger als die rund sechseinhalb Stunden Medienzeit aus reichweitenbasierten Studien: Letztere zählen Parallel- und Nebenbeinutzung mit. Eine vertiefte Betrachtung der reinen Mediennutzung bietet unsere Schwesterseite zur Mediennutzung.
Unbezahlte Arbeit und der Gender Care Gap
Ein großer Teil der nicht-freien Zeit ist unbezahlte Arbeit: Haushaltsführung, Kinderbetreuung, Pflege und ehrenamtliches Engagement. Frauen leisten davon deutlich mehr als Männer – der Abstand schrumpft, bleibt aber groß.
Unbezahlte Arbeit pro Woche nach Geschlecht (ab 18 Jahren, 2022)
Differenz rund 9 Stunden pro Woche bzw. 1 Std 17 Min pro Tag. Der Gender Care Gap lag 2022 bei 43,8 % – nach 52,4 % in der ZVE 2012/13.
| Kennzahl | Frauen | Männer | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Klassische Hausarbeit | ~2 Std/Tag | <1 Std/Tag | Kochen, Putzen, Wäsche |
| Betreuung & Pflege | >3,5 Std/Wo | ~2 Std/Wo | Kinder & Haushaltsmitglieder |
| Unbezahlte Arbeit gesamt | ~30 Std/Wo | ~21 Std/Wo | Gender Care Gap 43,8 % |
| Bezahlt + unbezahlt | ~45,5 Std/Wo | ~44 Std/Wo | Frauen ~1,5 Std mehr |
Eltern arbeiten am meisten
Elternteile im Erwerbsalter (18–64) kommen auf rund 57 Stunden bezahlte und unbezahlte Arbeit pro Woche – etwa 11 Stunden mehr als Gleichaltrige in Haushalten ohne Kinder. Den Mehraufwand tragen vor allem Mütter über die unbezahlte Sorgearbeit.
Kulturelle Teilhabe: Rückkehr nach der Pandemie
Nach Schließungen und Zugangsbeschränkungen sind die Besuchszahlen in Kinos, Museen und Theatern 2022 und 2023 deutlich gestiegen – das Vor-Pandemie-Niveau von 2019 ist aber noch nicht wieder erreicht.
| Einrichtung | Aktuelle Besuche | Je Einwohner | Vor-Pandemie | Quelle |
|---|---|---|---|---|
| Kino (2023) | 95,7 Mio | 1,1 | 118,6 Mio · 1,4 (2019) | Filmförderungsanstalt |
| Museen (2022) | 81,4 Mio | ~1,0 | 1,3 je Kopf (vor 2020) | Institut für Museumsforschung |
| Öffentl./private Theater (Spielzeit 2021/22) | 11,6 Mio | 0,1 | 0,3 je Kopf (2018/19) | Kulturindikatoren |
2021 lag der Theaterbesuch mit rund 3 Mio auf einem historischen Tief der Zeitreihe seit 2000. Die öffentlichen Kulturausgaben stiegen 2021 um 2,9 %.
Einsamkeit und soziale Zeit
Erstmals wurde 2022 in der Zeitverwendungserhebung das Thema Einsamkeit erfasst. Rund jede sechste Person ab 10 Jahren fühlt sich häufig einsam – mit deutlichen Unterschieden nach Alter und Haushaltsform.
Anteil, der sich oft einsam fühlt (ZVE 2022)
Junge Erwachsene sind stärker betroffen als Senioren. Hinweis: Hochbetagte und Personen in Pflegeheimen sind in der Stichprobe unterrepräsentiert.
Methodik & Quellen
Die Zeitverwendungserhebung ist eine freiwillige Haushaltsbefragung mit Tagebuchmethode, die das Statistische Bundesamt etwa alle zehn Jahre durchführt. 2022 zeichneten rund 9.600 Haushalte ihren Tagesablauf auf. Die Kulturzahlen stammen aus der amtlichen Kulturberichterstattung von Bund und Ländern.
Zeitverwendungserhebung 2022
Tagebuchdaten von Personen ab 10 Jahren zu bezahlter und unbezahlter Arbeit, Grundbedürfnissen und Freizeit. Vorgängererhebung: 2012/13.
Kulturindikatoren
Besuchszahlen aus Verbandsdaten (u. a. Filmförderungsanstalt, Institut für Museumsforschung), aufbereitet in „Kulturindikatoren auf einen Blick“.
Lesehinweis
Tagebuch-Zeitanteile sind nicht mit Reichweiten oder Bildschirmzeiten gleichzusetzen. Besuche je Einwohner sind rechnerische Pro-Kopf-Werte, keine Besucheranteile.
Passend dazu
→ Mediennutzung und Freizeit 2026: Zeitverwendung und Social Media – der vertiefte Blick auf Medienzeit, Tagesreichweiten und die Smartphone-Nutzung Jugendlicher.
Quellenverzeichnis
- Destatis – Zeitverwendungserhebung 2022, Ergebnisse · destatis.de
- Destatis – Pressemitteilung Nr. 073 vom 28.02.2024, Gender Care Gap & unbezahlte Arbeit · destatis.de
- Destatis WISTA 01/2025 – Die Zeitverwendungserhebung 2022, ein Überblick · destatis.de
- Destatis – Pressemitteilung Nr. 485 vom 19.12.2024, Besuche in Kultureinrichtungen · destatis.de
- Destatis – Themenseite Kultur / Kulturindikatoren auf einen Blick · destatis.de
