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🚍 ÖPNV-Monitor 1. Halbjahr 2026

ÖPNV 1. Halbjahr 2026 — 5,7 Mrd. Fahrgäste, Fernverkehr verliert

Im 1. Halbjahr 2026 nutzten rund 5,7 Milliarden Fahrgäste den ÖPNV in Deutschland — 2 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Drei Jahre nach Einführung des Deutschland-Tickets bleibt das Wachstum damit gering: Im 1. Halbjahr 2024 hatte der Anstieg noch 6 % betragen, 2025 waren es 1 %. Gegenläufig der Fernverkehr: Dort sank die Fahrgastzahl um 2 % auf 75 Millionen, im Eisenbahnfernverkehr sogar um 3 % – als eine Ursache nennt Destatis witterungsbedingte Beeinträchtigungen im 1. Quartal. Im Gesamtjahr 2025 waren es 11,3 Milliarden ÖPNV-Fahrgäste.

📅 Destatis Pressemitteilung Nr. 333 (21.09.2026) · Linienverkehr Bus & Bahn, 1. Halbjahr 2026 · Jahreswerte: PD26/120 · Stand 21.09.2026
ÖPNV-Fahrgäste H1 2026
5,7 Mrd
+2 % zum Vorjahreszeitraum
davon Busse
2,7 Mrd
+2 % · Nahverkehr
davon Straßenbahnen
2,0 Mrd
+1 % · Nahverkehr
davon Eisenbahnen
1,4 Mrd
+1 % · Nahverkehr
Fernverkehr H1 2026
75 Mio
-2 % zum Vorjahreszeitraum
Eisenbahnfernverkehr
69 Mio
-3 % · Witterung im Q1
Fernbusse
5,4 Mio
+10 % zum Vorjahreszeitraum
ÖPNV-Anteil
99 %
des gesamten Linienverkehrs
H1 2024 zum Vorjahr
+6 %
DT-Effekt noch stark
H1 2025 zum Vorjahr
+1 %
Boost flacht ab
ÖPNV-Fahrgäste 2025
11,3 Mrd
Gesamtjahr
DT-Preis 2025
58 EUR
urspr. 49 EUR (Mai 2023)
DT-Abos Ende 2025
13,8 Mio
aktiv
DT-Anteil Metropolen
33 %
der Erwachsenen
Verkehrsleistung 2024
93 Mrd Pkm
gesamter ÖPNV
Linienlänge Bus
643.000 km
in Deutschland 2024

Fahrgastentwicklung im Mehrjahres­vergleich

Vom Corona-Tief zum Deutschlandticket-Boom — und darüber hinaus

ÖPNV-Fahrgäste 2019-2025 (Mrd)

Wachstumsraten H1 2022–2026

Nahverkehr versus Fernverkehr

Unterschiedliche Dynamik in den Sektoren

Verkehrsarten H1 2026 (zum Vorjahr, %)

Verkehrsträger-Mix Anteile

Das Deutschland-Ticket im Fokus

Abos, Preis, Nutzung — ein politisches Ticket auf Bewährung

DT-Abos Entwicklung 2023-2025

DT-Preis Entwicklung

DT-Anteil nach Raumtyp

Verkehrsleistung & Infrastruktur

Wie viel Verkehr leistet der ÖPNV?

Verkehrsleistung (Mrd Pkm)

Sitzplatzkilometer-Angebot

Linienlänge nach Modus

Wirkung & Ausblick

CO2-Einsparung, soziale Effekte, Modal-Shift

CO2-Einsparung durch DT (Mio t)

Modal-Shift in Metropolen

ÖPNV-Kennzahlen im Mehrjahres­vergleich inkl. 1. Halbjahr 2026

Linienverkehr Bus und Bahn — Fahrgäste, Verkehrsleistung, DT-Boost

Kategorie2019 (vor DT)20222023202420251. Hj. 2026
ÖPNV-Fahrgäste (Mrd, Jahr)11,59,810,811,311,3—
ÖPNV-Fahrgäste 1. Halbjahr (Mrd)5,74,85,35,655,75,7
  Veränderung zum Vorjahr—+30 %+10 %+6 %+1 %+2 %
  davon Busse (Mrd)—————2,7 (+2 %)
  davon Straßenbahnen (Mrd)—————2,0 (+1 %)
  davon Eisenbahnen (Mrd)—————1,4 (+1 %)
Fernverkehr Fahrgäste (Mio, Jahr)150132143152157—
Fernverkehr 1. Halbjahr (Mio)—————75 (-2 %)
  davon Eisenbahnfernverkehr (Mio)—————69 (-3 %)
  davon Fernbusse (Mio)—————5,4 (+10 %)
DT-Abos (Mio, Jahresende)0011,213,213,8—
DT-Preis (EUR/Monat)--49495858
Verkehrsleistung (Mrd Pkm, Jahr)9582899394—

