Onlinehandel 2025: 83,1 Mrd EUR (+3,2 %) — Marktplätze dominieren mit 56 %, China-Plattformen +27 %
Der deutsche E-Commerce hat 2025 die Trendwende geschafft: 83,1 Mrd EUR Brutto-Umsatz mit Waren (+3,2 % zum Vorjahr, 2024: 80,6 Mrd EUR) — übertraf die bevh-Prognose von +2,5 %. Digitale Dienstleistungen waren mit 14,4 Mrd EUR (+7,3 %) ein zusätzlicher Wachstumstreiber. Online-Marktplätze (Amazon, eBay, Otto, Zalando) bauten ihren Anteil auf 56 % (46,2 Mrd EUR, +4,9 %) aus. Chinesische Plattformen wie Shein, Temu und AliExpress wuchsen mit +27,2 % auf 3,7 Mrd EUR überproportional. Re-Commerce (Pre-Loved) +21,8 %. Prognose 2026: +3,8 %.
E-Commerce-Zeitreihe
Brutto-Umsatz Waren 2014-2025 + Prognose 2026
E-Commerce Waren Umsatz (Mrd EUR) 14-26
zum Vorjahr-Wachstum (%) 2014-2025
Marktplätze vs. Direkthandel
Wer dominiert den Onlinemarkt?
Marktplatz-Anteil am E-Commerce 2025
Top-Plattformen 2025 (Mrd EUR)
China-Plattformen Wachstum 22-25 (Mrd EUR)
Warengruppen
Was wird online gekauft?
Top-10 Warengruppen Umsatz 2025 (Mrd EUR)
zum Vorjahr-Wachstum nach Warengruppe (%) 25
Konsumenten & Trends
Wer kauft online, welche Trends
Online-Konsumenten nach Alter 2025 (% Online)
Re-Commerce Wachstum 21-25 (Mrd EUR)
Top-Endgeräte Online-Kauf 2025 (%)
Wirtschaft & Beschäftigung
Bedeutung des E-Commerce für die Volkswirtschaft
Beschäftigte im E-Commerce (Tsd) 2018-25
Anteil E-Commerce am Einzelhandel (%) 14-25
Detail-Tabelle: E-Commerce Warengruppen Deutschland 2024 / 2025
Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (bevh) + EHI Retail Institute
| Warengruppe | Umsatz 2024 (Mrd EUR) | Umsatz 2025 (Mrd EUR) | zum Vorjahr (%) | Anteil 2025 |
|---|---|---|---|---|
| Bekleidung + Schuhe | 15,8 | 16,4 | +3,5 % | 19,7 % |
| Elektronik + Telekomm. | 14,3 | 14,5 | +1,4 % | 17,5 % |
| Moebel + Lampen + Deko | 8,8 | 9,1 | +3,3 % | 11,0 % |
| Lebensmittel | 5,8 | 6,1 | +5,5 % | 7,4 % |
| Haushaltsgeräte | 5,5 | 5,8 | +4,8 % | 7,0 % |
| Drogerie + Beauty | 5,2 | 5,4 | +4,2 % | 6,5 % |
| Buecher + Medien | 4,9 | 4,9 | +0,5 % | 5,9 % |
| Spielwaren | 3,5 | 3,6 | +3,8 % | 4,3 % |
| Sport + Outdoor | 3,2 | 3,3 | +3,1 % | 4,0 % |
| Medikamente (OTC + Rx) | 2,1 | 2,2 | +6,0 % | 2,7 % |
| Tierbedarf | 1,8 | 1,9 | +5,0 % | 2,3 % |
| Auto + Motorrad-Zubehoer | 1,6 | 1,6 | +2,8 % | 1,9 % |
| Sonstige Waren | 7,1 | 8,3 | +16,9 % | 10,0 % |
| E-Commerce Waren gesamt | 80,6 | 83,1 | +3,2 % | 100 % |
| Digitale Dienstleistungen | 13,4 | 14,4 | +7,3 % | — |
| E-Commerce GESAMT | 94,0 | 97,5 | +3,8 % | — |
Hintergrund & Einordnung
Wichtige Faktoren und Methodik im Überblick
Methodik bevh-Erhebung
Der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh) erhebt seit 2005 quartalsweise die Online-Umsätze in Deutschland in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut Boniversum. Stichprobe: 1.000 Online-Konsumenten ab 14 Jahren, online-repräsentativ. Erfasst werden Brutto-Umsätze (incl. MwSt., abzueglich Retouren) für Waren und Digital-Dienstleistungen. Jahresbilanz erscheint im Februar. Ab 2025 fliessen verstärkt EHI-Daten zur Marktplatz-Erfassung ein.
