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⚠️ Insolvenz-Monitor Juli 2026

Unternehmens­insolvenzen in Deutschland Juli 2026 — 1.689 Fälle, weiter auf Rekordniveau

Im Juli 2026 zählte der IWH-Insolvenztrend 1.689 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften — 1 % weniger als im Juni, aber 7 % mehr als im Juli 2025 und 75 % über dem Juli-Durchschnitt der Vor-Corona-Jahre 2016 bis 2019. In den größten 10 % der insolventen Unternehmen waren 13.313 Arbeitsplätze betroffen. Die Frühindikatoren erreichten im Juli einen neuen Höchstwert.

📅 IWH-Insolvenztrend Juli 2026 · Pressemitteilung 22/2026 vom 06.08.2026 · Datenstand 01.08.2026
Insolvenzen Juli 2026
1.689
Personen- + Kapital­ges.
zum Vormonat Veränderung
-1 %
vs. Juni 2026 (1.702)
zum Vorjahr Veränderung
+7 %
vs. Juli 2025 (1.579)
Vs. 2016-19 Juli-Schnitt
+75 %
Juli-Mittel 966 Fälle
Frühindikatoren
Rekord
Juli über Vorjahres­rekord
Vormonat Juni 2026
1.702
höchster Juni seit 2005
Betroff. Besch. Juli
13.313
größte 10 % d. Insolv.
Besch. Δ zum Vormonat
-6 %
vs. Juni 2026 (14.230)
Besch. Δ zum Vorjahr
+26 %
vs. Juli 2025 (10.572)
Rekord-Branche 1
Untern.-Dienstl.
höchster Wert der Reihe
Rekord-Branche 2
Finanz/Versich.
höchster Wert der Reihe
Auffällig niedrig
Gastgewerbe
ungewöhnlich wenige Fälle
Q1 2026 Summe
4.573
Jan + Feb + März
Q2 2026 Summe
4.996
höchster Wert seit 2005
Industrie-Jobs Juli
~6.000
über 12-Monats-Schnitt
Besch. vs. 2016-19
+47 %
Juli-Mittel 9.061

Insolvenzverlauf 2024 bis Juli 2026

Vom Tief zur Insolvenzwelle

Insolvenzen im Monatsverlauf 2024 bis Juli 2026

Insolvenzen zum Vorjahr-Veränderung (%)

Branchen unter Druck

Wo sich die Pleiten ballen

Insolvenzen nach Branche April 2026

Insolvenzen Gastgewerbe Trend

Beschäftigungs-Effekt

Wie viele Menschen sind betroffen?

Betroffene Beschäftigte je Monat 2026

Beschäftigte nach Insolvenz-Größe

Top-Insolvenzen 2026

Verbraucher- und Privatinsolvenzen

Auch Privathaushalte unter Druck

Verbraucher-Insolvenzen Trend

Privatpleiten nach Alter

Insolvenz-Gründe

Langfristtrend & Prognose

Wo wir herkommen, wo wir hingehen

Jahresinsolvenzen 2008-2026 (Prognose)

Regionale Verteilung Bundesländer

Insolvenzen Deutschland Januar bis Juli 2026 (IWH-Insolvenztrend)

Monatsdaten Personen- und Kapital­gesellschaften — vorläufig, mit zum Vorjahr-Vergleich

MonatInsolvenzenzum Vormonat (%)zum Vorjahr (%)vs. 2016-19 (%)Beschäftigte
Januar 20261.391-8 %+4 %+54 %16.865
Februar 20261.466+5 %+2 %+58 %23.290
März 20261.716+17 %+18 %+72 %13.922
April 20261.776+3 %+10 %+82 %19.966
Mai 20261.518-15 %+3 %+57 %11.309
Juni 20261.702+12 %+20 %+80 %14.230
Juli 20261.689-1 %+7 %+75 %13.313
Q1 2026 Summe4.573+8 %+61 %54.077
Q2 2026 Summe4.996+9 %+11 %+73 %45.505

Hintergrund & Einordnung

Wichtige Faktoren und Methodik im Überblick

Weiter auf außergewöhnlich hohem Niveau

Mit 1.689 Fällen liegt der Juli nur 1 % unter dem Juni (1.702) und 7 % über dem Juli 2025. Gegenüber dem Juli-Durchschnitt der Vor-Corona-Jahre 2016 bis 2019 (966 Fälle) beträgt der Abstand 75 %. Das zweite Quartal 2026 bleibt mit 4.996 Fällen der höchste Quartalswert seit 2005; der April (1.776) ist weiterhin der höchste Einzelmonat der Reihe.

