Mobilität in Deutschland 2025 — Modal Split, Wege & Verkehrsleistung (MiD 2023)
Die Studie "Mobilität in Deutschland 2023" (MiD) des Bundesministeriums für Verkehr ist die größte deutsche Haushaltsbefragung zur Alltagsmobilität: 185.000 Haushalte, 370.000 Personen, über 1 Million erfasste Wege. Ergebnis: Das Auto verliert leicht, Fuß- und Radverkehr legen zu, der ÖPNV erholt sich dank Deutschlandticket, und die Tagesstrecke pro Kopf sank von rund 40 auf 35 Kilometer.
Modal Split: Wie sich Deutschland fortbewegt
Verteilung aller Alltagswege auf die Verkehrsmittel — Trendvergleich 2017 zu 2023
Modal Split nach Wegen 2023
Modal Split 2017 vs. 2023 (Wegeanteile)
Stadt versus Land: Republik in zwei Geschwindigkeiten
In den Metropolen verliert das Auto, am Land bleibt es alternativlos
Modal Split nach Raumtyp (Wege)
Radverkehrsanteil nach Raumtyp
ÖPNV & Deutschland-Ticket: Die stärkste Verschiebung
Das DT verändert Pendelverkehr und Freizeitverhalten
DT-Verbreitung nach Raumtyp
Zweck der DT-Fahrten
Pkw, Fahrleistung & Tagesstrecke
Pkw-Bestand wächst, private Fahrleistung schrumpft
Private Pkw-Fahrleistung 2019-2023
Tagesstrecke pro Kopf 2017 vs. 2023
Pkw-Bestand Deutschland (Mio)
Regionale Vielfalt: Bundesländer im Vergleich
Vom Auto-Land Saarland bis Fahrrad-Land Bremen
Radanteil nach Bundesland (Top & Tail)
Pendler Berlin-Brandenburg
Fußverkehrsanteil nach Raumtyp
Modal Split nach Raumtyp (MiD 2023)
Wegeanteile in Prozent — Metropolen, Großstädte, Mittel-/Kleinstädte und ländlicher Raum
| Raumtyp | Pkw-Fahrer | Pkw-Mit | ÖPNV | Fuß | Rad | Auto-Anteil ges. |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Metropolen (Berlin, HH, M) | 25 % | 8 % | 21 % | 31 % | 15 % | 33 % |
| Großstädte (>100k) | 34 % | 11 % | 13 % | 28 % | 14 % | 45 % |
| Mittelstädte (20-100k) | 43 % | 14 % | 9 % | 24 % | 10 % | 57 % |
| Kleinstädte (5-20k) | 48 % | 15 % | 7 % | 22 % | 8 % | 63 % |
| Ländlicher Raum (<5k) | 53 % | 17 % | 6 % | 18 % | 6 % | 70 % |
Hintergrund & Einordnung
Wichtige Faktoren und Methodik im Überblick
Die größte Verkehrsbefragung Deutschlands
MiD 2023 ist die vierte Welle der seit 2002 vom BMV beauftragten Mobilitätsbefragung. Erhoben wurde zwischen April 2023 und Mai 2024 in rund 185.000 Haushalten mit 370.000 Personen und über einer Million dokumentierten Wegen. Operativ verantwortlich sind die Institute infas und Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Der Ergebnisbericht wurde Ende 2025 publiziert. MiD ist die statistische Grundlage für Verkehrsplanung, ÖPNV-Investitionen und kommunale Mobilitätskonzepte und damit Referenz für den Modal Split nahezu aller deutschen Kommunen.
Das Auto verliert — aber nicht überall
Bundesweit ist der Anteil der MIV-Wege (Fahrer + Mitfahrer) leicht von 56 % (2017) auf 53 % (2023) gesunken. Die Personenkilometer-Anteile des Autos sanken von 55 auf 54 %. Aber: Im ländlichen Raum bleibt der Pkw mit 70 % der Wege das mit Abstand wichtigste Verkehrsmittel. Den deutlichsten Rückgang erlebt das Auto in den Metropolen: dort sind es nur noch 33 %.
Fußverkehr ist der größte Gewinner
Der Fußverkehr hat den stärksten Zuwachs aller Verkehrsmittel: Sein Wege-Anteil stieg von 22 % (2017) auf 26 % (2023) — ein Plus von vier Prozentpunkten. In den Metropolen liegt der Anteil sogar bei 31 % und damit knapp unter dem Auto. Hintergrund: zunehmende Mischnutzung der Stadtquartiere, Homeoffice-Effekte, mehr Kurzwege für Einkauf und Freizeit sowie die Aufwertung der Fußgängerzonen.
Deutschland-Ticket: Der ÖPNV-Booster
Das im Mai 2023 eingeführte Deutschland-Ticket (zunächst 49 EUR, seit 2025 58 EUR) hat den Wegeanteil des öffentlichen Verkehrs von 10 auf 11 % gehoben. 16 % der erwachsenen Bevölkerung nutzen das Ticket regelmäßig — in Metropolen sogar 33 %. 32 % aller Ticket-Fahrten sind Freizeitwege. Der ÖPNV erholt sich aus dem Corona-Tief und wird in Städten zur Alternative zum Zweitwagen.
Der Stadt-Land-Gap prägt alles
Die Spannweite des Radanteils reicht von 3 % im Saarland bis 22 % in Bremen — fast achtfache Differenz. Ähnliches gilt für Fußverkehr (18 % Land vs. 31 % Metropole) und ÖPNV (6 % Land vs. 21 % Metropole). Auf dem Land dominiert der Pkw mit 70 % der Wege absolut. Damit zeigt MiD 2023: Mobilitätspolitik braucht raumsensible Antworten — ein Verkehrswende-Programm für "Deutschland" greift zu kurz.
