Schwangerschaftsabbrüche 2025: 106.000 Fälle — leicht rückläufig, Mifegyne wird Standardmethode
In Deutschland wurden 2025 insgesamt 106.000 Schwangerschaftsabbrüche gemeldet — ein leichter Rückgang um 0,7 % gegenüber dem Vorjahr. 69 % der betroffenen Frauen waren zwischen 18 und 34 Jahre alt. Bei den Methoden gab es einen historischen Wechsel: Erstmals war Mifegyne (medikamentoeser Abbruch) mit 45 % die häufigste Methode — vor der bisher dominierenden Absaugmethode (43 %). 80 % aller Abbrueche erfolgten innerhalb der ersten 8 Schwangerschaftswochen.
Zeitreihen-Verlauf
Schwangerschaftsabbrüche seit 2010
Abbrueche 2010-2025 (Tsd.)
zum Vorjahr-Veränderung 2011-2025 (%)
Altersverteilung
Wer ist betroffen
Anteile Altersgruppen 2025
Abbrueche pro Altersgruppe (Tsd.)
Verhältnis Abbrueche/1000 Frauen
Methoden im Wandel
Mifegyne überholt Absaugmethode
Methoden-Anteile 2025
Mifegyne vs. Absaugung 2015-2025 (%)
Schwangerschaftsdauer & Setting
Wann und wo die Eingriffe stattfinden
Schwangerschaftswoche bei Abbruch
Setting der Eingriffe 2025
Top-Bundesländer Abbrueche 2025 (Tsd.)
Internationaler Kontext
DE im EU-Vergleich
Abbruchrate EU-Vergleich (/1000 Frauen)
Geburten vs. Abbrueche 2010-25 (Verhältn.)
Detail-Tabelle: Schwangerschaftsabbrüche Deutschland 2015-2025
Destatis Schwangerschaftsabbruchstatistik (jährlich)
| Jahr | Gesamt | zum Vorjahr | Mifegyne % | Absaug % | Innerh. 8. Woche |
|---|---|---|---|---|---|
| 2025 | 106.000 | -0,7 % | 45 % | 43 % | 80 % |
| 2024 | 106.733 | +1,3 % | 42 % | 46 % | 80 % |
| 2023 | 105.358 | +8,1 % | 39 % | 48 % | 79 % |
| 2022 | 97.366 | +9,9 % | 35 % | 51 % | 78 % |
| 2021 | 88.616 | +5,5 % | 30 % | 55 % | 78 % |
| 2020 | 84.000 | -0,9 % | 27 % | 58 % | 77 % |
| 2019 | 100.893 | +2,9 % | 25 % | 60 % | 77 % |
| 2017 | 101.209 | +2,6 % | 22 % | 63 % | 76 % |
| 2015 | 99.237 | -0,7 % | 20 % | 65 % | 75 % |
| Veränderung 2025 vs. 2015 | +6,8 % | — | +25 pp | -22 pp | +5 pp |
Hintergrund & Einordnung
Wichtige Faktoren und Methodik im Überblick
Methodik Schwangerschaftsabbruchstatistik
Die Destatis-Schwangerschaftsabbruchstatistik erfasst alle nach §218 StGB durchgeführten Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland. Erfasst werden Ort, Methode, Altersgruppe, Bundesland, Schwangerschaftswoche und Rechtsgrundlage. Die Daten stammen von rund 2.000 berichtspflichtigen Meldestellen (Arztpraxen, Kliniken). Die jährliche Pressemitteilung erscheint im April/Mai des Folgejahres. Quartalsweise Updates ergänzen.
Stabiler Trend trotz Anstieg 2022-23
Nach jahrelangem Rückgang (2002: 130.000 → 2020: 84.000) stieg die Zahl der Abbrueche 2021-23 stark an (+5,5 %, +9,9 %, +8,1 %). 2024 hat sich der Anstieg auf +1,3 % verlangsamt, 2025 ist die Zahl mit -0,7 % erstmals seit 2020 wieder leicht rückläufig. Erklärung für den Anstieg 2021-23: bessere Verfügbarkeit von Mifegyne, geringere Stigmatisierung, Corona-Nachholeffekte.
Mifegyne überholt Absaugung
Mit 45 % Anteil 2025 ist Mifegyne (Wirkstoff Mifepriston) erstmals die häufigste Abbruchmethode in Deutschland — vor der Vakuumaspiration (43 %). Das markiert das Ende einer 50-jährigen Dominanz der chirurgischen Methode. Vorteile von Mifegyne: ambulant, ohne Anaesthesie, ohne OP-Zentrum, für Frauen weniger invasiv. Voraussetzung: Schwangerschaftswoche <= 9 (in DE).
69 % der Frauen 18-34 Jahre
Die meisten Abbrueche werden von Frauen im Alter von 18-34 Jahren durchgeführt (69 %, ca. 73.100 Frauen). Weitere 20 % entfallen auf 35-39-jährige (ca. 21.200). Minderjährige machen nur 3 % aus (ca. 3.180), 40+-jährige 8 % (ca. 8.500). Pro 1.000 Frauen im gebaerfähigen Alter sind das etwa 5,8 Abbrueche pro Jahr — konstant seit Jahren.