Rekorde bei Dienstleistern, Entspannung im Gastgewerbe

Im Juli meldet das IWH die höchste jemals im Insolvenztrend erfasste Zahl an Fällen bei den unternehmensnahen Dienstleistungen sowie bei Finanz- und Versicherungs­dienstleistungen. Ungewöhnlich niedrig war die Zahl dagegen im Gastgewerbe — jener Branche, die 2025 und Anfang 2026 noch zu den am stärksten betroffenen zählte. Eine nach Branchen aufgeschlüsselte Fallzahl veröffentlicht das Statistische Bundesamt nicht; das IWH erhebt sie seit Januar 2020 selbst.

Betroffene Arbeitsplätze leicht rückläufig

In den größten 10 % der insolventen Unternehmen waren im Juli 13.313 Arbeitsplätze betroffen — 6 % weniger als im Juni, aber 26 % mehr als im Juli 2025 und 47 % über dem Juli-Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019. Auf die Industrie entfielen knapp 6.000 Arbeitsplätze, etwas mehr als im Schnitt der vergangenen zwölf Monate, aber deutlich unter den Höchstständen um die Jahreswende 2024/2025.

Verbraucher-Insolvenzen ebenfalls hoch

Parallel zur Welle der Unternehmens­insolvenzen steigen auch die Verbraucher-Insolvenzen. Im Q1 2026 wurden etwa 17.000 Verbraucher­insolvenz­verfahren eröffnet — ein Plus von 20 % gegenüber Q1 2025. Treiber: Inflations­effekte, Energiekosten, gestiegene Mieten, Rückkehr der Energie­preis­hilfen. Besonders betroffen: Single-Haushalte mit niedrigem Einkommen, Selbst­ständige in Gastgewerbe und Handel. Im Dezember 2020 trat eine Restschuld­befreiung nach 3 Jahren in Kraft (statt 6 Jahren) — das hat zusätzlich Anreiz für Antragstellung geschaffen.

Strukturelle Ursachen, keine Konjunktur­krise allein

Die aktuelle Insolvenzwelle ist nicht nur konjunkturell: Mehrere strukturelle Faktoren wirken zusammen. (1) Rückzahlung Corona-Hilfen ist seit 2024 verpflichtend — viele Unternehmen können den Kapital­dienst nicht leisten. (2) Energiekosten bleiben auf erhöhtem Niveau. (3) Strukturelle Branchen­probleme: Auto­zulieferer (E-Wandel), Einzelhandel (Online-Druck), Bau (Zins+Materialkosten), Pharma-Industrie (Patent-Cliffs). (4) Erhöhter Mindestlohn (12,82 EUR 2026, 13,90 EUR 2027 geplant) belastet niedrig­margige Branchen.

Frühindikatoren auf neuem Höchstwert

Das IWH erhebt Frühindikatoren, die dem Insolvenzgeschehen in der Regel zwei bis drei Monate vorauslaufen. Nachdem sie sich im Mai und Juni auf hohem Niveau eingependelt hatten, erreichten sie im Juli einen neuen Höchstwert — nochmals leicht über dem bisherigen Rekord aus dem Juli 2025. Zu diesem Wert dürften auch die 23 Werktage des Monats beigetragen haben. Steffen Müller, Leiter der IWH-Insolvenzforschung, rechnet deshalb auch in den Folgemonaten mit sehr vielen Insolvenzen.

Häufige Fragen (FAQ)

Antworten zu den wichtigsten Begriffen und Daten

Wie viele Unternehmens­insolvenzen gibt es in Deutschland im Juli 2026?

Der IWH-Insolvenztrend zählt für Juli 2026 genau 1.689 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften. Das sind 1 % weniger als im Juni (1.702), aber 7 % mehr als im Juli 2025 (1.579) und 75 % mehr als im Juli-Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019.

Welche Branchen sind am stärksten betroffen?