Verkehrsleistung sinkt: weniger, aber bewusster
Die täglich zurückgelegte Strecke pro Kopf ist von rund 40 (2017) auf 35 km (2023) gefallen, die Anzahl der täglichen Wege von 257 auf 249 Millionen. Die private Pkw-Fahrleistung liegt 11,8 % unter dem Vor-Corona-Niveau von 2019. Treiber: Homeoffice, verändertes Konsumverhalten, Kürzung von Dienstreisen, Inflation und höhere Kraftstoffpreise.
Häufige Fragen (FAQ)
Antworten zu den wichtigsten Begriffen und Daten
Was ist die MiD-Studie und wer steht dahinter?
MiD steht für "Mobilität in Deutschland" — eine bundesweite Haushaltsbefragung des Bundesministeriums für Verkehr (BMV). Sie wird seit 2002 in unregelmäßigen Abständen (2002, 2008, 2017, 2023) durchgeführt. Operativ verantwortlich sind die Institute infas und DLR. In der aktuellen Welle MiD 2023 wurden zwischen April 2023 und Mai 2024 rund 185.000 Haushalte mit etwa 370.000 Personen befragt — damit ist sie die größte Verkehrsbefragung der deutschen Geschichte.
Wie sieht der Modal Split 2023 in Deutschland aus?
Nach Wege-Anteil: 40 % Pkw als Fahrer, 13 % Pkw als Mitfahrer (zusammen 53 % MIV), 26 % Fußverkehr, 11 % Radverkehr und 11 % ÖPNV. In Personenkilometern dominiert der Pkw mit 54 % deutlicher, weil Auto-Strecken im Schnitt länger sind. Die Verteilung variiert stark zwischen Stadt und Land: In Metropolen liegen Fuß- und ÖPNV-Anteile deutlich höher, im ländlichen Raum sind die meisten Wege Pkw-Fahrten.
Hat das Deutschland-Ticket den ÖPNV verändert?
Ja, in mehreren Dimensionen: 16 % der erwachsenen Bevölkerung nutzen das DT regelmäßig, in Metropolen 33 %. Der ÖPNV-Wegeanteil stieg von 10 % (2017) auf 11 % (2023) — in den Metropolen sogar auf 21 %. Bemerkenswert: 32 % der DT-Fahrten sind Freizeitwege, das Ticket erschließt auch Mobilität jenseits des Pendelns. Der ÖPNV erholt sich aus dem Corona-Tief und wird in Städten zur ernsthaften Pkw-Alternative.
Warum ist die Tagesstrecke pro Kopf gesunken?
Die durchschnittliche Tagesstrecke ist von rund 40 km (MiD 2017) auf 35 km (MiD 2023) gesunken — ein Rückgang von etwa 12 %. Drei Treiber: Erstens das Homeoffice — Pendelwege entfallen oder werden seltener; zweitens verändertes Konsumverhalten mit Online-Handel und Quartierseinkauf; drittens höhere Mobilitätskosten durch Spritpreise, Inflation und veränderte Dienstreisepolitik. Die Pkw-Fahrleistung privater Haushalte liegt 11,8 % unter dem Vor-Corona-Niveau von 2019.
Wie viel Auto besitzt Deutschland?
Anfang 2024 waren in Deutschland rund 49,5 Millionen Personenkraftwagen zugelassen — davon ca. 45 Millionen in privaten Haushalten. Die Motorisierungsquote (Pkw je 1.000 EW) liegt bei rund 580 und zählt international zu den höchsten in Europa. Pro Tag legen Privatpersonen im Schnitt 15,5 km mit dem Pkw zurück. Trotzdem werden viele Pkw nur kurz genutzt: 23 Stunden pro Tag stehen sie im Schnitt still.
Wo wird in Deutschland am meisten Rad gefahren?
Bremen ist mit 22 % Radverkehrsanteil das Spitzenland — gefolgt von Münster, Berlin und einigen niederrheinischen Mittelstädten. Schlusslicht ist das Saarland mit nur 3 % Radwegeanteil. Bundesweit ist der Wege-Anteil mit 11 % stabil geblieben, aber rund ein Drittel aller Radkilometer wird heute mit Pedelec/E-Bike zurückgelegt — die Verkehrsleistung des Rades steigt also stärker als der Wege-Anteil suggeriert.
Wie pendeln Menschen zwischen Berlin und Brandenburg?
Die Berlin-Brandenburg-Pendleranalyse der MiD 2023 zeigt: 66 % der Pendlerstrecken werden mit dem Pkw (Fahrer + Mitfahrer) zurückgelegt, 26 % mit dem ÖPNV (Regional- und S-Bahn dominieren), 6 % mit dem Fahrrad und nur 2 % zu Fuß. Für reine Berlin-interne Wege liegt der ÖPNV-Anteil deutlich höher, der Pkw-Anteil deutlich niedriger. Der Stadt-Umland-Pendler bleibt das schwerste Verkehrswende-Pflaster.
Was sind die wichtigsten Trends gegenüber MiD 2017?
Fünf zentrale Verschiebungen: (1) Fußverkehr ist stärkster Gewinner (+4 pp auf 26 %). (2) MIV verliert leicht (-3 pp auf 53 %). (3) ÖPNV erholt sich dank Deutschland-Ticket (+1 pp auf 11 %). (4) Radverkehr stabil bei 11 %, aber Pedelec-Nutzung wächst stark. (5) Die Tagesstrecke pro Kopf sinkt um 12 %. Insgesamt deutet sich eine Multi-Modal-Generation an: rund 41 % der Befragten nutzen regelmäßig mehrere Verkehrsmittel-Optionen.
Quellen
Primärquellen und Methodik
