Politisch motivierte Kriminalität (PMK): 84.172 Straftaten 2024
Die Polizeiliche Kriminalstatistik des KPMD-PMK verzeichnete 2024 einen Anstieg um +40,22 % auf 84.172 Straftaten — der höchste Wert seit Einführung der Statistik 2001. PMK-rechts dominiert mit über der Hälfte aller Fälle. Antisemitische Straftaten erreichen mit 6.236 Fällen einen weiteren Höchststand. Die Bundes-Daten für 2025 werden Ende Mai 2026 erwartet — erste Länderzahlen deuten auf weiterhin hohes Niveau hin.
Langzeit-Entwicklung
10-Jahres-Trend Gesamtfallzahlen und politisch motivierter Gewalt
PMK Jahressummen 2015–2024
PMK-Gewalttaten
Phänomenbereiche & Veränderungen
Aufschlüsselung 2024 nach Spektren und zum Vorjahr-Wachstum
Phänomenbereiche 2024
zum Vorjahr je Bereich
Tatverdächtige nach Alter
Hasskriminalität im Detail
Struktur und Wachstumsraten der Unterkategorien
Hasskriminalität-Mix 2024
zum Vorjahr-Wachstum Hasskat.
Nahost-Bezug, Länder & Delikte
Spezifische Trends durch Israel/Gaza-Krieg und regionale Verteilung
Nahost-Konflikt 2022–2024
Bundesländer 2025 (vorl.)
Deliktsarten Top 10
Saisonale & Vergleichende Sicht
Quartals-Verteilung und Radar 2023 vs. 2024
Quartalsverlauf 2024
Radarvergleich 2023 vs 2024
Detail-Tabelle: PMK 2024 vollständig
Phänomenbereiche, Hasskategorien, Deliktsarten und strukturelle Indikatoren
| Kategorie | 2024 | zum Vorjahr | Anmerkung |
|---|---|---|---|
| Gesamt PMK 2024 | 84.172 | +40,2 % | Höchststand seit 2001 |
| PMK-rechts | 42.788 | +47,8 % | > 50 % aller Fälle |
| PMK-links | 11.203 | +22,5 % | Anstieg seit 2023 |
| PMK-ausländische Ideologie | 7.343 | +42,0 % | Höchster Wert |
| PMK-religiöse Ideologie | 1.620 | +15,9 % | islamistisch+ |
| Gewalttaten gesamt | 4.107 | +15,3 % | davon 173 antisem. |
| Hasskriminalität | 21.773 | +28,0 % | übergreifend |
| Antisemit. Straftaten | 6.236 | +20,8 % | Höchststand |
| Fremdenfeindlich | 11.215 | +38,5 % | Migration im Fokus |
| Rassistisch | 5.260 | +27,4 % | – |
| Antimuslimisch | 1.828 | +35,6 % | – |
| Nahost-Konflikt-Fälle | 7.328 | +67,7 % | Israel/Gaza-Krieg |
| Tötungsdelikte/Versuche | 90 | +9,8 % | davon 5 vollendet |
| Propagandadelikte | 33.480 | +55,1 % | Hauptdelikt PMK-rechts |
| Volksverhetzung | 12.450 | +47,9 % | i. d. R. Online-Bezug |
| Tatverdächtige gesamt | 51.290 | +30,1 % | ≤25 J.: 17 % |
Hintergrund & Einordnung
Rekord-Anstieg ohne Präzedenz
+40,22 % ist 2024 der prozentual stärkste Anstieg in den 24 Jahren KPMD-PMK-Erfassung. Bundesinnenminister Dobrindt sprach am 20.05.2025 von einer „bedenklichen Entwicklung". Treiber: Bundestagswahlkampf 2024/25, Nahost-Konflikt seit Oktober 2023, Polarisierung im digitalen Raum (Volksverhetzung +47,9 %).
PMK-rechts bleibt dominant
Mit 42.788 Fällen (+47,8 %) macht der rechte Phänomenbereich mehr als die Hälfte aller PMK-Straftaten aus. Treiber: Propagandadelikte (Hakenkreuze, Symbole), volksverhetzende Online-Posts, Beleidigungen gegen Politiker. 60 % aller Volksverhetzungsfälle haben mittlerweile Online-Bezug.
Antisemitismus historischer Höchststand
6.236 antisemitische Straftaten markieren das höchste Niveau seit Einführung der Statistik. Antisemitismusbeauftragter Felix Klein sprach von „erschütternden Befunden". 173 Gewalttaten (+17 %), darunter Übergriffe auf jüdische Einrichtungen, Synagogen und Personen. Anstieg seit Oktober 2023 um Faktor 3.
Ausländische Ideologie explodiert
Phänomenbereich „PMK-ausländische Ideologie" (v. a. islamistisch und kurdisch-türkische Konflikte) stieg von 5.170 (2023) auf 7.343 (+42 %). Hauptursache: Eskalation des Nahost-Konflikts. 4.700 dieser Fälle waren propagandistisch motiviert.
