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🌲 Bundeswaldinventur 4 (BWI4)

Wald in Deutschland — 11,5 Mio. Hektar, doch seit 2017 CO₂-Quelle statt Senke

Die vierte Bundeswaldinventur (BWI4, vorgestellt 08.10.2024) zeigt: Ein Drittel Deutschlands ist bewaldet — 11,5 Mio. Hektar. Mischwald macht inzwischen 79 % aller Wald­flächen aus, Laubbäume legen um 7 % zu. Aber: Trockenheit, Borkenkäfer und Stürme haben den Kohlenstoff­vorrat seit 2017 um 41,5 Mio. Tonnen reduziert — der deutsche Wald ist erstmals zur CO₂-Quelle geworden. Fichte verliert 17 % Fläche.

📅 BWI4 publ. 08.10.2024 · BMLEH (ehem. BMEL) · Thünen-Institut · Erhebung 2022-2024 · rund 80.000 Stichprobenpunkte
Waldfläche gesamt
11,5 Mio ha
32 % von Deutschland
Δ vs. BWI3 (2012)
+15.000 ha
leicht gewachsen
Mischwald-Anteil
79 %
+3 pp vs. 2012
Laubbaum-Anteil Δ
+7 %
mehr Laub-Fläche
Kiefer-Anteil
22 %
häufigste Baumart
Fichte-Anteil
21 %
-17 % Fläche vs. 2012
Buche-Anteil
17 %
wichtigster Laubbaum
Eiche-Anteil
12 %
klimaresistent
CO₂-Vorrat Δ
-41,5 Mio t
-3 % seit 2017
CO₂-Quelle seit
2017
früher Senke
Holzvorrat ges.
3,87 Mrd m³
leicht rückläufig
Totholz
21,6 m³/ha
wichtig für Biodiversität
Eigentum: Privat
48 %
der Waldfläche
Eigentum: Bund/Länder
33 %
staatlich
Eigentum: Kommunal
19 %
Körper­schaftswald
Wald als CO₂-Senke 2017
+25 Mio t/J
historischer Wert

Waldfläche und Baumarten

Wer wächst in Deutschlands Wäldern?

Baumarten-Anteil 2024 (BWI4)

Verschiebung 2012 vs. 2024

Fichte unter Druck, Mischwald wächst

Strukturwandel im deutschen Wald

Mischwald-Anteil Trend

Fichten-Fläche vs. Eichen-Fläche

Kohlenstoffbilanz: Senke kippt zur Quelle

Klimawandel verschiebt CO₂-Rolle des Waldes

CO₂-Bilanz Wald 2010-2024

Kohlenstoffvorrat-Δ

Sturmschadensjahre 2018-2024

Eigentumsverhältnisse

Wer besitzt den deutschen Wald?

Eigentumsstruktur Wald

Top-Bundesländer Waldfläche

Bewaldungs-Anteil Bundesländer

Biodiversität und Naturschutz

Totholz, Lebensräume, geschützte Flächen

Totholz-Bestand 2002-2024

Naturwald-Flächen Schutzkategorie

Baumarten im deutschen Wald (BWI4 2024)

Hauptbaumarten nach Flächenanteil und Klimaverträglichkeit

BaumartAnteil 2024Anteil 2012Δ ppKlimaverträglich
Kiefer22 %22 %+0 ppgut
Fichte21 %25 %-4 ppschlecht (Trockenheit)
Buche17 %15 %+2 ppmittel
Eiche12 %11 %+1 ppsehr gut
Birke5 %4 %+1 ppgut
Douglasie2 %2 %+0 ppgut (Klima)
Tanne2 %2 %+0 ppmittel
Lärche3 %3 %+0 ppmittel
Sonstige16 %16 %+0 ppgemischt

Hintergrund & Einordnung

Wichtige Faktoren und Methodik im Überblick

Ein Drittel Deutschlands ist Wald

Mit 11,5 Mio Hektar bedeckt der Wald rund 32 % der Fläche Deutschlands — das macht ihn zum größten zusammen­hängenden Ökosystem des Landes. Die Bundeswaldinventur (BWI) wird alle 10 Jahre durchgeführt, zuletzt 2022-2024 mit 80.000 Stichproben­punkten. Seit der ersten Inventur 1987 hat die Waldfläche leicht zugenommen — insbesondere durch Aufforstung ehemaliger Agrarflächen und Stillegungen.

