Fahrradmarkt 2025: 3,8 Mio Verkäufe (Tiefstand seit 10 J.), E-Bike-Bestand 17,2 Mio
Der deutsche Fahrradmarkt schwächelt: 2025 wurden 3,8 Mio Fahrraeder verkauft — der niedrigste Wert seit über 10 Jahren. Davon waren 2,0 Mio E-Bikes (53 %) und 1,8 Mio klassische Fahrraeder (47 %). Umsatz sank um 7,7 % auf 5,85 Mrd EUR, E-Bike-Durchschnittspreis fiel um 100 EUR auf 2.550 EUR. Der Gesamtbestand erreichte fast 89 Mio Fahrraeder und E-Bikes (+23 % seit 2014), darunter 17,2 Mio E-Bikes. Bei den Unfällen 462 Radtote (+3,8 %) — jeder 6. Verkehrstote ist Radfahrer, 47 % davon Pedelec-Nutzer. 61,5 % aller Toten waren 65+.
Markt-Zeitreihe
Verkäufe 2015-2025 und Bestandsentwicklung
Fahrradverkauf Deutschland 2015-2025 (Mio)
E-Bike-Bestand 2015-2025 (Mio)
Marktanteile 2025
E-Bike-Kategorien und Umsatz
E-Bike vs. klass. Fahrrad 2025 (% Verkauf)
E-Bike-Kategorien Anteil 2025 (%)
Umsatz Verkauf 2018-2025 (Mrd EUR)
Unfälle & Sicherheit
Verkehrstote, Personenschäden, Altersstruktur
Radtote Deutschland 2015-2025
Pedelec-Tote vs. Klass.-Rad 15-25
Modal Split & Infrastruktur
Wo Rad gefahren wird, wie viel Radwege
Modal-Split Top-Städte (Rad % aller Wege)
Radwege-Netz Bundesländer 25 (Tsd km)
Radtote nach Alter 25 (% Anteil)
Politik & Förderung
Bundesförderung und EU-Vergleich
Bundesförderung Radverkehr 18-26 (Mio EUR)
E-Bike-Anteil Verkauf EU-Top-10 25 (%)
Detail-Tabelle: Fahrradmarkt & Sicherheit Deutschland 2024 / 2025
ZIV Zweirad-Industrie-Verband + Destatis + DVR + ADFC
| Indikator | 2024 | 2025 | zum Vorjahr (%) | Bemerkung |
|---|---|---|---|---|
| Fahrradverkauf gesamt (Mio) | 3,90 | 3,80 | -2,6 % | Tiefstand 10 J. |
| davon E-Bikes (Mio) | 2,10 | 2,00 | -4,8 % | 53 % |
| davon klass. Fahrraeder (Mio) | 1,80 | 1,80 | 0,0 % | 47 % |
| Umsatz Fahrradmarkt (Mrd EUR) | 6,34 | 5,85 | -7,7 % | Wachstum gestoppt |
| E-Bike Preis Avg (EUR) | 2.650 | 2.550 | -3,8 % | -100 EUR |
| Fahrrad Preis Avg (EUR) | 500 | 500 | 0,0 % | stabil |
| Fahrradbestand (Mio) | 87,5 | 89,0 | +1,7 % | +23 % seit 14 |
| E-Bike-Bestand (Mio) | 15,7 | 17,2 | +9,6 % | +1,5 Mio |
| Radtote | 445 | 462 | +3,8 % | +17 Tote |
| Pedelec-Tote | 195 | 217 | +11,3 % | Senior:innen überprop. |
| Radunfälle Personenschaden | 94.500 | 95.794 | +1,4 % | hohes Niveau |
| Bundesförderung Rad (Mio EUR) | 455 | 390 | -14,3 % | Sondervermögen ausgelaufen |
Hintergrund & Einordnung
Wichtige Faktoren und Methodik im Überblick
Methodik & Quellen
Die Markt-Daten kommen vom ZIV (Zweirad-Industrie-Verband, jährliche Marktdaten-Präsentation im März). ZIV erfasst Stueckzahlen, Umsatz, Bestand und Kategorien (z.B. Trekking-, MTB-, Lastenrad). Destatis liefert die Unfallstatistik (monatlich Bekanntmachung, Jahresbilanz im Juli/August). ADFC publiziert qualitative Studien zur Radverkehrsentwicklung (Fahrradklima-Test alle 2 Jahre). DVR (Deutscher Verkehrssicherheitsrat) fokussiert auf Sicherheit und Prävention.
