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🛡️ Dunkelfeldstudie SKiD 2024

Sicherheitsgefühl & Dunkelfeld in Deutschland 2025 — SKiD 2024

Die zweite bundesweite Dunkelfeldstudie des Bundeskriminalamts zeichnet ein differenziertes Bild des Sicherheitsempfindens: 74,0 Prozent fühlen sich nachts in der eigenen Wohngegend sicher — aber an Bahnhöfen sind es nur 27,0 Prozent und in Parks 22,8 Prozent. Frauen erleben den öffentlichen Raum drastisch unsicherer als Männer, junge Menschen sind überproportional von Gewalt betroffen, und ein großer Teil aller Cyber- und Betrugsdelikte erreicht die Polizei nie.

📅 Veröffentlicht 20.04.2026 · BKA & LKA NRW · 61.000 Fragebögen (186.000 angeschrieben) · Bevölkerung ab 16 Jahren
Wohngegend nachts
74,0 %
sicheres Gefühl · +2,0 pp vs. 2020
Bahnhöfe nachts
27,0 %
sicher · Unsicherheitsraum Nr. 1
ÖPNV nachts
55,0 %
sicher · 45 % fühlen sich unsicher
Parks & Grün
22,8 %
nachts sicheres Gefühl
Straßen nachts
40,1 %
öffentliche Wege & Plätze
Wohngegend Männer
82,7 %
nachts sicher
Wohngegend Frauen
66,1 %
Gap zu Männern: 16,6 pp
Bahnhof Frauen
16,0 %
nachts · Männer: 38,5 %
Park Frauen
11,1 %
nachts · Männer: 34,8 %
Diebstahl-Opfer
12,7 %
2023 betroffen, alle Formen
Betrugs-Opfer
12,6 %
oft Online-Warenbetrug
Cyberkriminalität
18,0 %
jede 5. Person 2023
Anzeige Eigentum
33,7 %
gewaltlos · 12.154 Fälle
Anzeige Gewalt
7,4 %
Gewaltdelikte selten gemeldet
Jugendgewalt 16-17 J.
8,5 %
Opfer KöV (2020: 3,1 %)
Kfz-Diebstahl Anzeige
92,8 %
höchste Anzeigerate

Sicherheitsempfinden im öffentlichen Raum

Wohngegend versus öffentliche Räume — nachts klafft eine deutliche Lücke

Sicheres Gefühl nach Ort (nachts, %)

Tagsüber versus nachts — alle Orte

Geschlechter-Gap: Männer und Frauen erleben unterschiedliche Städte

In jedem öffentlichen Raum fühlen sich Frauen nachts deutlich unsicherer

Sicheres Gefühl nach Geschlecht (nachts)

Gender-Gap in Prozentpunkten

Alter, Jugend und Gewalt

Junge Menschen sind überproportional von Gewalt betroffen

Sicherheitsempfinden nach Altersgruppe

Opfer Körperverletzung 16-17 J. (2020 vs. 2024)

Viktimisierung: Wer wurde Opfer welcher Tat?

Opferraten 2023 nach Deliktgruppen

Opferraten nach Deliktgruppe (%)

Anzeigequoten nach Delikt

Cyber versus klassische Delikte

Dunkelfeld & Hellfeld: Was die PKS nicht zeigt

Differenz zwischen erlebter und angezeigter Kriminalität

Hellfeld vs. Dunkelfeld (angezeigt %)

Anzeige Gewalt vs. Eigentum

Misogyne Hasskriminalität (Hellfeld, Index 2020=100)

Sicherheitsgefühl nach Ort und Tageszeit (SKiD 2024)

Anteil der Befragten, die sich am jeweiligen Ort sicher fühlen — gesamt sowie nach Geschlecht (nachts)

OrtTagsüber sicherNachts gesamtNachts MännerNachts FrauenGender-Gap
Eigene Wohngegend95,1 %74,0 %82,7 %66,1 %-16,6 pp
Öffentliche Straßen88,3 %40,1 %54,1 %26,9 %-27,2 pp
Bahnhöfe71,8 %27,0 %38,5 %16,0 %-22,5 pp
Öffentlicher Nahverkehr79,5 %55,0 %68,2 %42,1 %-26,1 pp
Parks & Grünflächen81,4 %22,8 %34,8 %11,1 %-23,7 pp