Der Wald als CO₂-Quelle

Eine der dramatischsten BWI4-Erkenntnisse: Der deutsche Wald hat seit 2017 mehr CO₂ abgegeben als aufgenommen. Das ist ein historischer Wendepunkt — davor speicherte der Wald rund 25 Mio Tonnen CO₂ pro Jahr. Hintergrund: Trockenheit, Borkenkäfer­massenvermehrung, Wald­brände und großflächiges Absterben von Fichten. Der gespeicherte Kohlenstoffvorrat sank seit 2017 um 41,5 Mio Tonnen oder 3 %.

Fichte verliert — Eiche und Buche gewinnen

Die einst dominante Fichte hat 17 % ihrer Fläche eingebüßt — sie ist die größte Verliererin der Klimakrise. Hintergrund: Borkenkäfer-Käferpopulationen explodierten nach den Sommern 2018-2020, die geschwächten Bäume waren nicht mehr widerstands­fähig. An ihre Stelle treten Mischwälder mit Buche (17 %, +2 pp), Eiche (12 %, +1 pp), Birke und kleineren Anteilen klimaresistenter Arten wie Douglasie.

79 % Mischwald — ein Erfolg

Die Förderung naturnaher Mischwälder zeigt Wirkung: 79 % der deutschen Waldfläche sind heute Mischwald (Definition: mindestens zwei Baumarten mit jeweils 10 % Anteil). Das ist ein Anstieg um 3 Prozentpunkte gegenüber 2012. Mischwälder sind widerstands­fähiger gegen Sturm, Trockenheit und Schädlinge — ein zentraler Baustein der Anpassung an den Klimawandel. Die Länder fördern Mischwald-Umbau systematisch.

Eigentum — halb privat, halb öffentlich

Der deutsche Wald ist relativ gleichmäßig zwischen privaten und öffentlichen Eigentümern verteilt: 48 % Privat­eigentum (vorwiegend Klein­privatwald < 20 ha), 33 % Bund und Länder, 19 % Kommunen. Insgesamt rund 2 Mio Privatwald­besitzer:innen. Das Spannungs­feld zwischen wirtschaftlicher Nutzung, Klimaschutz und Erholung prägt die deutsche Waldpolitik — mit oft konfligierenden Interessen.

Biodiversität und Naturwald

Der Totholzanteil im Wald liegt aktuell bei 21,6 m³/ha — deutlich höher als 2002 (11 m³/ha). Totholz ist essenziell für Insekten, Pilze und Tier­arten wie den Schwarzspecht. Rund 3 % der deutschen Waldfläche (340.000 ha) sind als "Naturwald" ohne forstwirtschaftliche Nutzung ausgewiesen — das Ziel der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt liegt bei 5 %. Zusätzlich stehen rund 18 % des Waldes unter Natura-2000-Schutz.

Häufige Fragen (FAQ)

Antworten zu den wichtigsten Begriffen und Daten

Wie groß ist der deutsche Wald?

Laut Bundeswaldinventur 4 (BWI4, veröffentlicht 08.10.2024) bedeckt der Wald in Deutschland 11,5 Millionen Hektar — das sind rund 32 % oder ein Drittel der Landesfläche. Im Vergleich zur BWI3 von 2012 hat die Waldfläche geringfügig um etwa 15.000 ha zugenommen. Seit 1987 (BWI1) ist die Waldfläche leicht gewachsen, vor allem durch Aufforstung ehemaliger landwirtschaftlicher Flächen.

Welche Baumart ist die häufigste in Deutschland?

