Europawahl 2024
Archivseite zur Europawahl 2024: 370 Millionen Wahlberechtigte in 27 Staaten wählten 720 Abgeordnete. Die Ergebnisse prägen die Legislaturperiode des Europäischen Parlaments von 2024 bis 2029.
🇪🇺 Sitzverteilung im Europäischen Parlament
Das 10. Europäische Parlament (2024–2029) mit 720 Sitzen. Die EVP bleibt stärkste Kraft, zwei neue rechte Fraktionen entstanden nach der Wahl: Patrioten für Europa (PfE) und Europa der Souveränen Nationen (ESN).
Fraktionen im Europäischen Parlament 2024–2029
CDU/CSU aus Deutschland mit 30 MdEP
SPD aus Deutschland mit 14 MdEP
RN (Frankreich), FPÖ, Fidesz, Lega
Fratelli d'Italia, PiS (Polen)
Macrons Renaissance nur 10 Sitze
Grüne aus Deutschland mit 12 MdEP
Die Linke aus DE mit 3 MdEP
AfD (14 MdEP), Reconquête
Rechtsruck im Europäischen Parlament
Die rechten Fraktionen (PfE + EKR + ESN) stellen zusammen 187 Sitze – mehr als ein Viertel des Parlaments. Die bisherige informelle „Große Koalition" aus EVP, S&D und Renew kann aber weiterhin Mehrheiten bilden (401 Sitze). Ursula von der Leyen wurde mit den Stimmen von EVP, S&D, Renew und Teilen der Grünen erneut zur Kommissionspräsidentin gewählt.
🇩🇪 Ergebnis Deutschland
96 der 720 Sitze entfallen auf Deutschland – das größte Kontingent aller EU-Staaten. CDU/CSU gewinnt klar, AfD wird zweitstärkste Kraft, Grüne stürzen ab, BSW aus dem Stand erfolgreich.
Europawahl 2024 – Endgültiges Ergebnis Deutschland (Zweitstimmen)
Klarer Wahlsieger
Aus ID ausgeschlossen, gründete ESN
Schlechtestes SPD-Ergebnis bei bundesweiter Wahl
2019 noch 20,5% – größter Verlierer
Erst im Januar 2024 gegründet
Unter Erwartungen geblieben
Erstmals durften 16-Jährige wählen
Bei dieser Europawahl wurde das Wahlalter in Deutschland erstmals auf 16 Jahre gesenkt – etwa 1,4 Millionen Erstwähler kamen hinzu. Das Wahlverhalten der 16–24-Jährigen war überraschend: 28% wählten Kleinstparteien, CDU/CSU und AfD lagen mit je 17% gleichauf. Die Grünen stürzten bei Jungwählern von 34% (2019) auf nur noch 11% ab.
14 Parteien im Europaparlament – keine 5%-Hürde
Da es bei der Europawahl keine Sperrklausel gibt, zogen auch kleinere Parteien ein: Freie Wähler (3 Sitze), Volt (3), Die Partei (2), Tierschutzpartei (1), Familienpartei (1), ÖDP (1) und Partei des Fortschritts (1). 0,6% der Stimmen reichten für einen Sitz.
🌍 Ergebnisse in wichtigen EU-Ländern
Der Rechtsruck zeigte sich besonders in Frankreich und Italien. In beiden Ländern gewannen rechte Parteien klar. Präsident Macron löste nach dem Wahldesaster das französische Parlament auf.
🇫🇷 Frankreich – 81 Sitze
🗳️ Wahlbeteiligung: 51,5% · Macron löste Parlament auf
🇮🇹 Italien – 76 Sitze
🗳️ Wahlbeteiligung: 49,7% · Meloni +20 Punkte vs. 2019
Mehr als doppelt so viele Stimmen wie Macrons Liste
+20 Prozentpunkte seit 2019
Vor ÖVP (24,5%) und SPÖ (23,2%)
PiS nur noch 36,2%
Politisches Erdbeben in Frankreich
Präsident Macron reagierte auf das Wahldesaster seiner Renaissance-Partei (nur 14,6%) mit der sofortigen Auflösung der Nationalversammlung und rief Neuwahlen aus. Bei den anschließenden Parlamentswahlen im Juli 2024 scheiterte Le Pen jedoch an einer absoluten Mehrheit – ein breites Bündnis gegen die extreme Rechte verhinderte den Durchmarsch des RN.
📊 Wahlbeteiligung im Vergleich
Nach dem historischen Tiefpunkt 2014 steigt die Wahlbeteiligung bei Europawahlen wieder – sowohl EU-weit als auch in Deutschland.
Wahlbeteiligung bei Europawahlen seit 1979
Große Unterschiede zwischen den Ländern
Die Wahlbeteiligung variiert stark: In Belgien (89%) und Luxemburg (82%) besteht Wahlpflicht. Deutschland liegt mit 64,7% deutlich über dem EU-Durchschnitt (51%). Schlusslichter sind Kroatien (21%), Litauen (28%) und Bulgarien (34%). Die steigende Beteiligung wird als Zeichen wachsender Europapolitisierung gewertet.
🔄 Fraktionsneugründungen nach der Wahl
Das rechte Lager ordnete sich nach der Wahl neu: Die ID-Fraktion löste sich auf, zwei neue Fraktionen entstanden.
AfD-Skandal führte zum Fraktionsausschluss
Der AfD-Spitzenkandidat Maximilian Krah hatte sich vor der Wahl verharmlosend über die SS geäußert und ein Mitarbeiter wurde wegen Spionageverdachts verhaftet. Marine Le Pen nutzte dies, um die AfD aus der ID-Fraktion auszuschließen – auch um ihre eigene Wählbarkeit als mögliche französische Präsidentin zu erhöhen. Krah wurde nach der Wahl auch aus der AfD-Delegation ausgeschlossen.
🗺️ Wahlsieger in den EU-Ländern
Die EVP-Parteien gewannen in den meisten Ländern. In Frankreich, Italien, Österreich, Ungarn und anderen siegten jedoch rechte Parteien.
📚 Quellenverzeichnis
- Europäisches Parlament – Amtliche Ergebnisse der Europawahl 2024 → results.elections.europa.eu
- Bundeswahlleiterin – Endgültiges Ergebnis der Europawahl in Deutschland → bundeswahlleiterin.de
- Bundeszentrale für politische Bildung – Analyse zur Europawahl 2024 → bpb.de
- Landeszentrale für politische Bildung BW – Europawahl-Dossier → europawahl-bw.de
- Statista – Wahlergebnisse und Analysen → statista.com
Archivstand: 26. März 2026 · Datenquellen: Europäisches Parlament, Bundeswahlleiterin, nationale Wahlbehörden