Trendwende geschafft
Nach den Rückgängen 2022 (-8,8 %) und 2023 (-4,3 %) sowie Stagnation 2024 (+0,8 %) ist der deutsche E-Commerce 2025 mit +3,2 % auf 83,1 Mrd EUR zurück auf Wachstumskurs. Wesentliche Treiber: (1) Rückgang der Inflation und damit reale Kaufkraftgewinne, (2) Marktplatz-Dynamik (Amazon, Otto, eBay, Zalando), (3) China-Plattformen-Boom, (4) Re-Commerce-Trend, (5) Lebensmittel- und Pharma-Online wachsen 5-6 %. Alle Quartale 2025 zeigten Plus — erstmals seit 2021.
Marktplätze dominieren
Mit 46,2 Mrd EUR Umsatz und 56 % Anteil sind Online-Marktplätze (B2B2C-Modelle) das tragende Segment. Amazon führt mit geschätzten 32 Mrd EUR, gefolgt von Otto (~5 Mrd), eBay (~4 Mrd), Zalando (~3,5 Mrd) und Kaufland.de (~1,5 Mrd). Marktplätze wuchsen 2025 um 4,9 % — etwas schneller als der Gesamtmarkt. Der Trend zur Plattformisierung beschleunigt sich: viele Direkt-Versandhaendler eroeffnen eigene Marktplätze (z.B. Otto, Bonprix).
China-Plattformen disruptiv
Shein, Temu und AliExpress wuchsen 2025 zusammen um 27,2 % auf 3,7 Mrd EUR — deutlich schneller als der Gesamtmarkt. Erfolgsfaktoren: extrem niedrige Preise, aggressive Marketing-Ausgaben, schnelle Logistik direkt aus China, Gamification-Apps. Probleme: Sicherheit/Qualität, Nachhaltigkeit (Versand-Emissionen), Wettbewerbs-Verzerrung durch unter 150 EUR Schwellenwert. EU-Zollreform 2026/27 könnte Wachstum bremsen. Deutscher Einzelhandel fordert Schwellen-Abschaffung.
Re-Commerce-Boom
Der Handel mit gebrauchten Waren ("Pre-Loved", "Second-Hand", "Refurbished") wuchs 2025 um 21,8 % auf 1,96 Mrd EUR — mit Abstand die schnellst wachsende Kategorie. Treiber: Nachhaltigkeits-Bewusstsein (Gen Z), Kaufkraft-Erosion in Mittelschicht, Plattformen (Vinted, Kleinanzeigen, eBay, Sellpy, Momox). Hauptkategorien: Bekleidung 60 %, Elektronik 18 %, Buecher/Medien 12 %, Sonstige 10 %. Vinted (Litauen) ist mit ~600 Mio EUR DACH-Umsatz Marktführer.
Prognose 2026: +3,8 %
bevh + EHI prognostizieren für 2026 ein nominales Wachstum von +3,8 % — trotz schwierigem Konsumumfeld. Treiber: weiterer Marktplatz-Ausbau, Premium-Segment-Erholung, Digital-Dienstleistungen +8 %. Risiken: hohe Standortkosten, EU-Regulierung (DSA, AI Act, Verpackungsverordnung), Lagerhaltungs-/Retouren-Kosten, Trump-Zölle (USA-Verkehr). Strukturwandel: weniger Pure-Play-Versender, mehr Marktplatz-Plattformen und Omnichannel-Modelle.
Häufige Fragen (FAQ)
Antworten zu den wichtigsten Begriffen und Daten
Wie viel Umsatz macht der deutsche E-Commerce 2025?
Der deutsche E-Commerce mit Waren erreichte 2025 einen Brutto-Umsatz von 83,1 Mrd EUR — ein Plus von 3,2 % gegenüber 2024 (80,6 Mrd EUR). Damit hat der Onlinehandel die Trendwende geschafft nach Rückgängen 2022 (-8,8 %) und 2023 (-4,3 %). Inkl. digitaler Dienstleistungen (Streaming, Tickets, Reisen, etc., 14,4 Mrd EUR) erreicht der gesamte E-Commerce 97,5 Mrd EUR. Quelle: bevh + EHI Retail Institute.
Welche Warengruppen wachsen am stärksten?
Top-Wachstumstreiber 2025: Medikamente (+6,0 %, durch DigiG/E-Rezept), Lebensmittel (+5,5 %, Picnic/Rewe-Lieferdienste), Tierbedarf (+5,0 %), Haushaltsgeräte (+4,8 %), Drogerie+Beauty (+4,2 %), Spielwaren (+3,8 %), Bekleidung (+3,5 %), Moebel/Lampen (+3,3 %), Sport (+3,1 %). Unterdurchschnittlich: Elektronik+Telkom (+1,4 %), Buecher/Medien (+0,5 %). Die stärksten Warengruppen nach Umsatz bleiben Bekleidung (16,4 Mrd EUR), Elektronik (14,5 Mrd) und Moebel (9,1 Mrd).
