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⚠️ Insolvenz-Monitor April/Mai 2026

Unternehmens­insolvenzen in Deutschland April 2026 — 1.776 Fälle: Höchststand seit 20 Jahren

Im April 2026 wurden in Deutschland 1.776 Insolvenzen von Personen- und Kapital­gesellschaften registriert — ein Plus von 3 % gegenüber März und 10 % gegenüber April 2025. Das IWH Halle meldet den höchsten Insolvenz­wert seit über 20 Jahren. Gegenüber dem Vor-Pandemie-April (2016-2019) liegt der Wert 82 % höher. 20.000 Beschäftigte in den größten Insolvenzen betroffen — +43 % zum Vormonat, +39 % zum Vorjahr.

📅 IWH-Insolvenztrend April/Mai 2026 · Destatis Insolvenz­statistik · vorläufige Daten
Insolvenzen April 2026
1.776
Personen- + Kapital­ges.
zum Vormonat Veränderung
+3 %
vs. März 2026
zum Vorjahr Veränderung
+10 %
vs. April 2025
Vs. 2016-19 April-Schnitt
+82 %
historischer Vergleich
Höchst seit
20+ J
IWH-Marker
Mai 2026 vorläufig
1.520
+18 % vs. 12-M-Schnitt
Betroff. Besch. April
~20.000
größte 10 % d. Insolv.
Besch. Δ zum Vormonat
+43 %
vs. März 2026
Besch. Δ zum Vorjahr
+39 %
vs. April 2025
Top-betroff. Branche 1
Hotellerie
Rekordwert
Top-betroff. Branche 2
Gastron.
Rekordwert
Top-betroff. Branche 3
Immobilien
Rekordwert
Q1 2026 Gesamt
~5.300
Personen+Kapitalges.
Q2 2026 (April+Mai)
~3.300
Personen+Kapitalges.
Verbraucher-Insolv. Q1/26
~17.000
+20 % zum Vorjahr
Prognose 2026
24.000
Unternehmens­insolvenzen

Insolvenzverlauf 2024-2026

Vom Tief zur Insolvenzwelle

Insolvenzen-Monatsverlauf 2024-2026

Insolvenzen zum Vorjahr-Veränderung (%)

Branchen unter Druck

Wo sich die Pleiten ballen

Insolvenzen nach Branche April 2026

Insolvenzen Gastgewerbe Trend

Beschäftigungs-Effekt

Wie viele Menschen sind betroffen?

Betroffene Beschäftigte/Monat

Beschäftigte nach Insolvenz-Größe

Top-Insolvenzen 2026

Verbraucher- und Privatinsolvenzen

Auch Privathaushalte unter Druck

Verbraucher-Insolvenzen Trend

Privatpleiten nach Alter

Insolvenz-Gründe

Langfristtrend & Prognose

Wo wir herkommen, wo wir hingehen

Jahresinsolvenzen 2008-2026 (Prognose)

Regionale Verteilung Bundesländer

Insolvenzen Deutschland April/Mai 2026 (IWH + Destatis)

Monatsdaten Personen- und Kapital­gesellschaften — vorläufig, mit zum Vorjahr-Vergleich

MonatInsolvenzenzum Vormonat (%)zum Vorjahr (%)vs. 2016-19 (%)Beschäftigte
Januar 20261.620+5 %+8 %+72 %11.500
Februar 20262.053+27 %+12 %+85 %14.200
März 20261.725-16 %+9 %+78 %13.900
April 20261.776+3 %+10 %+82 %19.900
Mai 2026 (vorl.)1.520-14 %+5 %+72 %11.800
Q1 2026 Summe5.398+15 %+12 %+78 %39.600
Q2 2026 (April+Mai)3.296-3 %+8 %+77 %31.700

Hintergrund & Einordnung

Wichtige Faktoren und Methodik im Überblick

Höchststand seit über 20 Jahren

Mit 1.776 Insolvenzen im April 2026 markiert das IWH Halle einen historischen Wendepunkt: Es ist der höchste Monatswert seit 2005. Im Vergleich zum April-Durchschnitt der Vor-Pandemie-Jahre (2016-2019) liegt der Wert 82 % höher. Die Insolvenzwelle, die viele Beobachter ab 2024 erwartet haben, ist endgültig angekommen — mit historischer Dimension. Der Mai 2026 zeigt mit 1.520 Fällen einen leichten Rückgang, bleibt aber 18 % über dem 12-Monats-Schnitt.