Hintergrund & Einordnung

Wichtige Faktoren und Methodik im Überblick

Wer wurde befragt

SKiD ist die repräsentative Bevölkerungs­befragung des Bundes­kriminalamts in Kooperation mit den Länder­polizeien. Im Frühjahr 2024 wurden bundesweit rund 186.000 Personen ab 16 Jahren angeschrieben (davon 40.000 in NRW); ausgewertet sind rund 61.000 vollständig ausgefüllte Fragebögen. SKiD ist damit die größte zivile Sicherheitsbefragung Deutschlands. Die zweite Welle wurde am 20.04.2026 gemeinsam mit der PKS 2025 veröffentlicht.

Was das Hellfeld nicht zeigt

Die Polizeiliche Kriminalstatistik erfasst ausschließlich angezeigte Fälle. SKiD misst, wer tatsächlich Opfer wurde — unabhängig vom Anzeige­verhalten. Bei nichtgewaltförmigen Delikten landet nur ein Drittel (33,7 %) bei der Polizei, bei Gewalt nur 7,4 %. Bei Vergewaltigung/sexuellem Missbrauch beträgt die Anzeigerate 6,2 %, bei physischer sexueller Belästigung 2,6 %. Das Dunkelfeld ist größer als das Hellfeld.

Frauen erleben eine andere Stadt

In allen abgefragten Räumen fühlen sich Frauen nachts deutlich unsicherer. Im Park klafft die größte Lücke: 11,1 % der Frauen gegenüber 34,8 % der Männer. An Bahnhöfen 16,0 % vs. 38,5 %. Selbst in der eigenen Wohngegend fühlen sich Frauen 16,6 pp seltener sicher. Hinzu kommt: Die PKS 2024 registrierte +73,3 % bei misogynen Hass­delikten gegenüber dem Vorjahr.

Junge Menschen trifft Gewalt überproportional

Die 16- und 17-Jährigen wurden 2024 deutlich häufiger Opfer von Körperverletzungen als 2020 — 8,5 % gegenüber 3,1 %, fast eine Verdreifachung. Auch junge Erwachsene zwischen 18 und 24 sind überproportional von Sexualdelikten betroffen. Täter sind in 98,6 % der Fälle männlich und in den meisten Fällen Bekannte, Freunde oder (Ex-)Partner.

Cyberkriminalität ist Alltag

Fast jede fünfte Person (18 %) wurde 2023 Opfer von Cyberkriminalität. 12,6 % berichten von Betrugs­erfahrungen, vor allem Online-Warenbetrug. Doch die Anzeigequote im Internet ist niedrig: Weniger als ein Drittel aller Vermögens- und Eigentumsdelikte im Netz erreicht die Polizei. Das Dunkelfeld in Cybersache ist entsprechend groß.

Vertrauen in die Polizei bleibt hoch

Die Mehrheit der Befragten vertraut der Polizei und fühlt sich im Wohnumfeld sicher. Gleichzeitig sehen viele, dass die Polizei an Belastungsgrenzen stößt — etwa bei Cyber­delikten oder Präsenz im öffentlichen Raum. Sicherheitsgefühl ist nicht ausschließlich eine Funktion realer Tatzahlen, sondern hängt auch von gesellschaftlichen Umbrüchen, Medienberichten und individueller Erfahrung ab.

Häufige Fragen (FAQ)

Antworten zu den wichtigsten Begriffen und Daten

Was ist die SKiD-Studie und wer führt sie durch?

SKiD steht für "Sicherheit und Kriminalität in Deutschland" und ist die offizielle Dunkelfeldstudie des BKA in Zusammenarbeit mit den Länderpolizei­behörden. Durchgeführt wird sie vom infas-Institut. SKiD erfasst Kriminalitätserfahrungen, Anzeigeverhalten und Sicherheitsempfinden, die über die Polizei­liche Kriminal­statistik nicht abbildbar sind. Die erste Welle erschien 2020, die zweite (SKiD 2024) am 20. April 2026. Befragt werden Personen ab 16 Jahren in einer repräsentativen Stichprobe.

Wie viele Menschen fühlen sich in ihrer Wohngegend sicher?