Wie wichtig sind Marktplätze?
Mit 56 % Anteil und 46,2 Mrd EUR Umsatz dominieren Online-Marktplätze den deutschen E-Commerce. Amazon führt mit geschätzten 32 Mrd EUR, gefolgt von Otto (~5 Mrd), eBay (~4 Mrd), Zalando (~3,5 Mrd) und Kaufland.de (~1,5 Mrd). Marktplätze wuchsen 2025 um 4,9 % — etwas schneller als der Gesamtmarkt (+3,2 %). Der Trend: immer mehr Direkt-Versandhaendler eroeffnen eigene Marktplätze (z.B. Otto, Bonprix).
Wie disruptiv sind Shein, Temu und AliExpress?
Chinesische Plattformen (Shein, Temu, AliExpress) wuchsen 2025 um 27,2 % auf 3,7 Mrd EUR — deutlich schneller als der Gesamtmarkt. Sie nutzen extrem niedrige Preise, aggressive Marketing-Ausgaben, schnelle Direkt-Logistik aus China, App-basierte Gamification. Erfolgsfaktor war auch der EU-Schwellenwert von 150 EUR (zollfrei), den die EU 2026/27 abschaffen will. Deutsche Einzelhaendler fordern fairen Wettbewerb durch Schwellen-Reform und strengere Produktsicherheit.
Was ist Re-Commerce und warum wächst es?
Re-Commerce (auch "Pre-Loved" oder "Second-Hand") umfasst den Handel mit gebrauchten Waren über Plattformen. 2025 wuchs der gewerbliche Re-Commerce-Umsatz in Deutschland um 21,8 % auf 1,96 Mrd EUR — das schnellste Wachstum aller Kategorien. Treiber: Nachhaltigkeits-Bewusstsein (Gen Z), Inflation/Kaufkraft-Erosion, neue Plattformen. Top-Plattformen: Vinted (Litauen, ~600 Mio EUR DACH), eBay Kleinanzeigen, Momox, Sellpy. Hauptkategorien: Bekleidung 60 %, Elektronik 18 %, Buecher 12 %.
Wer kauft online in Deutschland?
Online-Konsumenten 2025 nach Alter (% kaufen mind. 1x/Monat online): 14-19 Jahre 92 %, 20-29 Jahre 96 %, 30-39 Jahre 94 %, 40-49 Jahre 88 %, 50-59 Jahre 80 %, 60-69 Jahre 68 %, 70+ Jahre 42 %. Die Online-Kaufquote ist altersübergreifend hoch — vor allem unter 60 sind Online-Käufe Standard. Bei Senior:innen 70+ wächst die Quote jährlich um 3-4 pp. Geschlechter: Frauen 89 %, Männer 86 %. Geographisch wenig Unterschied zwischen Stadt und Land.
Wie viele Menschen arbeiten im E-Commerce?
Im deutschen E-Commerce-Sektor (Online-Handel, Marktplatz-Betreiber, Versand-/Fulfillment-Dienstleister) waren 2025 rund 720.000 Menschen beschäftigt — ein Anstieg um 4 % zum Vorjahr. Hauptberufe: Lager-/Versandmitarbeiter (300.000), IT-/Digital-Spezialisten (140.000), Online-Marketing/CRM (95.000), Customer-Service (85.000), Sonstige (100.000). Inkl. indirekter Beschäftigung (Logistik, Verpackung, Werbung) ergeben sich nach bevh-Studie rund 1,9 Mio Beschäftigte mit E-Commerce-Bezug.
Wie ist die Prognose für 2026?
bevh + EHI Retail Institute prognostizieren für 2026 ein nominales Umsatzwachstum von +3,8 % — etwas über 2025 (+3,2 %). Treiber: weiterer Marktplatz-Ausbau, China-Plattformen-Wachstum, Digital-Dienstleistungen +8 %, Re-Commerce +20 %, Lebensmittel-Online +6 %. Risiken: schwaches Konsumklima, Standortkosten, EU-Regulierung (DSA, AI Act, Verpackungsverordnung), Trump-Zölle. Strukturwandel: weniger Pure-Play, mehr Marktplatz-Plattformen, Omnichannel-Modelle.
Quellen
Primärquellen und Methodik
- bevh - E-Commerce zurück auf Wachstumskurs (Pressemitteilung)
- bevh - Onlinehandel wächst Q3 2025 (Quartalsmeldung)
- bevh - Studie "Bedeutung des E-Commerce für die deutsche Wirtschaft" (2025)
- etailment - E-Commerce Trendwende (Analyse)
- Handelsblatt - Onlinehandel wächst stärker als erwartet
- Logistik Heute - E-Commerce Umsatz steigt wieder