Markt im Konsolidierungs-Modus
Nach dem Corona-Boom (2020: 5,0 Mio Verkäufe, 2021: 4,7 Mio) ist der Markt 2022-2025 stark geschrumpft: 2022 4,6 Mio, 2023 4,1 Mio, 2024 3,9 Mio, 2025 3,8 Mio. Gründe: (1) Saettigung nach Corona-Boom (LagerÜberhang), (2) Kaufkraft-Erosion durch Inflation, (3) Hohe Zinsen verteuern Finanzierungs-Kaufe, (4) Wartung von 89 Mio Bestand bleibt Service-Markt, (5) Verbraucher warten auf Preissenkungen. Trotzdem dominieren E-Bikes mit 53 % Anteil — und der Bestand wächst weiter.
E-Bike-Bestand auf Rekord
Der E-Bike-Bestand erreichte 2025 mit 17,2 Mio einen neuen Rekordwert (+1,5 Mio zum Vorjahr, +9,6 %). E-Mountainbikes (E-MTB) sind mit über 33 % Anteil die beliebteste Kategorie, gefolgt von Trekking-E-Bikes (~28 %), Stadt-E-Bikes (~22 %), Lasten-E-Bikes (~6 %), Pedelec-Speed (S-Pedelecs, 1,5 %). Marktanteile Hersteller (geschätzt): Cube ~13 %, Kalkhoff ~10 %, Riese & Müller ~7 %, Specialized ~6 %, KTM/Husqvarna ~5 %, Trek ~5 %, Andere 54 %.
Sicherheit: Schatten der E-Bike-Welle
462 Radtote 2025 (+3,8 %) — jede 6. im Straßenverkehr getoetete Person fuhr Rad. Besonders auffallend: 217 Pedelec-Tote (47 % aller Radtoten), Anstieg von 195 (2024) und nur 36 (2015). Die Pedelec-Toten-Quote wuchs mit dem E-Bike-Bestand explosionsartig. Hauptrisiko: 61,5 % der Radtoten und 67,3 % der Pedelec-Toten waren 65+. Senior:innen unterschätzen oft die höhere Geschwindigkeit von E-Bikes (25-45 km/h). 66,5 % der Unfälle haben einen Unfallgegner — in 69,8 % davon ein Pkw.
Modal Split & Infrastruktur
Radverkehrs-Anteil am Modal Split (Wege): Bundesdurchschnitt 11 %. Spitzenreiter Städte: Münster 28 %, Freiburg 24 %, Karlsruhe 22 %, Bremen 20 %, Berlin 18 %, Leipzig 18 %, Frankfurt 17 %. Schlusslichter: Saarbrücken (~6 %), Wuppertal (~5 %). Das deutsche Radwegenetz umfasst rund 280.000 km. NRW führt mit 56.000 km, Bayern 42.000 km, Niedersachsen 38.000 km. Schwerpunkte: Aufrüstung von Radschnellwegen, Pop-Up-Bikelanes (post-Corona) und sichere Querungen.
Politik & Förderung
Die Bundesförderung für den Radverkehr sank 2025 von 455 Mio EUR auf 390 Mio (-14,3 %), da das Sonderprogramm "Stadt und Land" auslief. Die Bundesregierung-Koalition hat im neuen Haushalt 2026 die Förderung wieder auf 450 Mio EUR angehoben. Schwerpunkte: Radschnellwege, Modellstädte, Förderung Lastenraeder, sichere Schulwege. Nationaler Radverkehrsplan 3.0 (NRVP) wurde im April 2026 vom BMV verlängert. Ziel: 30 % Modal Split bis 2030 — bisher kaum erreichbar.
Häufige Fragen (FAQ)
Antworten zu den wichtigsten Begriffen und Daten
Wie viele Fahrraeder wurden 2025 in Deutschland verkauft?
Laut ZIV (Zweirad-Industrie-Verband) wurden 2025 in Deutschland 3,8 Mio Fahrraeder verkauft — der niedrigste Wert seit über 10 Jahren. Davon waren 2,0 Mio E-Bikes (53 %) und 1,8 Mio klassische Fahrraeder ohne Antrieb (47 %). Der Umsatz sank um 7,7 % auf 5,85 Mrd EUR. Hauptgründe: Saettigung nach Corona-Boom, Kaufkraft-Erosion, hohe Zinsen verteuern Finanzierungskäufe, LagerÜberhang im Handel.
Wie viele E-Bikes gibt es in Deutschland?