Drei Branchen unter besonderem Druck

Das IWH meldet für April 2026 Rekord­werte in drei Branchen: Hotellerie und Gastronomie (Folge der Gastgewerbe-Krise nach Rückkehr zur 19 % MwSt 2024 und Rückgang Konsumlaune) sowie Immobilien (Folge schwacher Wohnungsbau­konjunktur, gestiegener Zinsen und Bauplatz-Stillstand). Gemeinsam machen diese drei Branchen schätzungs­weise 45 % aller Unternehmens­insolvenzen aus. Andere stark betroffene Branchen: Bauhauptgewerbe, Logistik, Einzelhandel.

Beschäftigungs-Schock im April

Besonders dramatisch im April 2026: 20.000 Beschäftigte in den größten 10 % aller Insolvenzen sind betroffen — ein Anstieg um 43 % gegenüber März und 39 % gegenüber April 2025. Hintergrund: Mehrere Großinsolvenzen wirken sich kumulativ aus. Die tatsächliche Zahl der durch Insolvenz betroffenen Arbeitsverhältnisse liegt höher, weil auch indirekte Effekte (Zulieferer, Dienstleister) hinzukommen. Schlüsselbranchen: Auto­zulieferer, Pharma, Maschinenbau.

Verbraucher-Insolvenzen ebenfalls hoch

Parallel zur Welle der Unternehmens­insolvenzen steigen auch die Verbraucher-Insolvenzen. Im Q1 2026 wurden etwa 17.000 Verbraucher­insolvenz­verfahren eröffnet — ein Plus von 20 % gegenüber Q1 2025. Treiber: Inflations­effekte, Energiekosten, gestiegene Mieten, Rückkehr der Energie­preis­hilfen. Besonders betroffen: Single-Haushalte mit niedrigem Einkommen, Selbst­ständige in Gastgewerbe und Handel. Im Dezember 2020 trat eine Restschuld­befreiung nach 3 Jahren in Kraft (statt 6 Jahren) — das hat zusätzlich Anreiz für Antragstellung geschaffen.

Strukturelle Ursachen, keine Konjunktur­krise allein

Die aktuelle Insolvenzwelle ist nicht nur konjunkturell: Mehrere strukturelle Faktoren wirken zusammen. (1) Rückzahlung Corona-Hilfen ist seit 2024 verpflichtend — viele Unternehmen können den Kapital­dienst nicht leisten. (2) Energiekosten bleiben auf erhöhtem Niveau. (3) Strukturelle Branchen­probleme: Auto­zulieferer (E-Wandel), Einzelhandel (Online-Druck), Bau (Zins+Materialkosten), Pharma-Industrie (Patent-Cliffs). (4) Erhöhter Mindestlohn (12,82 EUR 2026, 13,90 EUR 2027 geplant) belastet niedrig­margige Branchen.

Prognose 2026: 24.000 Unternehmensinsolvenzen

Das IWH sieht keine Anzeichen einer baldigen Stabilisierung — Früh­indikatoren erreichten zwischen Februar und April 2026 besonders hohe Werte. Erwartet werden hohe Insolvenz­zahlen mindestens bis Juli 2026. Die Jahresprognose 2026 liegt bei rund 24.000 Unternehmensinsolvenzen — das wäre ein Plus von rund 25 % gegenüber 2024 (19.250) und der höchste Jahreswert seit 2009. Erst Ende 2026 / Anfang 2027 wird mit einer Beruhigung gerechnet, wenn die Konjunktur wieder anzieht und die Corona-Hilfen-Rückzahlungen weitgehend abgeschlossen sind.

Häufige Fragen (FAQ)

Antworten zu den wichtigsten Begriffen und Daten

Wie viele Unternehmens­insolvenzen gibt es in Deutschland im April 2026?

Laut IWH-Insolvenztrend wurden im April 2026 in Deutschland 1.776 Insolvenzen von Personen- und Kapital­gesellschaften registriert — das ist der höchste Monatswert seit über 20 Jahren. Im Vergleich zu März 2026 ist das ein Plus von 3 %, gegenüber April 2025 sogar 10 %. Im Vergleich zum April-Durchschnitt der Vor-Pandemie-Jahre 2016-2019 liegen die Insolvenzen 82 % höher. Im Mai 2026 (vorläufig) waren es 1.520 Fälle — ein leichter Rückgang, aber weiterhin 18 % über dem 12-Monats-Schnitt.

Welche Branchen sind am stärksten betroffen?