80 % innerhalb der ersten 8 Wochen
4 von 5 Abbruechen 2025 (80 %) erfolgten innerhalb der ersten 8 Schwangerschaftswochen, weitere 17 % zwischen 9. und 12. Woche. Nur 3 % wurden nach der 12. Woche durchgeführt — ueblicherweise aus medizinischer Indikation (Behinderung des Fetus, Gesundheitsgefahr für die Mutter). Späte Abbrueche sind in DE nur unter strikten Voraussetzungen erlaubt (kriminologische oder medizinische Indikation).
Rechtliche Grundlage und Diskussion
Schwangerschaftsabbrüche sind in DE durch §218 StGB grundsaetzlich strafbar, aber unter bestimmten Voraussetzungen straffrei (§218a). 96 % der Abbrueche 2025 erfolgten nach der Beratungsregelung (nach Erstberatung in Schwangerschaftskonfliktstelle und 3-Tage-Wartezeit). 4 % auf medizinische oder kriminologische Indikation. Politische Diskussion: Reform der Beratungspflicht, Streichung des §218.
Häufige Fragen (FAQ)
Antworten zu den wichtigsten Begriffen und Daten
Wie viele Schwangerschaftsabbrüche gab es 2025?
In Deutschland wurden 2025 insgesamt 106.000 Schwangerschaftsabbrüche gemeldet — das sind 0,7 % weniger als im Vorjahr 2024 (106.733). Damit ist die Zahl erstmals seit 2020 wieder leicht rückläufig. Nach dem starken Anstieg von 2021-2023 (+5,5 %, +9,9 %, +8,1 %) hat sich der Trend nun stabilisiert.
Welche Methoden werden angewendet?
2025 wurde erstmals Mifegyne (medikamentoeser Abbruch mit Mifepriston) mit 45 % zur häufigsten Methode — gefolgt von der Absaugmethode (Vakuumaspiration) mit 43 %. Weitere 12 % entfielen auf sonstige Methoden (z. B. Curettage). Vor 10 Jahren lag Mifegyne nur bei 20 %, die Absaugmethode bei 65 %.
In welchem Alter werden Abbrueche durchgeführt?
Sieben von zehn Frauen (69 %), die 2025 einen Schwangerschaftsabbruch durchführen liessen, waren zwischen 18 und 34 Jahre alt — das sind etwa 73.100 Frauen. Weitere 20 % waren zwischen 35-39 Jahren (ca. 21.200), 8 % waren 40+ Jahre, und nur 3 % waren minderjährig (unter 18 Jahre).
Wo werden Abbrueche durchgeführt?
Die Eingriffe erfolgten 2025 überwiegend ambulant: 86 % in Arztpraxen bzw. OP-Zentren, 12 % ambulant im Krankenhaus, nur 2 % stationär im Krankenhaus. Damit setzt sich der Trend zur ambulanten Versorgung fort, vor allem getrieben durch die zunehmende Verbreitung der medikamentoesen Methode (Mifegyne), die keinen OP-Setting benötigt.
In welcher Schwangerschaftswoche?
80 % aller Abbrueche 2025 erfolgten innerhalb der ersten 8 Schwangerschaftswochen, weitere 17 % zwischen 9. und 12. Woche. Nur 3 % wurden nach der 12. Schwangerschaftswoche durchgeführt — uebliche Gründe: medizinische Indikation (Fetal-Anomalien, Gesundheitsgefahr Mutter). In DE sind Späte Abbrueche nur unter strikten gesetzlichen Voraussetzungen möglich.
Wie hat sich die Zahl der Abbrueche entwickelt?
Seit dem Höchststand 2002 (130.000) waren die Schwangerschaftsabbrüche bis 2020 (84.000) rückläufig — um insgesamt 35 %. 2021-2023 stiegen die Zahlen stark an (+25 % auf 105.358). 2024 verlangsamte sich der Anstieg, 2025 ist erstmals seit 2020 wieder ein leichter Rückgang zu verzeichnen. Insgesamt liegt das Niveau 2025 (106.000) etwa 18 % unter dem Höchststand 2002.
Wie ist die rechtliche Grundlage?
Schwangerschaftsabbrüche sind in Deutschland durch §218 StGB grundsaetzlich strafbar, aber unter Voraussetzungen straffrei (§218a). 96 % der Abbrueche 2025 erfolgten nach Beratungsregelung (Beratung in einer Schwangerschaftskonfliktstelle + 3 Tage Wartezeit), 4 % auf medizinische oder kriminologische Indikation. Politische Diskussion zur Reform/Streichung von §218 läuft weiter.
Wann erscheinen neue Daten?
Quartalsdaten erscheinen ueblicherweise jeweils 2-3 Monate nach Quartalsende (Q1 2026: voraussichtlich Juli 2026). Die nächste Jahrespressemitteilung zu Schwangerschaftsabbrüchen 2026 erscheint voraussichtlich im April 2027. Diese Seite wird mit den jeweils neuesten Daten aktualisiert.
Quellen
Primärquellen und Methodik
- Destatis Destatis-Daten - Schwangerschaftsabbrüche 2025 leicht gesunken (April 2026)
- Destatis Themenseite - Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland
- Destatis - Schwangerschaftsabbrüche Q1 2025 Detail
- Destatis - Statistischer Bericht Meldestellen 2024
- Bundesgesundheitsblatt 2025 - Leitthema Schwangerschaftsabbrüche
- pro familia - Schwangerschaftskonflikt-Beratung