Der E-Bike-Bestand erreichte Ende 2025 mit 17,2 Mio einen neuen Rekord (+1,5 Mio zum Vorjahr, +9,6 %). Damit gibt es in Deutschland ca. ein E-Bike für 4,9 Einwohner. Der Gesamtbestand an Fahrraedern und E-Bikes liegt bei rund 89 Mio (+23 % seit 2014). E-Mountainbikes (E-MTB) sind mit über 33 % Anteil die beliebteste E-Bike-Kategorie. Trekking-E-Bikes (~28 %), Stadt-E-Bikes (~22 %), Lasten-E-Bikes (~6 %).
Warum ist der Markt eingebrochen?
Der Markt-Einbruch hat mehrere Ursachen: (1) Saettigungseffekt nach Corona-Boom 2020/21 (5,0 Mio bzw. 4,7 Mio Verkäufe), (2) LagerÜberhang im Handel mit Preisdumping-Effekt, (3) Inflation reduzierte Kaufkraft, (4) Hohe Zinsen verteuern Konsumkredite und Dienstrad-Leasing, (5) Wartung von 89 Mio Bestand wird vor Neukauf bevorzugt, (6) Konsumenten warten auf Preissenkungen. E-Bike-Durchschnittspreis fiel um 100 EUR auf 2.550 EUR — positive Signale für 2026.
Was kostet ein E-Bike in Deutschland?
Der Durchschnittspreis für ein neues E-Bike lag 2025 bei 2.550 EUR — ein Rückgang von 100 EUR (3,8 %) gegenüber 2024 (2.650 EUR). Einsteiger-E-Bikes (City) gibt es ab ~1.500 EUR, Mittelklasse (Trekking, Stadt) 2.000-3.000 EUR, Premium (E-MTB, Lastenrad) 3.500-7.000 EUR. Klassische Fahrraeder kosten im Schnitt 500 EUR (stabil zu 2024). Dienstrad-Leasing-Anteil bei Neukäufen: ca. 25 % der E-Bikes (boomend, JobRad/Eurorad).
Wie viele Radfahrer sterben jährlich?
2025 starben in Deutschland 462 Radfahrerinnen und Radfahrer im Straßenverkehr — ein Anstieg um 3,8 % gegenüber 2024 (445 Tote). 217 der Toten waren Pedelec-Nutzer (47 %) — eine besonders dramatische Entwicklung: 2015 nur 36 Pedelec-Tote, 2024 195, 2025 217. Jede 6. im Straßenverkehr getoetete Person (16,4 %) fuhr Rad. 61,5 % der Toten waren 65 Jahre oder aelter, bei Pedelec-Toten sogar 67,3 %.
Warum gibt es mehr Pedelec-Unfälle?
Drei Hauptfaktoren erklären den Anstieg der Pedelec-Unfälle: (1) Bestandswachstum: 17,2 Mio E-Bikes 2025 vs. nur 3,3 Mio 2015 — mehr Bestand bedeutet mehr Unfälle. (2) Senior:innen-Fokus: 67,3 % der Pedelec-Toten sind 65+ — sie unterschätzen die höhere Geschwindigkeit von E-Bikes (25 km/h Tretunterstützung). (3) Straßen-Infrastruktur ist nicht auf E-Bike-Geschwindigkeiten ausgelegt. Prävention: Helmpflicht (uebliche Empfehlung), Fahrtraining für Senior:innen, sichere Radwege, Geschwindigkeits-Limits 30 km/h innerorts.
Welche Städte sind fahrradfreundlich?
Top-Fahrrad-Städte 2025 nach Modal Split (Rad %-Anteil aller Wege): Münster 28 %, Freiburg 24 %, Karlsruhe 22 %, Bremen 20 %, Berlin 18 %, Leipzig 18 %, Frankfurt 17 %, Hannover 17 %, Goettingen 17 %, Heidelberg 16 %. Schlusslichter Grossstädte: Saarbrücken (~6 %), Wuppertal (~5 %), Salzgitter (~4 %). Der Bundesdurchschnitt liegt bei 11 %. ADFC-Fahrradklima-Test 2024 bewertete Karlsruhe als beste Grossstadt, Münster als beste Stadt mit 200k-500k Einwohnern.
Was fördert der Bund?
Bundesförderung Radverkehr 2025: 390 Mio EUR (-14,3 % vs. 2024: 455 Mio), da Sonderprogramm "Stadt und Land" auslief. 2026: 450 Mio EUR. Wichtigste Programme: (1) Nationaler Radverkehrsplan 3.0 (NRVP) bis 2030, (2) Förderung Radschnellwege (FRSW), (3) Modellstädte Radverkehr, (4) Förderung Lastenraeder gewerblich, (5) Sichere Schulwege. Ziel BMV: 30 % Modal Split bis 2030 (Verdopplung von ~11 %). Realistisches Szenario: 15-18 % bis 2030.
Quellen
Primärquellen und Methodik