Hintergrund & Einordnung

Wichtige Faktoren und Methodik im Überblick

Die Erfolgsgeschichte des Deutschlandtickets

Im Mai 2023 wurde das Deutschland-Ticket eingeführt — eine bundesweit gültige Monats­karte für alle Nahverkehrs­mittel zum Einheitspreis (zunächst 49 EUR, seit 2025 58 EUR). Das DT brach mehrere Tarif­grenzen auf einmal: kein Tarifzonen-Chaos mehr, einfache Abos, geringer Komplexitäts­aufwand. Es löste das 9-Euro-Ticket vom Sommer 2022 ab, das ebenfalls einen kurzfristigen Boom ausgelöst hatte. Die Folge: H1 2023 +10 %, H1 2024 +6 %, H1 2025 nur noch +1 % und H1 2026 +2 % — der Boost ist verflogen.

Der Fernverkehr bricht aus der Reihe

Während der Nahverkehr im 1. Halbjahr 2026 um 2 % zulegte, sank die Fahrgastzahl im Fernverkehr um 2 % auf 75 Millionen. Im Eisenbahnfernverkehr betrug das Minus sogar 3 % (69 Millionen) – als eine Ursache nennt Destatis witterungsbedingte Beeinträchtigungen des Bahnbetriebs im 1. Quartal 2026. Gegen den Trend legten die Fernbusse um 10 % auf 5,4 Millionen Fahrgäste zu, bleiben mit diesem Volumen aber eine Nische.

Stadt versus Land — auch im DT

In Metropolen wie Berlin, Hamburg und München nutzen rund 33 % aller Erwachsenen das Deutschland-Ticket regelmäßig. In Großstädten sind es 22 %, in Mittelstädten 12 % — auf dem Land hingegen nur 7 %. Hauptgrund: Die Taktung und Streckendichte sind in ländlichen Gebieten oft so schwach, dass ein DT-Abo wirtschaftlich nicht lohnt. Die Verkehrs­wende ist damit primär eine Stadt­wende.

Wie Destatis zählt

Gezählt werden Beförderungsfälle, nicht Personen: Wer im Berichtszeitraum mehrfach fährt, wird mehrfach erfasst. Im Nahverkehr zählt ein Umstieg zwischen Verkehrsmitteln desselben Unternehmens nur einmal in die Gesamtzahl, in der Aufgliederung nach Verkehrsmitteln aber mehrfach. Wegen der Neufestlegung des Berichtskreises ab dem 1. Quartal 2026 hat Destatis die Veränderungsraten für einige Verkehrsarten auf Basis bereinigter Vorjahreswerte berechnet.

Die Fernverkehrs­dynamik ist eigen

Der Fernverkehr ist nicht im Deutschland-Ticket enthalten — und entwickelt sich entsprechend eigenständig. Im Jahr 2025 stieg die Zahl der Fernverkehrs­reisen um 3 % auf rund 157 Mio. Treiber sind: zunehmend gut ausgelastete ICE-Strecken, neue Direkt­verbindungen ins europäische Ausland, aber auch höhere Flugpreise. Die DB-Fernverkehr-Punktlichkeit lag 2024 jedoch nur bei 62 % — ein chronisches Problem.

CO2-Effekt: real, aber begrenzt

Das Umweltbundesamt schätzt die CO2-Einsparung durch das Deutschland-Ticket für 2024 auf rund 6,7 Mio Tonnen — das entspricht etwa 4 % der Verkehrs­emissionen Deutschlands. Vorausgesetzt wird, dass ein Drittel der DT-Nutzer:innen tatsächlich Pkw-Fahrten ersetzt. Für 2025 wird ein ähnlicher Wert erwartet. Die volle CO2-Wirkung würde nur bei deutlich mehr DT-Abos und gleich­zeitig größerem ÖPNV-Angebot erreichbar sein.

Häufige Fragen (FAQ)

Antworten zu den wichtigsten Begriffen und Daten

Wie viele ÖPNV-Fahrgäste hatte Deutschland 2025?

Laut Destatis (PD26/120 vom April 2026) gab es im Linienverkehr mit Bussen und Bahnen im Jahr 2025 rund 11,3 Mrd ÖPNV-Fahrgäste — nahezu unverändert gegenüber 2024. Im ersten Halbjahr 2025 (Destatis PD25/344) waren es 5,7 Mrd, ein Plus von 1 % gegenüber dem Vorjahres­zeitraum. Damit hat Deutschland erstmals seit der Corona-Pandemie wieder das Vor-Krisen-Niveau von 2019 (11,5 Mrd) erreicht.