Die Kiefer ist mit 22 % Flächenanteil die häufigste Baumart, gefolgt von der Fichte mit 21 %, Buche mit 17 % und Eiche mit 12 %. Die restlichen 28 % verteilen sich auf 47 weitere Baumarten und Artengruppen. Die Fichte hat allerdings seit 2012 17 % ihrer Fläche verloren — vor allem durch Borkenkäfer-Plagen und Trockenheit. Buche und Eiche legten leicht zu (+2 pp / +1 pp).

Ist der deutsche Wald eine CO₂-Senke oder -Quelle?

Die BWI4 zeigt einen historischen Wendepunkt: Seit 2017 gibt der deutsche Wald mehr CO₂ ab als er aufnimmt — er ist von einer Senke zu einer Quelle geworden. Der Kohlenstoffvorrat im Wald ist seit 2017 um 41,5 Mio Tonnen (-3 %) gesunken. Hintergrund: Trockenheit, Borkenkäfer­befall, Wald­brände und Schadereignisse haben großflächig Bestand reduziert. Vor 2017 speicherte der Wald rund 25 Mio Tonnen CO₂ pro Jahr.

Warum ist die Fichte so stark betroffen?

Die Fichte ist besonders empfindlich gegenüber Klimaveränderungen: Sie hat ein flaches Wurzelsystem und ist anfällig für Trockenheit. Geschwächte Fichten werden Opfer des Buchdruckers und anderer Borkenkäfer-Arten. Seit 2018 hat eine bei­spiellose Borkenkäfer­massenvermehrung Millionen Fichten getötet. Die Fichten­fläche ist um 17 % gesunken — die größte Reduktion einer einzelnen Baumart seit Beginn der Bundeswaldinventur.

Was ist Mischwald und warum ist er wichtig?

Mischwald (im Forstrecht definiert als Bestand mit mindestens zwei Baumarten mit jeweils min. 10 % Anteil) ist widerstands­fähiger gegen Klima­risiken: Trockenheit, Schädlinge und Sturm treffen einzelne Baumarten unterschiedlich. Ein Mischwald hat geringere Ausfall­risiken. 79 % der deutschen Waldfläche ist heute Mischwald — ein Anstieg um 3 pp gegenüber 2012. Die Länderforst­verwaltungen setzen systematisch auf Mischwald-Umbau.

Wem gehört der deutsche Wald?

Die Eigentumsverhältnisse sind relativ ausgewogen: 48 % Privateigentum (insgesamt rund 2 Mio Privatwald­besitzer:innen, vorwiegend Klein­parzellen unter 20 ha), 33 % Bund und Länder (z.B. die staatlichen Forstverwaltungen), 19 % Kommunen (Körperschafts­wald). In Thüringen und Sachsen ist der Anteil staatlichen Waldes besonders hoch (> 50 %), in Niedersachsen und Bayern dominiert Privatwald.

Was ist der Beitrag des Waldes zur Biodiversität?

Wald ist mit weitem Abstand das artenreichste Ökosystem in Deutschland: Schätzungs­weise 6.700 Tierarten und 1.700 Pflanzenarten leben im Wald. Wichtig sind insbesondere Tot­holz (21,6 m³/ha aktuell, vs. 11 m³/ha 2002) für Insekten und Vögel sowie alte Bäume für Höhlenbewohner. Rund 18 % der Wald­fläche stehen unter Natura-2000-Schutz, 3 % sind als Naturwald (ohne Nutzung) ausgewiesen — Ziel: 5 %.

Was sind die nächsten Schritte in der deutschen Waldpolitik?

Die Bundesregierung hat 2023 einen "Bundeswaldgesetz-Entwurf" mit Schwerpunkten Klimaschutz, Bio­diversität und Wald­umbau vorgelegt. Die wichtigsten geplanten Maßnahmen: Verbindliche Mischwald-Quoten, Ausweitung Naturwald-Flächen auf 5 %, höhere Förderung des Wald­umbaus durch private Waldbesitzer (Bundes­programm: 900 Mio EUR über 4 Jahre). Die nächste Bundeswaldinventur (BWI5) wird ab 2032 starten.

Quellen

Primärquellen und Methodik