Länderdaten 2025: Mischbild
NRW: +11,1 % bei PMK-rechts (6.268 Fälle). Niedersachsen: nahezu stabil (8.309 ges., PMK-rechts –7 %), aber PMK-links +30 %. BW: Anstieg ca. +6 %. Insgesamt bleibt das Niveau auf 2024er Rekordhoch.
Junges Täterspektrum wächst
Anteil Tatverdächtiger unter 21 Jahren mit 17,4 % deutlich über PKS-Durchschnitt. BKA-Präsident Münch warnt vor Radikalisierung in der Schule. „TikTok-Faschismus" und Telegram-Gruppen werden als Hauptkanäle benannt. Programme wie „Demokratie leben!" laufen unter Hochdruck.
Häufige Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen PMK und PKS?
PKS (Polizeiliche Kriminalstatistik) ist die Gesamtkriminalitätsstatistik mit allen Delikten (5,5 Mio. Fälle 2025). PMK ist ein Teilbereich davon — Straftaten mit erkennbar politischem Hintergrund (84.172 Fälle 2024, etwa 1,4 % der PKS). PMK wird über den separaten Meldedienst KPMD-PMK durch die Staatsschutz-Dezernate erfasst.
Warum stieg die PMK 2024 so stark?
Vier Hauptfaktoren: (1) Bundestagswahlkampf mit Sachbeschädigung an Plakaten, Beleidigungen von Politikern. (2) Nahost-Konflikt seit Oktober 2023 mit Demonstrationen, Symbolmissbrauch, Übergriffen auf jüdische Einrichtungen. (3) Online-Hass-Kampagnen, systematischer erfasst. (4) Geänderte Erfassung bei Volksverhetzung in sozialen Medien (DSA-Meldepflichten).
Ist die hohe Anzahl Propagandadelikte ein Erfassungseffekt?
Teilweise ja. Die 33.480 Propagandadelikte (+55 %) spiegeln auch verbesserte Erfassung: NetzDG und Digital Services Act verpflichten Plattformen wie X, Telegram, TikTok zur Meldung. Vor 2022 wurden viele Fälle nicht sichtbar. Aber die echte Zahl nimmt zu — Inhalte mit verbotenen Symbolen, Holocaust-Leugnung, Hamas-Glorifizierung sind faktisch häufiger geworden.
Wer zählt als „politisch motivierter Täter"?
Ein Täter gilt als politisch motiviert, wenn die Tat aus politischen, weltanschaulichen oder ideologischen Gründen begangen wurde — auch ohne Bekenntnis. Beispiele: Brandstiftung an einer Synagoge (antisemitisch), Sprayen eines Hakenkreuzes (PMK-rechts), Aufkleber mit hetzerischem Charakter (PMK-ausl. Ideologie). Strafverteidiger der „Letzten Generation" wären PMK-links.
Wie oft werden PMK-Fälle aufgeklärt?
Die Aufklärungsquote PMK lag 2024 bei 54,2 % (Vorjahr 53,8 %) — deutlich über der allgemeinen PKS-Quote von 58,1 %. PMK-rechts hat die höchste Quote (ca. 60 %, viele Propagandadelikte mit Täter-Identifikation). PMK-links liegt bei nur 35 % (anonyme Sachbeschädigung, gezielte Verdunkelung).
Wie hoch ist die Dunkelziffer?
Dunkelfeldstudie SKID 2024 (BKA): Etwa 40 % der von politischer Gewalt Betroffenen erstatten keine Anzeige. Bei antisemitischen Übergriffen liegt die Anzeigequote sogar nur bei rund 25 %. RIAS (Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus) erfasst rund 4-fach so viele Fälle wie die offizielle PMK-Statistik.
Wann kommen die Bundeszahlen 2025?
Die bundesweite KPMD-PMK-Veröffentlichung 2025 wird voraussichtlich Ende Mai/Anfang Juni 2026 vom BMI und BKA vorgestellt. Erste Länderzahlen (NRW, Niedersachsen, BW) deuten darauf hin, dass das Niveau 2024 (84.172) etwa gehalten bzw. leicht überschritten wird.
Welche regionalen Unterschiede gibt es?
Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen haben — gemessen pro Einwohner — die höchsten PMK-Raten. Sachsen verzeichnete 2024 bereits 4.120 PMK-rechts-Fälle (relativ höchster Wert je 100.000 EW). Hamburg, Bremen und Berlin haben hohe Absolut-Zahlen, aber pro Einwohner moderate Werte. Baden-Württemberg und Bayern liegen unter dem Bundesschnitt.
Quellen
- BKA: PMK-Zahlen 2024 — Höchster Anstieg seit Erfassung
- BMI: Pressemitteilung PMK 2024 (20.05.2025)
- BKA-Pressemitteilung PMK 2024 Vorstellung
- Antisemitismusbeauftragter Felix Klein: Stellungnahme
- Bundeszentrale für politische Bildung: Dossier PMK 2024
- RIAS Bund: Antisemitische Vorfälle (Dunkelfeld)