Im Juli 2026 verzeichneten die unternehmensnahen Dienstleistungen sowie die Finanz- und Versicherungs­dienstleistungen die höchsten jemals im IWH-Insolvenztrend erfassten Werte. Im Gastgewerbe lag die Zahl dagegen ungewöhnlich niedrig. Fallzahlen je Branche veröffentlicht das Statistische Bundesamt nicht; das IWH erhebt sie seit 2020 selbst.

Wie viele Beschäftigte sind von der Insolvenzwelle betroffen?

In den größten 10 % der insolventen Unternehmen waren im Juli 2026 rund 13.313 Arbeitsplätze betroffen — 6 % weniger als im Juni, aber 26 % mehr als im Juli 2025 und 47 % über dem Vor-Corona-Durchschnitt. Auf die Industrie entfielen knapp 6.000 Arbeitsplätze.

Was sind die Hauptursachen der Insolvenzwelle?

Mehrere Faktoren wirken zusammen: (1) Rückzahlung der Corona-Hilfen seit 2024 verpflichtend — viele Unternehmen schaffen den Kapital­dienst nicht. (2) Energiekosten bleiben auf erhöhtem Niveau. (3) Strukturelle Branchen­probleme: Auto­zulieferer (E-Wandel), Einzelhandel (Online-Druck), Bau (Zinsen). (4) Inflations­druck und gestiegener Mindestlohn (12,82 EUR 2026). (5) Schwache Konsum­nachfrage — Real-Einzelhandel -2,0 % zum Vorjahr (März 2026). (6) Geopolitische Unsicherheiten (Iran, Ukraine, USA-Zölle).

Wie hat sich die Zahl seit 2024 entwickelt?

Im IWH-Insolvenztrend summieren sich die Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften auf 15.480 im Jahr 2024 und 17.530 im Jahr 2025 — ein Plus von 13 %. Von Januar bis Juli 2026 sind es 11.258 Fälle gegenüber 10.310 im gleichen Zeitraum 2025, also rund 9 % mehr. Diese Reihe ist enger abgegrenzt als die amtliche Statistik der Unternehmens­insolvenzen, die zusätzlich Kleinstunternehmen erfasst.

Wie viele Verbraucher-Insolvenzen gibt es?

Im Q1 2026 wurden in Deutschland rund 17.000 Verbraucher­insolvenz­verfahren eröffnet — ein Plus von 20 % gegenüber Q1 2025. Damit setzt sich der seit 2024 erkennbare Anstieg fort. Treiber: Inflations­effekte, gestiegene Energie- und Mietkosten, Rückkehr regulärer Pfand-Energie­preise. Seit Dezember 2020 gilt die Restschuld­befreiung nach 3 Jahren (statt 6) — das hat den Anreiz zur Antragstellung erhöht. Besonders betroffen: Singles, Selbst­ständige in Gastgewerbe und Handel, Verbraucher mit Konsum­kredit­belastung.

Welche Bundesländer sind am stärksten betroffen?

Absolut: NRW (größte Volkswirtschaft, ca. 25 % aller Insolvenzen), gefolgt von Bayern (18 %), Baden-Württemberg (15 %), Niedersachsen (10 %) und Hessen (8 %). Relativ (pro 10.000 Unternehmen) führen die Stadtstaaten: Berlin und Bremen mit den höchsten Insolvenz­quoten. Hintergrund: hoher Anteil junger Unternehmen, Gastgewerbe und Einzelhandels-Konzentration in Städten. Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern liegen ebenfalls deutlich über dem Schnitt — Folge schwacher Industrie­basis.

Wann erscheinen die nächsten Insolvenzdaten?

Das IWH Halle veröffentlicht den Insolvenztrend jeweils Anfang des Folgemonats; die Juli-Zahlen erschienen am 6. August 2026, die August-Zahlen folgen Anfang September. Das Statistische Bundesamt publiziert seine amtliche Insolvenzstatistik mit rund zwei Monaten Verzug.

Quellen

Primärquellen und Methodik

Gründungen als Gegenstück

Insolvenzen zeigen das Ausscheiden, die Gewerbeanzeigen den Zustrom neuer Betriebe.

Gewerbeanmeldungen Q1 2026188.900 Neugründungen, Saldo und größere BetriebeVerbraucherinsolvenzenPrivatinsolvenzen im Jahresverlauf