Drei Branchen melden Rekord­werte: Hotellerie, Gastronomie und Immobilien. Im Gastgewerbe wirkt die Rückkehr zur 19 % MwSt 2024 (vor MwSt-Senkung 2026), schwache Konsum­laune und gestiegene Personalkosten. Im Immobilien­sektor: schwacher Wohnungsbau, gestiegene Zinsen, Bauplatz-Stillstand. Weitere stark betroffene Branchen: Bauhaupt­gewerbe, Logistik, Einzelhandel, Maschinenbau, Auto­zulieferer. Insgesamt machen Gastgewerbe + Bau + Immobilien schätzungs­weise 45 % aller Unternehmens­insolvenzen aus.

Wie viele Beschäftigte sind von der Insolvenzwelle betroffen?

Im April 2026 waren in den größten 10 % aller Insolvenzen rund 20.000 Beschäftigte direkt betroffen — ein Plus von 43 % gegenüber März und 39 % gegenüber April 2025. Im gesamten April-Insolvenz­portfolio liegt die Zahl der betroffenen Arbeits­verhältnisse bei schätzungs­weise 30.000-35.000. Hinzu kommen indirekte Beschäftigungs­effekte bei Zulieferern und Dienst­leistern, die nicht direkt gezählt werden. Insgesamt 2026 erwartet das IWH rund 250.000-300.000 betroffene Arbeits­verhältnisse.

Was sind die Hauptursachen der Insolvenzwelle?

Mehrere Faktoren wirken zusammen: (1) Rückzahlung der Corona-Hilfen seit 2024 verpflichtend — viele Unternehmen schaffen den Kapital­dienst nicht. (2) Energiekosten bleiben auf erhöhtem Niveau. (3) Strukturelle Branchen­probleme: Auto­zulieferer (E-Wandel), Einzelhandel (Online-Druck), Bau (Zinsen). (4) Inflations­druck und gestiegener Mindestlohn (12,82 EUR 2026). (5) Schwache Konsum­nachfrage — Real-Einzelhandel -2,0 % zum Vorjahr (März 2026). (6) Geopolitische Unsicherheiten (Iran, Ukraine, USA-Zölle).

Wie hat sich die Zahl seit 2020 entwickelt?

Stark gestiegen. 2019 (vor Corona): rund 19.000 Unternehmens­insolvenzen. 2020 (Insolvenz­antragspflicht-Aussetzung): nur 15.800. 2021/2022: 14.000-15.000. 2023: 17.800 (+25 % vs. 2022). 2024: 19.250 (+8 %). 2025: rund 21.000 (+9 %). Prognose 2026: rund 24.000 — ein Plus von 14 % gegenüber 2025 und der höchste Jahreswert seit 2009. Damit hat sich die Zahl gegenüber dem Tiefpunkt 2020 in 6 Jahren rund 1,5-fach erhöht.

Wie viele Verbraucher-Insolvenzen gibt es?

Im Q1 2026 wurden in Deutschland rund 17.000 Verbraucher­insolvenz­verfahren eröffnet — ein Plus von 20 % gegenüber Q1 2025. Damit setzt sich der seit 2024 erkennbare Anstieg fort. Treiber: Inflations­effekte, gestiegene Energie- und Mietkosten, Rückkehr regulärer Pfand-Energie­preise. Seit Dezember 2020 gilt die Restschuld­befreiung nach 3 Jahren (statt 6) — das hat den Anreiz zur Antragstellung erhöht. Besonders betroffen: Singles, Selbst­ständige in Gastgewerbe und Handel, Verbraucher mit Konsum­kredit­belastung.

Welche Bundesländer sind am stärksten betroffen?

Absolut: NRW (größte Volkswirtschaft, ca. 25 % aller Insolvenzen), gefolgt von Bayern (18 %), Baden-Württemberg (15 %), Niedersachsen (10 %) und Hessen (8 %). Relativ (pro 10.000 Unternehmen) führen die Stadtstaaten: Berlin und Bremen mit den höchsten Insolvenz­quoten. Hintergrund: hoher Anteil junger Unternehmen, Gastgewerbe und Einzelhandels-Konzentration in Städten. Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern liegen ebenfalls deutlich über dem Schnitt — Folge schwacher Industrie­basis.

Wann erscheinen die nächsten Insolvenzdaten?

Das IWH Halle veröffentlicht den monatlichen Insolvenztrend jeweils zur Monatsmitte des Folgemonats. Die Daten für Mai 2026 erscheinen Mitte Juni 2026 als vorläufige Schätzung, die Juni-Daten Mitte Juli. Destatis publiziert die offiziellen Insolvenzdaten mit zeitlicher Verzögerung von ca. 3-4 Monaten — März-Daten 2026 erscheinen am 22. Juni 2026. Begleitend veröffentlichen Wirtschaftspresse und Insolvenzgerichte täglich neue Fälle.

Quellen

Primärquellen und Methodik