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Zeitverwendungserhebung 2022 · Kulturstatistik 2024

Kultur, Freizeit und Zeitverwendung in Deutschland 2026

Wie teilen die Menschen in Deutschland ihren Tag auf – und wie viel Raum bleibt für Freizeit, Kultur und soziale Kontakte? Die Zeitverwendungserhebung (ZVE) 2022 des Statistischen Bundesamtes liefert erstmals seit zehn Jahren wieder ein vollständiges Tagebuch-Bild des Alltags: rund die Hälfte des Tages für Grundbedürfnisse, gut ein Viertel für Arbeit und Bildung, ein weiteres Viertel für Freizeit. Ergänzt um die amtliche Kulturstatistik zeigt sich, wie Deutschland nach der Pandemie wieder ins Kino, Museum und Theater zurückkehrt.

Quellen: Destatis ZVE 2022 · Kulturindikatoren auf einen Blick 2024
Der Durchschnittstag ab 10 Jahren
24 Std
Aufteilung nach Hauptaktivitäten (ZVE 2022)
Grundbedürfnisse>11 Std
Arbeit & Bildung~6,5 Std
Freizeit>6 Std
8:37 Std Schlaf/Tag
43,8 % Gender Care Gap
Freizeit pro Tag
>6 Std
rund ein Viertel des Tages
+4 Min. ggü. 2012/13
Gender Care Gap
43,8 %
unbezahlte Arbeit Frauen vs. Männer
2012/13: 52,4 %
Schlaf pro Tag
8:37 Std
Personen ab 10 Jahren
Wochenende 9:15 Std
Museumsbesuche 2022
81,4 Mio
nach Pandemie-Tief
≈ 1 Besuch je Einwohner

Das 24-Stunden-Budget 2022: wofür der Tag draufgeht

Die Zeitverwendungserhebung 2022 erfasst über Tagebuchaufzeichnungen, wie Personen ab 10 Jahren ihren Tag verbringen. Knapp die Hälfte des Tages entfällt auf persönliche Grundbedürfnisse wie Schlafen, Essen und Körperpflege. Gut die andere Hälfte teilt sich auf bezahlte und unbezahlte Arbeit, Bildung und Freizeit auf.

Anteil der Hauptaktivitäten am Tag (Personen ab 10 Jahren, 2022)

Persönliche Grundbedürfnisse
Schlafen, Essen, Körperpflege
>11 Std · ~48 %
Erwerb, Bildung & unbezahlte Arbeit
~6,5 Std · >25 %
Freizeit
>6 Std · ~25 %

Balkenlänge skaliert auf 24 Stunden. Werte gerundet nach Destatis ZVE 2022.

Schlafdauer: Werktag, Wochenende und Eltern

Wochenende & Feiertage
9 Std 15 Min
Durchschnitt aller Tage
8 Std 37 Min
Werktags
8 Std 20 Min

Paare mit Kindern im Haushalt schlafen im Schnitt rund 19 Minuten pro Tag weniger als Paare ohne Kinder.

Die Anatomie der Freizeit: Medien dominieren, Sport schließt ab

Von den gut sechs Stunden täglicher Freizeit entfällt der größte Teil auf Mediennutzung. Soziales Leben und Unterhaltung folgen, während für Sport, Hobbys und Spiele die wenigste freie Zeit bleibt.

Freizeit nach Bereichen (Durchschnitt pro Tag, ZVE 2022)

Mediennutzung
Fernsehen, Streaming, Lesen
fast 3 Std
Soziales Leben & Unterhaltung
Treffen, Kultur-/Sportbesuche, Ausruhen, Social Media
knapp 2 Std
Sport, Hobbys & Spiele
gut 1 Std

Balkenlänge relativ zum größten Bereich (Mediennutzung). Besuche von Kultur- und Sportveranstaltungen zählen zum sozialen Leben.

Tagebuch statt Reichweite

Die ZVE misst Zeitanteile aus Tagebuchaufzeichnungen – nicht Reichweiten oder Bildschirmzeiten. Deshalb liegen die rund drei Stunden Mediennutzung hier niedriger als die rund sechseinhalb Stunden Medienzeit aus reichweitenbasierten Studien: Letztere zählen Parallel- und Nebenbeinutzung mit. Eine vertiefte Betrachtung der reinen Mediennutzung bietet unsere Schwesterseite zur Mediennutzung.

Unbezahlte Arbeit und der Gender Care Gap

Ein großer Teil der nicht-freien Zeit ist unbezahlte Arbeit: Haushaltsführung, Kinderbetreuung, Pflege und ehrenamtliches Engagement. Frauen leisten davon deutlich mehr als Männer – der Abstand schrumpft, bleibt aber groß.

Unbezahlte Arbeit pro Woche nach Geschlecht (ab 18 Jahren, 2022)

Frauen
~30 Std
Männer
~21 Std

Differenz rund 9 Stunden pro Woche bzw. 1 Std 17 Min pro Tag. Der Gender Care Gap lag 2022 bei 43,8 % – nach 52,4 % in der ZVE 2012/13.