Insgesamt 74,0 % der Bevölkerung fühlen sich nachts in der eigenen Wohngegend sicher — +2,0 pp gegenüber 2020. Tagsüber liegt der Wert über 95 %. Aufgeteilt nach Geschlecht: 82,7 % der Männer, aber nur 66,1 % der Frauen. Die Lücke von 16,6 Prozentpunkten ist eine der zentralen Erkenntnisse von SKiD 2024.

Warum fühlen sich Menschen an Bahnhöfen so unsicher?

Bahnhöfe sind der Ort mit dem geringsten Sicherheits­empfinden: Nur 27,0 % der Befragten fühlen sich dort nachts sicher. Bei Frauen sind es 16,0 %, bei Männern 38,5 %. Hintergrund: tatsächliche Vorfälle (Diebstahl, Belästigung, Körperverletzung) sowie atmosphärische Faktoren wie Beleuchtung, fehlende soziale Kontrolle und Präsenz von Personen in offenkundigen Krisensituationen. Bund und Bahn arbeiten in Pilot­programmen an Bahnhofs­modernisierung und Personal­präsenz.

Wie hoch ist die Anzeigequote für Gewaltdelikte tatsächlich?

Nur 7,4 % aller in der Bevölkerung erfahrenen Gewaltdelikte werden der Polizei angezeigt. Im PKS-Hellfeld fehlt damit die Mehrheit der Vorfälle. Für Eigentums- und Vermögensdelikte ohne Gewalt­anwendung liegt die Quote bei 33,7 %. Für Sexualdelikte ist sie besonders niedrig: 6,2 % bei Vergewaltigung/sex. Missbrauch und 2,6 % bei physischer sexueller Belästigung. Bei Kraftfahrzeug­diebstahl hingegen liegt die Anzeigequote bei 92,8 % — weil sie für die Versicherung erforderlich ist.

Wie stark hat Jugendgewalt zugenommen?

Laut SKiD 2024 wurden 8,5 % der 16- und 17-Jährigen Opfer einer Körperverletzung — gegenüber 3,1 % im Jahr 2020. Das ist fast eine Verdreifachung der Opferquote. Auch im PKS-Hellfeld zeigt sich ein Anstieg tatverdächtiger Kinder und Jugendlicher. Gründe sind vielschichtig: Pandemie­nachwirkungen, soziale Spaltung, Online­radikalisierung und die Belastung der Schul­sozialarbeit werden diskutiert.

Wie verbreitet ist Cyberkriminalität in Deutschland?

SKiD 2024 zeigt: Fast jede fünfte Person (18 %) wurde 2023 Opfer von Cyberkriminalität. Am häufigsten betroffen sind Warenbetrug im Online-Handel, Phishing-Mails, Identitätsdiebstahl und Konto-Hacking. Das Dunkelfeld ist besonders hoch — weniger als ein Drittel der Online-Delikte wird gemeldet. Gründe: geringe Schadenssummen, geringes Vertrauen in Ermittlungserfolge, Unsicherheit über Zuständigkeit.

Warum unterscheidet sich das Sicherheitsgefühl zwischen den Geschlechtern so stark?

Frauen erleben den öffentlichen Raum nachts in jeder Kategorie deutlich unsicherer als Männer. Die Diskrepanz reicht von 16,6 pp in der eigenen Wohngegend bis 27,2 pp auf öffentlichen Straßen. Hintergrund ist ein realer Erfahrungs­horizont: Täter sexualisierter Gewalt sind zu 98,6 % männlich, sexuelle Belästigung im öffentlichen Raum betrifft Frauen ungleich häufiger. Misogyne Hass­kriminalität stieg laut PKS 2024 um +73,3 %. Sicherheits­gefühl ist hier kein Wahrnehmungs­artefakt, sondern eine Antwort auf reale Risiken.

Wann erscheint die nächste SKiD-Welle?

Die nächste Erhebungswelle SKiD 2026 ist am 9. April 2026 angekündigt worden und läuft im Frühjahr/Sommer 2026. Ergebnisse erscheinen voraussichtlich Frühjahr 2028. Damit etabliert das BKA eine ständige Dunkelfeld­berichts­routine in einem Vier-Jahres-Rhythmus. Zwischen den Wellen erheben einige Länder eigene Studien — etwa die Sicherheits­befragung Baden-Württemberg oder die Kriminologische Forschungsstelle NRW.

Quellen

Primärquellen und Methodik