Ist der Deutschland-Ticket-Boost vorbei?

Der Effekt hat sich messbar abgeflacht. Im H1 2023 stiegen die ÖPNV-Fahrgastzahlen um 10 % gegenüber dem Vorjahr (Einführungs­jahr Mai 2023), H1 2024 noch um 7 %, im H1 2025 nur noch um 1 %. Die DT-Abozahlen wachsen zwar weiter (Ende 2025: 13,8 Mio), aber langsamer. Hauptgrund für das Abflachen: Die Preis­erhöhung auf 58 EUR (Januar 2025) hat den Anreiz für Neuabos reduziert, und viele Wechsler sind bereits gewechselt. Für 2026 wird ein weiteres moderate Wachstum erwartet.

Wie hoch sind die DT-Abozahlen?

Ende 2025 lag die Zahl aktiver Deutschland-Ticket-Abos bei rund 13,8 Mio — ein Plus von rund 5 % gegenüber Ende 2024 (13,2 Mio). Das entspricht 16 % der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland. In den Metropolen liegt der Anteil deutlich höher: rund 33 % der Erwachsenen in Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt. Auf dem Land sind es nur 7 % — ein deutlicher Stadt-Land-Gap.

Was hat das Deutschland-Ticket gekostet?

Zur Einführung im Mai 2023 kostete das DT 49 EUR pro Monat — ein politisch gesetzter Einheitspreis, finanziert durch Bund und Länder gemeinsam. Zum 1. Januar 2025 wurde der Preis auf 58 EUR angehoben (+18 %), da die Kosten für Verkehrs­unternehmen gestiegen waren. Für 2026 ist eine weitere Preis­anpassung diskutiert — die Ministerpräsidenten­konferenz hat einen "Dynamisierungs­mechanismus" beschlossen, der Preiserhöhungen mit der Inflation koppelt.

Welcher Verkehrsträger transportiert die meisten Fahrgäste?

Mit großem Abstand der Bus: 52 % aller ÖPNV-Fahrgäste in Deutschland reisen mit Linien­bussen (Stadt, Region, Überland). Auf U-Bahn und Straßenbahn entfallen je 12 %, also zusammen 24 %. S-Bahn, Eisenbahn und Regionalbahn (Nahverkehr) erreichen 24 % Anteil. Im Fernverkehr (nicht im ÖPNV) dominiert der ICE/IC.

Wie viel CO2 spart das Deutschland-Ticket?

Das Umweltbundesamt schätzt die durch das Deutschland-Ticket eingesparten CO2-Emissionen für 2024 auf rund 6,7 Mio Tonnen. Das entspricht etwa 4 % der gesamten Verkehrs­emissionen Deutschlands. Voraussetzung: Ein Drittel der DT-Nutzer:innen ersetzt tatsächlich Pkw-Fahrten — bei den anderen handelt es sich um neue Fahrten oder Verlagerungen vom Fahrrad. Für 2025 wird ein ähnlicher CO2-Effekt erwartet. Voll umweltrelevant würde das DT nur in Kombination mit massiven Streckenausbau-Investitionen.

Wie steht es mit dem Fernverkehr?

Der Fernverkehr ist nicht im Deutschland-Ticket enthalten und entwickelt sich eigenständig. 2025 stieg die Zahl der Fernverkehrs­reisen um 3 % auf rund 157 Mio Fahrgäste. Treiber: Auslastung der ICE-Linien, neue Direkt­verbindungen ins europäische Ausland (z.B. Berlin-Paris), aber auch deutlich höhere Flugpreise. Die DB-Fernverkehrs-Pünktlichkeit lag 2024 mit 62 % jedoch auf historischem Tief.

Wann erscheinen die nächsten ÖPNV-Daten?

Destatis publiziert die ÖPNV-Statistik zweimal jährlich: Die Halbjahresdaten erscheinen jeweils im September für das laufende H1 (PD25/344 vom 30.09.2025 deckte H1 2025 ab); die Jahresdaten kommen im April des Folgejahres (PD26/120 deckte 2025 ab). Die nächste Veröffentlichung für das 1. Halbjahr 2026 ist also für September 2026 zu erwarten. Begleitend publizieren Verkehrs­verbünde wie VDV und Bahn-Konzerne ihre eigenen Zahlen.

Quellen

Primärquellen und Methodik