KennzahlFrauenMännerHinweis
Klassische Hausarbeit~2 Std/Tag<1 Std/TagKochen, Putzen, Wäsche
Betreuung & Pflege>3,5 Std/Wo~2 Std/WoKinder & Haushaltsmitglieder
Unbezahlte Arbeit gesamt~30 Std/Wo~21 Std/WoGender Care Gap 43,8 %
Bezahlt + unbezahlt~45,5 Std/Wo~44 Std/WoFrauen ~1,5 Std mehr

Eltern arbeiten am meisten

Elternteile im Erwerbsalter (18–64) kommen auf rund 57 Stunden bezahlte und unbezahlte Arbeit pro Woche – etwa 11 Stunden mehr als Gleichaltrige in Haushalten ohne Kinder. Den Mehraufwand tragen vor allem Mütter über die unbezahlte Sorgearbeit.

Kulturelle Teilhabe: Rückkehr nach der Pandemie

Nach Schließungen und Zugangsbeschränkungen sind die Besuchszahlen in Kinos, Museen und Theatern 2022 und 2023 deutlich gestiegen – das Vor-Pandemie-Niveau von 2019 ist aber noch nicht wieder erreicht.

Kino 2023
95,7 Mio
Besuche · 1,1 je Einwohner
+23 % ggü. 2022
Museen 2022
81,4 Mio
Besuche · ~1,0 je Einwohner
+110 % ggü. 2021
Theater 2021/22
11,6 Mio
Besuche · 0,1 je Einwohner
+300 % ggü. 2020/21
EinrichtungAktuelle BesucheJe EinwohnerVor-PandemieQuelle
Kino (2023)95,7 Mio1,1118,6 Mio · 1,4 (2019)Filmförderungsanstalt
Museen (2022)81,4 Mio~1,01,3 je Kopf (vor 2020)Institut für Museumsforschung
Öffentl./private Theater (Spielzeit 2021/22)11,6 Mio0,10,3 je Kopf (2018/19)Kulturindikatoren

2021 lag der Theaterbesuch mit rund 3 Mio auf einem historischen Tief der Zeitreihe seit 2000. Die öffentlichen Kulturausgaben stiegen 2021 um 2,9 %.

Einsamkeit und soziale Zeit

Erstmals wurde 2022 in der Zeitverwendungserhebung das Thema Einsamkeit erfasst. Rund jede sechste Person ab 10 Jahren fühlt sich häufig einsam – mit deutlichen Unterschieden nach Alter und Haushaltsform.

Anteil, der sich oft einsam fühlt (ZVE 2022)

Alleinerziehende
40 %
Alleinlebende
26 %
18–29 Jahre
24 %
Gesamt (ab 10 J.)
~17 %
65 Jahre und älter
10 %
Paare ohne Kinder
9 %

Junge Erwachsene sind stärker betroffen als Senioren. Hinweis: Hochbetagte und Personen in Pflegeheimen sind in der Stichprobe unterrepräsentiert.

Methodik & Quellen

Die Zeitverwendungserhebung ist eine freiwillige Haushaltsbefragung mit Tagebuchmethode, die das Statistische Bundesamt etwa alle zehn Jahre durchführt. 2022 zeichneten rund 9.600 Haushalte ihren Tagesablauf auf. Die Kulturzahlen stammen aus der amtlichen Kulturberichterstattung von Bund und Ländern.

Zeitverwendungserhebung 2022

Tagebuchdaten von Personen ab 10 Jahren zu bezahlter und unbezahlter Arbeit, Grundbedürfnissen und Freizeit. Vorgängererhebung: 2012/13.

Kulturindikatoren

Besuchszahlen aus Verbandsdaten (u. a. Filmförderungsanstalt, Institut für Museumsforschung), aufbereitet in „Kulturindikatoren auf einen Blick“.

Lesehinweis

Tagebuch-Zeitanteile sind nicht mit Reichweiten oder Bildschirmzeiten gleichzusetzen. Besuche je Einwohner sind rechnerische Pro-Kopf-Werte, keine Besucheranteile.

Passend dazu

→ Mediennutzung und Freizeit 2026: Zeitverwendung und Social Media – der vertiefte Blick auf Medienzeit, Tagesreichweiten und die Smartphone-Nutzung Jugendlicher.

Quellenverzeichnis

  • Destatis – Zeitverwendungserhebung 2022, Ergebnisse · destatis.de
  • Destatis – Pressemitteilung Nr. 073 vom 28.02.2024, Gender Care Gap & unbezahlte Arbeit · destatis.de
  • Destatis WISTA 01/2025 – Die Zeitverwendungserhebung 2022, ein Überblick · destatis.de
  • Destatis – Pressemitteilung Nr. 485 vom 19.12.2024, Besuche in Kultureinrichtungen · destatis.de
  • Destatis – Themenseite Kultur / Kulturindikatoren auf einen Blick · destatis.de